Wohl selten ist ein Abstieg so sehr zum Aufbruch umgedeutet worden wie jener der Fürstenfeldbrucker Handballer. Die semiprofessionelle dritte Liga mussten sie im Frühjahr verlassen und finden sich jetzt in der höchsten bayerischen Amateurklasse wieder, die nicht mehr Bayern-, sondern neuerdings Regionalliga heißt. Das aber scheint lediglich ein kleiner Unfall auf dem Weg nach oben zu sein. Denn die Panther sollen Keimzelle sein für die Rückkehr des Bundesliga-Handballs nach München. Drei Aufstiege sind dazu nötig, wie lange das dauert, wird sich zeigen. Der Weg begann am Sonntag mit einem deutlichen 38:20-Sieg über den chancenlosen TSV Lohr.

Sie nennen es das Projekt „Gipfeltour“. Sie, das sind die Macher hinter dem Vorhaben: Dominik Klein, Handball-Weltmeister von 2007, und Steffen Weinhold, Handball-Europameister von 2016. Schon seit drei Jahrzehnten gibt es keinen Bundesliga-Handball mehr in München, aus eigener Kraft schaffte es kein Team dorthin. Nun wollen Klein und Weinhold die Sache strategisch angehen.

Ausgesucht haben sie sich dafür den TuS Fürstenfeldbruck, einen Verein im Westen von München, der zuletzt 15 Jahre lang erfolgreich in Deutschlands dritter Liga spielte und sogar ein Jahr in der zweiten Bundesliga – als einziger Verein in ganz Südbayern. Die neue Handballgemeinschaft (HG) München, gegründet und vertreten durch Klein und Weinhold, tat sich mit den Fürstenfeldbruckern zusammen. Sie starten nun mit der Brucker Lizenz als Münchner Panther. München brauche als große Stadt und Standort im Süden der Republik einen Bundesligisten, ist Kleins Überzeugung. Handballtalente aus Bayern sollen künftig nicht mehr zu höherklassigen Vereinen in andere Regionen abwandern müssen, sondern ein passendes Umfeld auch in der Landeshauptstadt vorfinden. Doch so weit ist es noch lange nicht.

In ihrem ersten Spiel untermauern die neu formierten Panther allerdings gleich mal ihre Ambitionen. Das Ergebnis von 38:20 über den Regionalliga-Konkurrenten TSV Lohr zeigt schnell, wer Herr im Haus ist. Nach 22 Minuten führen die Panther mit 15:2 Toren, was einer Demütigung für den Gegner gleichkommt. Zur Halbzeit bauen sie die Führung auf 18:6 aus, und so geht es weiter bis zum Sieg mit 18 Toren Vorsprung. „Heute ist ein besonderer Tag für Handball in München“, sagt Dominik Klein nach dem Abpfiff.

Dominik Klein (rechts), Initiator und Macher des Projekts Münchner Panther, ist für jeden Spaß zu haben.

Dominik Klein (rechts), Initiator und Macher des Projekts Münchner Panther, ist für jeden Spaß zu haben.

Heike A. Batzer

Zumindest für diese Saison ist die sanierungsbedürftige Wittelsbacher Halle in Fürstenfeldbruck noch die Heimspielstätte, deren Inneres Klein und Co. ein wenig umgestalten ließen. Die Säulen nahe am Eingang wurden in den Schriftzug Münchner Panther gepackt und die holzvertäfelten Hallenwände rund um das Spielfeld komplett mit schwarzen Kunststoffplanen behängt, auf denen die Logos der Sponsoren prangen. Nicht einmal die Tür zum Geräteraum wurde ausgelassen. „Re-Branding“ nennt Dominik Klein das. Eine neue Marke entsteht.

