Es wurde lange gerungen: Der Bund hat dem Plan für die zweite Rheinbrücke zwischen Wörth und Karlsruhe zugestimmt. Das geht aus einer Mitteilung des Bundesverkehrsministeriums von Mitte September hervor. Die IHK Karlsruhe zeigte sich über diese Entwicklung erfreut. Damit können Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz die ergänzenden Baurechtsverfahren einleiten. Aus Sicht der regionalen Wirtschaft müssen diese Verfahren nun zügig vorangebracht und zugleich die Planungen für die Querspange zur B 36 vorangetrieben werden.

Das Bundesverkehrsministerium beziffert die Gesamtkosten des durch den Bund finanzierten Projekts aktuell auf rund 475 Millionen Euro. Davon entfallen 149 Millionen Euro auf den Bau der Rheinbrücke selbst. „Die zweite Rheinbrücke ist weit mehr als eine Straßenverbindung. Sie ist von zentraler Bedeutung für die Funktionsfähigkeit einer ganzen Wirtschaftsregion“, kommentierte IHK-Präsident Frank Roth.

Grüne sehen schlechtes Signal für Region

Die bestehende Rheinquerung sei ein Nadelöhr, für das es im näheren Umfeld keine Alternative gebe. Wenn eine solche Verbindung ausfalle, seien Beschäftigte, Unternehmen und deren Lieferketten auf beiden Seiten des Rheins unmittelbar betroffen. Deshalb müssen die Planungen nun zügig vorangebracht werden. Doch das sehen längst nicht alle so. Die Karlsruher Grünen und die Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer kritisieren die Entscheidung gar scharf.

Zoe Mayer (Bündnis 90/ Die Grünen) hält gar nicht viel von der geplanten zweiten Rheinbrücke zwischen Wörth und Karlsruhe.

Icon vergrößern

Zoe Mayer (Bündnis 90/ Die Grünen) hält gar nicht viel von der geplanten zweiten Rheinbrücke zwischen Wörth und Karlsruhe.
Foto: Elisa Schu/dpa

Schließen

Icon Schließen

Icon vergrößern

Icon verkleinern

Icon Pfeil bewegen

Zoe Mayer (Bündnis 90/ Die Grünen) hält gar nicht viel von der geplanten zweiten Rheinbrücke zwischen Wörth und Karlsruhe.
Foto: Elisa Schu/dpa

„Die Kosten sind inzwischen auf 475 Millionen Euro gestiegen, trotzdem stimmt der Bund dem Projekt zu. Das ist ein schlechtes Signal für die Region und ein weiteres Beispiel für eine Verkehrspolitik, die weder nachhaltig noch zukunftsfähig ist“, bemängelte Mayer die neue Sachlage laut einer Mitteilung der Partei vom 22. September. Zur näheren Erläuterung legen die Grünen nach: Die tatsächlichen Verkehrszahlen würden keine Begründung für eine zusätzliche Brücke liefern. Sie lägen deutlich unter der Prognose, auf dessen Grundlage 2011 das Planfeststellungsverfahren eingeleitet worden ist. Die Kapazität der bestehenden Rehinbrücke sei mit drei Fahrstreifen pro Richtung ausreichend.

Mehr Schienen als Alternative

Der Engpass liege nicht auf der Rheinquerung, sondern im Karlsruher Straßennetz. „Wer künftig über die zweite Brücke fährt, wird den Rhein zügig queren und danach genauso stehen wie heute. Das Stauproblem, mit dem die Brücke immer wieder begründet wird, löst sie nicht. Eine zusätzliche Rheinquerung bringt keinen flüssigeren Verkehr, vielmehr bringt sie nur mehr Fahrzeuge an denselben Engpass“, zeigt sich Mayer gar nicht überzeugt von dem Vorhaben. Die Karlsruher Grünen pochen stattdessen auf Investitionen in die Schieneninfrastruktur.