Stefan Blunier kennt die Duisburger Philharmoniker seit fast zwei Jahrzehnten. 2007 gastierte der Schweizer erstmals beim Orchester, nun übernimmt er für drei Jahre die Generalmusikdirektion. Blunier studierte in Bern und Essen Klavier, Horn, Komposition und Dirigieren. Als Chefdirigent und Generalmusikdirektor arbeitete er in Darmstadt, Bonn, Brüssel und zuletzt Porto. Die Findungskommission entschied sich einstimmig für einen Dirigenten, dessen musikalischer Horizont weit über das klassische Repertoire eines Sinfonieorchesters hinausreicht.
Für Duisburg will er diese Offenheit zum Programm machen. Ein Bruckner-Zyklus gehört ebenso zu seinen Vorhaben wie eine Konzertreihe, in der unterschiedliche Genres und dramaturgische Formen aufeinandertreffen. Hauptwerke sollen durch musikalische „Vor-, Zwischen- und Nachklänge“ in neue Zusammenhänge gestellt werden. Auch neue Kompositionsaufträge sind geplant. Dahinter steht ein Konzertverständnis, das Musik nicht als abgeschlossenes Ereignis betrachtet. Blunier möchte Räume schaffen, in denen Hören, Entdecken und auch Humor ihren Platz haben. Das kann bedeuten, ein vertrautes Werk anders zu rahmen, aber auch Musik verschiedener Epochen und Gattungen miteinander in Beziehung zu setzen. Wie weit dieses Spektrum reicht, zeigen bereits seine ersten Auftritte als designierter GMD. Bei Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ sitzt Blunier selbst am Cembalo. Kurz darauf dirigiert er dann Mahlers siebte Sinfonie. Zwischen Vivaldis konzertantem Stil und Mahlers ausgreifender Klangsprache liegen fast zwei Jahrhunderte. Für Blunier ist dieser Abstand allerdings weniger Grenze als musikalischer Spielraum.