MRT zeigt Unterschiede in der weißen Substanz
Für die Basisanalyse hat das Team 50 Menschen mit schwerem Typ-2-Asthma und 25 Personen mit gut kontrolliertem mildem oder mittelschwerem Typ-2-Asthma untersucht. Alle Teilnehmer erhielten eine Magnetresonanztomografie des Gehirns, bei der zusätzlich die Quasi-Diffusions-Bildgebung (QDI) zum Einsatz kam und mikroskopische Eigenschaften der weißen Hirnsubstanz erfasste.
Die weiße Substanz besteht vor allem aus Nervenfaserbahnen, die verschiedene Gehirnregionen verbinden, und zeigte in der QDI bei schwerem Asthma eine geringere Organisation als in der Vergleichsgruppe. Zusätzlich fanden die Forscher Größenunterschiede in einzelnen Strukturen und Regionen, darunter im Hippocampus und in den Temporallappen.
Entzündungswerte folgen den Hirnunterschieden
Besonders auffällig war der Zusammenhang mit der Typ-2-Entzündung, denn über alle 75 Teilnehmer hinweg gingen höhere Entzündungswerte mit stärkeren Unterschieden in der weißen Hirnsubstanz einher. Damit stützt die Untersuchung die Annahme, dass die fehlgeleitete Immunreaktion bei schwerem Asthma auch mit Vorgängen außerhalb der Lunge zusammenhängen könnte.
„Wir fanden messbare Unterschiede in der Gehirnstruktur bei Menschen mit schwerem Asthma und hoher Typ-2-Entzündungsaktivität im Vergleich zu Menschen mit mildem bis mittelschwerem und gut kontrolliertem Asthma. Bei allen Teilnehmern waren höhere Werte der Typ-2-Entzündung mit stärkeren Unterschieden in der weißen Hirnsubstanz verbunden. Obwohl diese Studie nicht beweisen kann, dass die Entzündung diese Veränderungen verursacht, deutet sie auf eine mögliche biologische Verbindung hin, die weiter untersucht werden sollte“, erklärt Nava.
Der Zusammenhang belegt noch keine Ursache
Als Beobachtungsstudie zeigt die Basisanalyse zunächst nur eine Korrelation und kann nicht klären, ob die Entzündung selbst die Unterschiede im Gehirn auslöst. Auch langfristige Krankheitsbelastung oder bisherige Behandlungen könnten zum Gesamtbild beitragen, weshalb der weitere Verlauf der CONTENTed-Studie diese Möglichkeiten besser auseinanderhalten soll.
Therapiephase soll die Veränderbarkeit prüfen
Das Studienprotokoll sieht deshalb einen zweiten Schritt vor, bei dem Menschen mit schwerem eosinophilem Asthma vor Beginn einer Behandlung mit Mepolizumab und erneut nach sechs Monaten untersucht werden. Mepolizumab wird bei bestimmten Formen von schwerem eosinophilem Asthma eingesetzt, während das Projekt parallel neben der Gehirnbildgebung auch Wohlbefinden und kognitive Funktionen erfasst.
Mit dem Längsschnittvergleich wollen die Forscher prüfen, ob sich die beobachteten Hirnunterschiede gemeinsam mit einer besseren Asthmakontrolle verändern, wobei Ergebnisse dieser Behandlungsphase in der aktuellen Auswertung noch nicht enthalten sind.
„Eine der wichtigsten Fragen ist, ob sich diese Veränderungen im Gehirn verhindern oder rückgängig machen lassen. Wir hoffen, dass unsere laufende Arbeit dazu beitragen wird, diese Frage zu beantworten“, sagt Professor James Dodd, der die CONTENTed-Studie leitet.
Für die Einordnung entscheidend bleibt damit der nächste Messzeitpunkt, denn Veränderungen der Hirnmerkmale parallel zu Entzündungsaktivität und Asthmakontrolle würden den vermuteten biologischen Zusammenhang weiter stützen. Bleiben sie dagegen stabil, müsste stärker geprüft werden, welche langfristigen oder unabhängigen Faktoren hinter den beobachteten Unterschieden stehen.
Quellen:
9. September 2026
– Kathrin Klatt