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Politisches Urgestein: Jürgen Timm tritt mit 89 Jahren noch einmal für die FDP bei der Kommunalwahl in Stuhr an – und bringt jahrzehntelange Erfahrung aus Gemeinderat, Kreistag und Deutschem Bundestag mit. © Horst Meyer
Jürgen Timm blickt auf Jahrzehnte in der Politik zurück – und tritt mit 89 Jahren noch einmal für den Stuhrer Gemeinderat an. Ob das politische Urgestein erneut ins Rathaus einzieht, entscheiden die Wähler am Sonntag.
Stuhr – Auf den Stimmzetteln für die bevorstehende Kommunalwahl finden sich neben politischen Neustartern auch vielfach „Wiederholungstäter“. Ein Kandidat mit reichlich politischer Erfahrung ist auf der FDP-Liste für den Stuhrer Gemeinderat zu finden. Jürgen Timm kann man getrost als politisches Urgestein bezeichnen. Auf dem Zettel ist er mit einem Alter von 89 Jahren angegeben. Was nicht dabeisteht: Nur zwei Tage nach der Wahl am kommenden Sonntag feiert er seinen 90. Geburtstag und dürfte damit einer der ältesten, wenn nicht sogar der älteste Bewerber im Landkreis sein.
Seine Kandidatur führt ihn zurück zu den Wurzeln, bewarb er sich doch bereits in den 1970er-Jahren erstmals um einen Sitz. Als Mitgründer des FDP-Ortsverbands Stuhr schaffte er damals mit dem Einzug in den Gemeinderat einen ersten Schritt in seiner politischen Karriere, die ihn bis in den Deutschen Bundestag brachte.
Timm gehörte von 1980 bis 1983 dem neunten Deutschen Bundestag an, der im März 1983 durch eine vorgezogene Bundestagswahl endete. Im Gespräch mit der Mediengruppe Kreiszeitung erinnert Timm sich: „Ich kandidierte auf Platz 7 der Landesliste. Nach dem Wahlergebnis standen der FDP Niedersachsen genau sieben Sitze im neuen Bundestag zu. Ich rutschte damit ins Bundesparlament.“
Timm und seine FDP bildeten seinerzeit mit der SPD eine sozialliberale Koalition unter Führung des Bundeskanzlers Helmut Schmidt. Der Liberale befand sich im Zentrum der Macht in der damaligen Bonner Republik. Das Ende dieser Koalition brachte auch für den Stuhrer einen Einschnitt in seinem politischen Wirken.
Erst 1987 gelang ihm der Wiedereinzug in den Bundestag, dem er dann weitere zwei Wahlperioden angehörte. Im selben Jahr wechselte die FDP den Partner und lenkte die Republik als Juniorpartner der CDU unter Führung von Bundeskanzler Helmut Kohl.
Während dieser Zeit und auch danach war Timm ebenso auf Gemeinde-, Kreis- und Landesebene auf verschiedenen Positionen für seine FDP engagiert. Im Bundestag arbeitete er während der unterschiedlichen Wahlperioden unter anderem in den Ausschüssen für Forschung und Technologie, Post- und Telekommunikation sowie in seiner letzten Wahlperiode im Ausschuss für Verkehr und im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mit.
Als wesentlichen Erfolg seiner damaligen Arbeit sieht er heute die Verhinderung der damaligen Planungen zur Autobahn A100 an. „Die Planer beabsichtigten eine Streckenführung mitten durch Stuhr-Blocken“, regt er sich heute noch auf.
Nach dem Verlust des Bundestagsmandats übernahm Timm, der zuvor als Ingenieur bei der Erno-Raumfahrttechnik in Bremen tätig war, verschiedene Posten in der Partei und in FDP-nahestehenden Stiftungen und Organisationen. „Andere Kollegen schredderten nach dem Ende des Bundestagsmandats ihre kompletten Unterlagen. Ich habe alles der Friedrich-Naumann-Stiftung zur Verfügung gestellt“, erinnert er sich. „Dort stehen sie für Forschungszwecke zur Verfügung.“
In Stuhr gehörte er dem Gemeinderat bereits seit 1972 an. Zeitweise sogar als stellvertretender Bürgermeister. Im Kreistag, dem er seit 1974 mit fünfjähriger Unterbrechung angehörte, war er stellvertretender Fraktionsvorsitzender.
Warum soll ich meine reichhaltige Erfahrung nicht noch einmal einbringen?
Jürgen Timm ist stolz darauf, viele Entscheidungen „innerhalb von 15 Minuten getroffen zu haben“. Das war nach seinen Worten unter anderem so bei der Entscheidung, für den Bundestag zu kandidieren, oder auch im privaten Bereich bei der Entscheidung für seine Ehefrau, mit der er 64 Jahre verheiratet war.
Auf die Frage, warum er sich jetzt noch einmal für eine Kandidatur auf Gemeindeebene entschieden hat, antwortet der Senior spontan: „Warum soll ich meine reichhaltige Erfahrung nicht noch einmal einbringen?“
Ob es dazu kommt, entscheiden die Wähler am Sonntag.