„Nur durch Ihren unermüdlichen Einsatz, um armutsgefährdeten Menschen zu helfen und ihnen ein Stück Teilhabe zu ermöglichen, geben Sie das Kostbarste, was Sie besitzen: Ihre Zeit“, so heißt es unter anderem in der Ehrenurkunde, die der Vorsitzende der Wuppertaler Tafel, Peter Vorsteher, gleichzeitig auch neuer Landesvorsitzender der Tafel NRW, an Manfred Oltmanns, verantwortlich für die Büchertafel bei der Jahreshauptversammlung der Tafel überreichte. Manfred Oltmanns, mit 86 Jahren sicher der Alterspräsident unter den ehrenamtlich tätigen Helfern in Wuppertal, wurde damit für 30 Jahre Arbeit für andere Menschen geehrt. Wobei sein Wirken für die Wuppertaler Tafel 2023 auch mit dem „Wupper-Taler“ aus der Hand des Oberbürgermeisters Uwe Schneidewind belohnt wurde.

Schon in den letzten Jahren seiner beruflichen Tätigkeit als Fernsehtechniker dachte er an seinen bevorstehenden Ruhestand und hatte fest vor, „mit der zukünftigen Freizeit etwas Sinnvolles anzufangen.“ Zunächst holte er Lebensmittel für die Tafel ab, die zur Zubereitung kostenfreier Mahlzeiten für bedürftige Menschen gebraucht wurden.

Die vor 25 Jahren noch in den Kinderschuhen steckende „Büchertafel“ im Erdgeschoss am Rauen Werth weckte aber bald das Interesse des Freundes von geschichtlicher Literatur. Mit der Hilfe von einigen Gleichgesinnten schuf Oltmanns in dem großen Raum ein System, das die regelmäßig eingehenden Bücherspenden in die unterschiedlichen Kategorien einteilte. Was dem „Jung-Rentner“ gleich wichtig war: Dass nur einwandfrei erhaltene, fast neuwertige Bücher in den Verkauf gelangten. „Kein Buch kommt unbesehen in die Kästen auf und unter die Tische“, war sein Gebot.

Bis zu 30 000 Bücher
sind im Angebot

Was mit einer überschaubaren Zahl von Bänden begann, wuchs sich aus: Belletristik, Krimis, Kinderbücher, Bildbände, wissenschaftliche Werke und ein riesiges Angebot an Werken über die Heimatgeschichte des Bergischen Landes sind unter den bis zu 30 000 alphabetisch nach Autorennamen geordneten Büchern auf der großen Verkaufsfläche, die nun im Tafelgebäude, Eingang Kleiner Werth 50, auf der ersten Etage auf die Leseratten, Heimatforscher und Bewunderer großartiger Gemälde und Landschaftsfotografien warten. Die Preise haben eher symbolischen Charakter: 25 Cent pro Zentimeter Buchrücken. Ausnahmen: Neuwertige Sonderausgaben, die aber auch nur wenige Euros kosten.

Die Buchspenden werden im Erdgeschoss an der Rampe im Rauen Werth abgegeben, müssen aber in die Verkaufs-Etage gelangen. Nach einem Bericht der WZ fanden sich einige kräftige Männerhände, die das Schleppen der gehaltvollen Werke in die erste Etage übernahmen, wo hilfsbereite Damen wie Corinna Grebel und Marlies Niemeyer die Feinarbeit übernehmen, sodass die Leserinnen und Leser an jedem Mittwoch von 9 bis 16 Uhr und am jeweils ersten Sonntag im Monat (9 bis 15 Uhr) zahlreiche Neuzugänge in den roten Kästen auf den Tischen und in den Regalen vorfinden.

Vor allem an den Sonntagen ist der Publikumsandrang groß, und die Unzahl von Zentimetern zu 25 Cent summieren sich soweit, dass die Büchertafel Erlöse im mittleren fünfstelligen Bereich erzielt, die der Ausgabe von Mahlzeiten an bedürftige Menschen zugutekommen.

In der Urkunde, die Peter Vorsteher dem „Vater der Büchertafel“ bei der Mitgliederversammlung in den Räumen der Färberei in Oberbarmen überreichte, sprach der Vorsitzende auch den Nachhaltigkeitsaspekt der Verwendung der gelesenen Bücher an, mit der der Verbrauch neuer wertvoller Ressourcen verhindert wird.

„Für die Büchertafel arbeite ich, solange ich das noch kann“

Nun sind 86 Jahre ein Alter, in dem die meisten Arbeitnehmer schon seit geraumer Zeit ihren Ruhestand genießen, sofern er ihnen noch vergönnt ist. Spricht man Manfred Oltmanns darauf an, so meint er nur recht zufrieden schmunzelnd. „Für die Büchertafel arbeite ich, solange ich das noch kann.“ Derzeit sind es rund 25 Stunden, die Oltmanns seinem gemeinnützigen „Hobby“ widmet.

Doch hin und wieder gönnt er sich in dem gemütlichen Lehnstuhl, der im Verkaufsraum bereitsteht, ein kleines Päuschen und sieht beispielsweise Marlies Niemeyer beim Kassieren und Corinna Grebel beim Einsortieren zu.