
AUDIO: Filmfest Oldenburg: Weltpremiere, Oscar-Gewinner und eine geehrte Stuntfrau (3 Min)
Stand: 16.09.2026 00:01 Uhr
Heute beginnt die 33. Ausgabe des Internationalen Filmfests Oldenburg. Neben allerlei Filmfest-Oldenburg-typischen Querverbindungen im Vorfeld bietet das Programm zahlreiche Deutschland- und sogar Weltpremieren.
Bereits viele Wochen vor Filmfest-Beginn hatte Leiter Torsten Neumann richtig gute Laune, denn er hatte schöne Dinge anzukündigen. Zum Beispiel, dass der neue Film mit Marion Cotillard – nach der Weltpremiere in Cannes – seine Deutschlandpremiere in Oldenburg feiern wird. „Filme auf ein Festival zu bekommen, bedeutet immer, dass die andere Seite das auch möchte.“
Das sei doch eine Auszeichnung, findet der Festivalleiter, der ab sofort auch in vielen deutschen Kinos in Werbetrailern für das Filmfestival zu sehen ist: Wie immer nimmt der Trailer Bezug auf einen Kultfilm oder Klassiker der Filmgeschichte, in diesem Fall auf die Science-Fiction Parodie „Dark Star“ von John Carpenter aus dem Jahr 1973.
Eröffnung mit einem Dokumentarfilm
Erstmals in seiner Geschichte wird das Oldenburger Filmfest mit einem Dokumentarfilm eröffnet: Mi Steinbachs Debüt „Strange Neighbors“ ist ein Film ganz ohne Worte über die ungewöhnliche Nachbarschaft von Wildnis und Industrie auf einer winzigen Elbinsel. Die Regisseurin wird ihren Film persönlich in Oldenburg vorstellen.
Zum Abschluss am 20. September ist Williams Scoulars Roadtrip-Komödie „Northbound“ mit Bruce Dern als Deutschlandpremiere zu sehen. Regisseur Scoular und Darstellerin Joanna Cassidy sind bei der Closing Night Gala anwesend.

Bis Dezember bietet das Kino tolle Produktionen: Es kommen der neue Spider-Man, Filme mit Sandra Hüller – „Vaterland“ und „Digger“ – sowie „Geister“ von Fatih Akin“ und „Dune 3“.
Weltpremiere mit Keith Carradine und Mira Sorvino
Festivalleiter Neumann darf aber auch Filmschaffende begrüßen, die nach dem ersten Besuch immer wieder zurückkehren. Wie die Zwillingsbrüder Mark und Michael Polish, die 1999 mit „Twin Falls Idaho“ ihren ersten Erfolg beim Sundance Festival feierten, deren zweiter gemeinsamer Film aber schon zwei Jahre später auch in Oldenburg lief. Ihr dritter Film „Northfork“ bekam hier 2003 den Publikumspreis.
Nun feiert „Kill me now“ von Michael Polish seine Weltpremiere in Oldenburg – „mit einer Super-Besetzung – witzigerweise einigen Schauspielern, die auch schon bei uns waren: Keith Carradine und Mira Sorvino.“ Carradine und Sorvino – beide übrigens Oscar-Preisträger und beide überaus sympathische Gäste ohne jegliche Starallüren – wurden während ihrer Besuche vor acht beziehungsweise zwölf Jahren mit Sternen auf dem Oldenburger Walk of Fame ausgezeichnet“, schwärmt Neumann.
„Bruton“: Eine Knast-Odyssee aus Florida
Einen großen Pokal durfte im vergangenen September dagegen Vincent Grashaw mit nach Hause nehmen. Er wurde mit dem Spirit of Cinema Award ausgezeichnet für sein Drama „Keep Quiet“ mit Lou Diamond Phillips. 2024 hatte Grashaw das Boxerdrama „Bang Bang“ vorgestellt, mit Tim Blake Nelson. Beide Hauptdarsteller waren wiederum auch schon Jahre zuvor mit anderen Filmen in Oldenburg.
Darüber hinaus sei Vincent Grashaw ein Filmemacher mit einer ganz besonderen Qualität, findet Neumann: „Weil er Arthouse mit großen Geschichten, großem Hollywoodkino verbinden kann. Das ist eine Art von Kino, was eine Lücke schließen kann. Und jetzt hat er einen Film gemacht, den ich großartig finde.“
„Bruton“ basiert auf der wahren Geschichte eines Kleinkriminellen in Florida, der nach einem von ihm verursachten Unfall elf Jahre lang im Gefängnis saß. „Der hat eine Knast-Odyssee hinter sich gebracht, und seine Tochter hat um ihn gekämpft. Das ist eine Riesen-Überlebensgeschichte. Das Knastsystem in Florida ist, glaube ich, noch fieser als anderswo in den USA.“ Davon erzählen kann Bryan Bruton dann selbst in Oldenburg; er hat – wie Regisseur Vincent Grashaw – seinen Besuch schon angekündigt.
Neil LaBute: Retrospektive und Weltpremiere
In Neil LaBute kommt ein weiterer Regisseur nach Oldenburg: Das Filmfest ehrt den US-Amerikaner, der auch Theatermacher ist, mit einer Retrospektive und feiert die Weltpremiere seines neuesten Filmes „Murderous“. Auch Hauptdarstellerin Gia Crovatin wird in Niedersachsen erwartet.
Stuntfrau Zoë Bell mit Filmreihe geehrt

Szene aus dem Film „Angel of Death“: Eine Frau (Zoë Bell) hält einem Mann ein Messer an den Hals und richtet eine Pistole nach vorne.
Wie auch die Neuseeländerin Zoë Bell. Mit ihr wird zum ersten Mal beim Filmfest eine Stuntfrau geehrt, mit einer kleinen Reihe aus vier ihrer Filme. „Zoë Bell ist inzwischen auch als Schauspielerin erfolgreich, dank Quentin Tarantino, der früh ihr Potenzial gesehen hat und ‚Death Proof‘ für sie geschrieben hat. Da spielt sie eine Hauptrolle und macht die spektakulären Stunts auf der Motorhaube vom Dodge Challenger selber.“
Ganz unspektakulär dagegen ist der Schauplatz des deutschen Films „Superbuhei“: ein Supermarkt in Hannover-Langenhagen. Der Inbegriff von provinzieller Tristesse, sagt Torsten Neumann, der selbst aus der Gegend um Hannover stammt. „Superbuhei„, eine Produktion aus der NDR Reihe „Nordlichter“, ist eine schwarze Komödie mit vielversprechender Besetzung: Oliver Korittke, Silke Bodenbender und der gebürtige Oldenburger Jan Georg Schütte. „Tolle Schauspieler, ganz toll erzählt, komplett ungewöhnliches deutsches Kino“, findet Neumann. „Da kann man sich drauf freuen.“
Mit Informationen von Kristin Hunfeld

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