Der US-Amerikaner Ben Shelton bejubelt seinen Einzug in das Halbfinale

Stand: 09.09.2026 • 12:03 Uhr

Titelverteidiger Carlos Alcaraz ist bei den US Open in einem epischen Viertelfinale überraschend gescheitert und hat das späteste Match der Turniergeschichte verloren.


Sebastian Hochrainer

Der 23 Jahre alte Spanier musste sich Ben Shelton in einem hochklassigen Match mit 7:6 (7:5), 1:6, 3:6, 6:1, 6:7 (7:10) geschlagen geben. Der US-Amerikaner erreichte sein zweites Halbfinale beim Grand-Slam-Turnier von New York und trifft nun in einem US-Duell auf Frances Tiafoe. Nach 4:28 Stunden verwandelte Shelton um 3:33 Uhr Ortszeit unter großem Jubel der immer noch zahlreichen Fans den Matchball im Arthur Ashe Stadium. Der 23-Jährige ist damit potenzieller Endspielgegner von Alexander Zverev, der in seinem Viertelfinale auf den Niederländer Botic van de Zandschulp trifft.

Lange hatten die beiden Spektakel-Tennisspieler warten müssen, bis es im Arthur Ashe Stadium endlich losgehen konnte. 23:06 Uhr war es in New York, als Shelton die Partie eröffnete, die den Fans die Nachtstunden (und in Deutschland auch die Morgenstunden) versüßen sollte. Im Vorfeld hatte der US-Amerikaner seinen Gegner bereits als „Superhuman“ bezeichnet, übermenschlich war aber, was beide leisteten.

Alcaraz gewinnt hochklassigen Tie Break

Alcaraz musste auf Aufschläge von bis zu 242 Stundenkilometer reagieren, doch das größere Problem für ihn war „der Zweite“ seines Gegners. Der Spanier fand da nicht die richtige Position, mal stand er hinten an der Wand, mal an der Grundlinie, so machte Shelton zu 75 Prozent den Punkt und bis zum 5:5 waren beide stabil. Dann breakte Alcaraz den US-Amerikaner doch, der konterte aber sofort und es ging in den Tie Break.

Da wurde es das außergewöhnliche Spiel, das sich die Massen erhofft hatten. Shelton gewann einen unglaublichen Ballwechsel zum 1:1 und spielte mit dem Publikum, während Alcaraz am Boden lag. 5:3 führte die heimische US Open-Hoffnung, doch er gab die Führung wieder her. Schließlich verwandelte Alcaraz seinen ersten Satzball spektakulär, nachdem sich Shelton noch mit einem Tweener in den Ballwechsel gekämpft hatte, dann aber doch patzte.

Shelton findet den Schlüssel, um Alcaraz zu knacken

Schon da deutete sich aber an, dass Alcaraz große Probleme mit seinem Aufschlag hatte, Shelton hatte die richtigen Mittel gefunden, um seinem Gegner zu schaden. Zwar hielt der Weltranglistendritte seinen Service zunächst, nachdem er vier Breakchancen abgewehrt hatte, doch danach schlug sein Widersacher zu. Alcaraz vergab zunächst selbst drei Gelegenheiten, um Shelton den Aufschlag abzunehmen, doch der dieser war danach nicht mehr zu stoppen – er gewann den Satz mit 6:1.

Shelton holt auch den dritten Satz gegen Alcaraz

Und genauso ging es auch im dritten Durchgang weiter, mit einem völlig Alcaraz-untypischen Volleyfehler besiegelte er selbst das sofortige Break zum 0:2. Der Spanier fightete, hatte selbst die Chance, Shelton den Aufschlag abzunehmen, schaffte das nicht, aber brachte nach neun verlorenen Spielen in Folgen dann immerhin zum 1:3 seinen Service durch und feuerte sich mit einem lauten „Come on“ an. Shelton blieb aber cool und dominant.

Eigentlich gilt der US-Amerikaner als jemand, der in den großen Spielen scheitert. Seit seinem Halbfinale bei den US Open 2023 gegen Novak Djokovic hat er sich in Grand Slams sechsmal so weit vorgearbeitet, dass er gegen Topspieler randurfte, seine Bilanz ist mit 1:18-Sätzen mehr als ausbaufähig gewesen. Im zweiten Satz verbesserte er diese Ausbeute schon, nun arbeitete er sogar an der Satzführung. Obwohl Alcaraz wieder deutlich besser spielte, gewann Shelton den dritten Satz mit 6:3 und sicherte sich die 2:1-Satzführung.

Alcaraz kämpft sich mit viel Wucht zurück ins Spiel

Gleich zu Beginn des vierten Durchgangs wäre der Spanier fast direkt erneut schnell ins Hintertreffen geraten, doch er kämpte und wehrte mehrere Breakbälle seines Gegners ab. Und das gab ihm Auftrieb. Alcaraz nahm nach teils spektakulären Ballwechseln Shelton den Aufschlag ab und ging mit 2:0 in Führung. Der Spanier war wieder da, das Momentum hatte sich komplett gedreht.

Spaniens Carlos Alcaraz ballt die Faust

Spätestens nach dem 3:0 für den Spanier sah es nach einem fünften Satz aus, was auch das Publikum verzückte. Alcaraz gelang es, auch sein darauffolgendes Aufschlagspiel durchzubringen, und nach einem erneuten Break zog er auf 5:1 davon. Er gewann den vierten Durchgang schließlich souverän mit 6:1.

Shelton entscheidet Nervenkrimi im Match-Tiebreak für sich

Es ging also in den fünften Satz, und das hatte die Partie auch verdient. Würde bei Alcaraz die Kraft reichen? Und würde Shelton, der bis dahin sein bestes Tennis gespielt hatte, noch zulegen können?

Nachdem beide ihr Aufschlagsspiel jeweils durchgebracht hatten – wenn auch manchmal knapp und nach Rückstand – hieß es 3:3. Die Partie wurde zum Nervenkrimi, wer sollte den ersten Fehler machen, wer sollte sich das erste Break sichern?

In Spiel sieben war Alcaraz ganz nah dran, brachte eine 30:0-Führung aber nicht ins Ziel. Anschließend vergab Shelton gleich drei Breakbälle. 4:4 – die Spannung stieg.

Nachdem Shelton sein Service erstmals im fünften Durchgang souverän durchgebracht hatte, servierte Alcaraz beim Stand von 4:5 gegen den Satzverlust. Er hielt – man ahnt es schon – dem Druck stand und glich zum 5:5 aus. Beim 6:5 für Shelton spitzte es sich erneut zu für den Spanier. Doch er konterte und es ging in den Match-Tiebreak. Auch der hatte diverse Volten parat. Letzlich hatte dann Shelton mit 10:6 das bessere Ende für sich – und beendete das Match mit einem Ass.