Kokain liegt auf einem Tisch.

AUDIO: Mutmaßlicher Drogenboss aus Hannover zum dritten Mal festgenommen (1 Min)

Stand: 10.09.2026 09:35 Uhr

Konstantinos S. aus Hannover ist seit fünf Jahren auf der Flucht. Nach NDR Informationen wurde der mutmaßliche Kopf einer Drogenbande nun erneut in Dubai festgenommen. Die Chancen auf eine Auslieferung stehen günstiger als zuvor.

von Philipp Eckstein, Benedikt Strunz und Mandy Sarti

Es gleicht einem Katz- und Mausspiel: Zweimal wurde Konstantinos S. bereits in Dubai verhaftet; zweimal haben sich die niedersächsischen Sicherheitsbehörden bereits auf eine Auslieferung nach Deutschland vorbereitet; zweimal konnte sich der mutmaßliche Drogenboss aus Hannover gegen Kaution von mehreren Tausend Euro aus der Haft freikaufen. Nach NDR Informationen wurde Konstantinos S. nun vor zwei Wochen ein drittes Mal in Dubai festgenommen. Seither soll er in einem Gefängnis in Dubai sitzen.

Konstantinos S. soll Staatsanwalt Yashar G. bestochen haben

Konstantinos S. gilt als Kopf der hannoverschen Bande, die seit Jahren im großen Stil Drogen nach Deutschland schmuggelt – erst Cannabis, dann Kokain. Mehrfach wurde Konstantinos S. in den vergangenen Jahren wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt. 2021 soll Konstantinos S. dann dabei geholfen haben, 16 Tonnen Kokain aus Paraguay nach Europa zu schmuggeln. Doch die Sicherheitsbehörden kamen der Bande zuvor und stellten die Drogen im Hamburger Hafen sicher – es ist die größte Kokainmenge, die jemals in Europa beschlagnahmt wurde. Der Fall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt – auch weil Konstantinos S. den Staatsanwalt Yashar G. bestochen haben soll, der in dem Fall ermittelte. Aufgrund der Informationen von Yashar G. soll sich der mutmaßliche Drogenhändler überhaupt erst nach Dubai abgesetzt haben, um sich seiner drohenden Festnahme zu entziehen.

War S. von Dubai aus weiter im Drogenhandel aktiv?

In Dubai soll Konstantinos S. ein angenehmes Leben geführt haben. In Chats, die dem NDR vorliegen, unterhält sich der Mann unmittelbar nach seiner Flucht über Aufenthalte auf Luxus-Yachten, Shopping-Ausflüge in Edelboutiquen und Besuche in noblen Restaurants. Erfahrene Drogen-Ermittler in Niedersachsen gehen davon aus, dass Konstantinos S. von Dubai aus weiter im Drogenhandel aktiv war. Daran konnte offenkundig auch ein internationales Auslieferungsgesuch der deutschen Behörden nichts ändern. Bisher erfolgt der Rechtshilfeverkehr zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten „vertraglos auf Basis der jeweiligen Vorschriften“, teilt ein Sprecher des Bundesjustizministeriums auf Anfrage des ARD Hauptstadtstudios mit. In der Praxis führte das zu einer umständlichen Kommunikation und zu langen Briefwechseln, die bisher ergebnislos blieben.

Rechtshilfeabkommen soll Auslieferung ermöglichen

Doch das könnte sich nun ändern. Nach Informationen des NDR arbeiten die Bundesregierung und die Vereinigten Arabischen Emirate an einem Rechtshilfeabkommen. Das soll heute am Rande eines Staatsbesuchs des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Zayed, in Deutschland unterschrieben werden. Konkret soll darin unter anderem festgelegt werden, unter welchen Voraussetzungen Abschiebungen nach Deutschland möglich sind.

Anwalt von Konstantinos S. äußerte sich nicht

Welche Auswirkungen ein Rechtshilfeabkommen haben kann, zeigt ein Blick auf die Auslieferungen der Vereinigten Arabische Emirate in die Länder, mit denen ein solches Bündnis bereits besteht: Zuletzt wurden mehrere Größen der internationalen Organisierten Kriminalität unter anderem nach Belgien und Irland ausgeliefert. Sollten die Vereinigten Arabischen Emirate und Deutschland künftig tatsächlich besser zusammenarbeiten, hieße das: Konstantinos S. würde kein drittes Mal gegen Kaution freikommen, sondern nach Deutschland überstellt. Dann könnte ihm in Niedersachsen der Prozess gemacht werden. Im Falle einer Verurteilung droht ihm dann eine langjährige Haftstrafe.

Der Anwalt von Konstantinos S. wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern.

Skyline von Dubai

Dubai gilt nicht nur als Luxusziel, sondern auch als Zufluchtsort für Kriminelle. Heute soll ein Abkommen unterzeichnet werden. Mehr bei tagesschau.de.

Das Bild zeigt Kokain , dass mit einem Geldschein geschnupft wird.

Konstantinos S. gilt als Schlüsselfigur im Kokain-Prozess vor dem Landgericht Hannover. Er wurde in Dubai festgenommen.

Der angeklagte Staatsanwalt (M) kommt in den Gerichtssaal im Landgericht Hannover.

Yashar G. hat vor dem Landgericht Hannover gestanden, in neun Fällen Informationen gegen Bezahlung weitergegeben zu haben.

Ein Polizeibeamter präsentiert sichergestelltes Kokain.

Im Februar 2021 wurde der bis dato größte Drogenfund der deutschen Geschichte gemacht. Führende Köpfe der Bande aus Hannover setzten sich ab.