Viel sei zu tun gewesen in den vergangenen Monaten, lassen Klein und Weinhold wissen, schließlich muss das Projekt nicht nur auf gesunden sportlichen, sondern auch auf gesunden wirtschaftlichen Füßen stehen. Große Unternehmen wie Haix, Adidas, die DKB Bank und die Stadtsparkasse München wurden dafür als Gründungspartner präsentiert. Die Heimspielorganisation obliegt weiterhin dem eingespielten Ehrenamtlichen-Team des TuS Fürstenfeldbruck, doch auch das muss viele neue Wünsche umsetzen. Da reicht Erfahrung nicht aus, Mehrarbeit ist gefragt.

Zehn Neuzugänge stießen im Sommer zur Mannschaft dazu

Mit ihrer neuen Mannschaft wären sie wohl auch in der dritten Liga konkurrenzfähig, aus der die Fürstenfeldbrucker Handballer im Vorjahr absteigen mussten. Zehn Neuzugänge stießen im Sommer dazu, weshalb Trainer Stefan Weidinger erst einmal im Standardrepertoire eines jeden Trainers kramt und sagt, dass er trotz des hohen Anspruchs „von Woche zu Woche schauen will“. Weidinger stammt aus Fürstenfeldbruck und ist, wie er sagt, „in der Wittelsbacher Halle aufgewachsen“. Aber auch er weiß, dass er mit seiner Mannschaft zumindest die bayerische Amateurklasse ganz schnell hinter sich lassen soll.

Trainer Stefan Weidinger stammt aus Fürstenfeldbruck.

Trainer Stefan Weidinger stammt aus Fürstenfeldbruck.

Johannes Simon

Am Zusammenbau des neuen Teams ist als sportlicher Leiter auch Martin Wild federführend beteiligt, der als Trainer die 15 erfolgreichsten Jahre der Fürstenfeldbrucker Handballer gestaltet hatte. „Es läuft gut“, fasst er nach dem ersten Spiel zusammen, das Team sei als Einheit aufgetreten.

Am auffälligsten zeigen sich Spielmacher Kilian Weigl, der Angebote aus der ersten und zweiten Bundesliga ausgeschlagen hatte, um das Münchner Projekt zu begleiten, und am Sonntag sieben Tore beisteuert, sowie Lucas Krzikalla, der prominenteste Neuzugang, mit acht Treffern. Der 32-jährige Rechtsaußen spielte 16 Jahre lang für den SC DHfK Leipzig, davon 14 Jahre im Profibereich, stieg mit den Leipzigern 2015 von der zweiten in die Erste Bundesliga auf und warf in mehr als 300 Bundesligaspielen 660 Tore. Im Jahr 2022 machte Krzikalla von sich reden, als er sich als einer der ersten aktiven Profi-Mannschaftssportler in einer der großen deutschen Ligen als homosexuell outete. Nun zog er zu seinem Lebenspartner nach München.

Neuzugang mit reichlich Bundesligaerfahrung: der neue Rechtsaußen Lucas Krzikalla.

Neuzugang mit reichlich Bundesligaerfahrung: der neue Rechtsaußen Lucas Krzikalla.

Johannes Simon

Wie Krzikallas Vertrag in Leipzig wurde auch der von Daniel Drozdz in Gelnhausen nicht verlängert, und so fand der polnische Juniorennationalspieler ins Tor der Panther. Vom Zweitligisten TUSEM Essen kam Kreisläufer Valentin Clarius, der dort zuletzt mit Verletzungen zu kämpfen hatte, am Sonntag aber zur Startformation gehörte.

Die Handballer aus Lohr waren leicht zu bezwingen. Schwieriger könnte es gegen die ambitionierte Konkurrenz von HT München, Bayreuth und Landshut werden. Peter David aber legt sich schon fest. Der Gegner an diesem Tag sei „eine andere Welt“ gewesen, lobt der Lohrer Trainer die Panther nach dem Spiel und wünscht ihnen „viel Erfolg in diesem Jahr“. Später kommt der ehemalige slowakische Nationaltrainer noch zu Steffen Weinhold auf die Tribüne, um die Glückwünsche zu wiederholen. Die beiden kennen sich. Als Weinhold von 2009 bis 2011 in Großwallstadt Handball spielte, hieß sein Trainer: Peter David.