Zu Beginn des Treffens ist Melanie Hach noch dabei, begrüßt die Gruppe. Dann verabschiedet sie sich. Zurück bleiben ihr Mann Hermann und weitere Angehörige von Menschen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben. Für sie hat Melanie Hach in der Unabhängigen Aufarbeitungskommission (UAK) im Bistum Münster eine Gruppe gegründet.

Melanie Hach sitzt vor Blumen.

„Ich bin der Meinung, dass es eine Plattform für Angehörige geben muss, wo sie sich untereinander so aussprechen können, wie sie es nicht in Gegenwart ihres Partners tun würden.“
Melanie Hach, Gründerin der Selbsthilfegruppe

Die 53-Jährige selbst hat als Kind immer wieder sexualisierte Gewalt erfahren und leidet bis heute an den Folgen.

Austauschen, um loslassen zu können

Immer wieder habe sie gemerkt, wie das Erlebte auch ihre Beziehung beeinflusst. Sie habe ihrem Partner viel zugemutet. „Ich weiß nicht, ob ich das an seiner Stelle mitmachen würde“, sagt Hach. Auch deshalb wollte sie ihm und Anderen die Möglichkeit geben, sich zu verbinden, sich auszutauschen. Um loslassen zu können.

Hermann Hach stellt sich die Frage, ob er das mitmachen würde, nicht. Aber er sagt, dass er sich manchmal nicht erklären könne, warum manchmal plötzlich die Stimmung bei seiner Frau umschlägt. Und was er in dem Augenblick falsch gemacht hat. „Dann ist von jetzt auf gleich nichts mehr, wie es vorher war.“

Folgen des Missbrauchs: Plötzlich schlägt die Stimmung um

Die anderen Gruppenmitglieder kennen das. Petra Thewes aus Dülmen berichtet von ähnlichen Erfahrungen mit ihrem Mann, der als Kind von einem Priester missbraucht wurde. „Wenn wir unterwegs sind, ist alles in Ordnung. Dann kommen wir nach Hause, und manchmal legt sich dann ein Schalter um.“ Mehr als einmal habe sie sich gefragt, ob es an ihr liege.

Welcher Auslöser für welche Situation verantwortlich ist, lässt sich in so einer Gruppensitzung nicht abschließend klären. Aber immer wieder sagen die Teilnehmenden, wie wichtig es für sie sei, zu wissen, dass sie damit nicht alleine sind. „Ich kenne das aus anderen Krisen-Kontexten“, sagt Thewes. Sie habe daher lange nach so einer Möglichkeit gesucht.

Idee aus Münster soll Schule machen

Seit diesem Jahr gibt es die Gruppe. Erst seit diesem Jahr, könnte man sagen – denn der Bedarf ist da, sagt Jochen Elte, Mitarbeiter der UAK im Bistum Münster.

Jochen Elte im Portrait

„Wir waren überrascht, wie groß der Bedarf war und dass diese Lücke noch nicht entdeckt worden war.“

Die UAK in Münster geht damit einen weiteren Schritt in der Aufarbeitung des Missbrauchskomplexes. Ein möglicher Ansatz für andere Bistümer? „Wir würden uns freuen, wenn diese Idee Schule macht“, sagt Mitarbeiter Jochen Elte.

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Hermann Hach
  • Gespräch mit Melanie Hach
  • Besuch der Selbsthilfegruppe in Münster
  • Gespräch mit Jochen Elte, UAK im Bistum Münster
  • Gespräch mit Petra Thewes