Verstaubt, beschädigt und teilweise verblasst: Das knapp 200 Jahre alte Tischplanetarium des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums wird derzeit in der Wuppertaler Schreinerei Otterbein untersucht. Die Mechanik funktioniert nicht mehr, Holz und Verzierungen weisen Schäden auf. Ziel ist eine umfassende Restaurierung des außergewöhnlichen historischen Lehrmodells.
Ein Sonnensystem zum Erleben
1828 baute der Wuppertaler Schreiner Heinrich Aeuer das astronomische Meisterwerk aus edlem Mahagoni. Mithilfe einer Kurbel oder eines Pendels konnten Sonne, Planeten und Monde realitätsnah bewegt werden. „Es ist ein großes astronomisches Lehrbuch, das interaktiv bedienbar ist und von der Idee einzigartig zu der damaligen Zeit“, sagt Michael Winkhaus. Er ist Lehrer für Physik, Mathe und Astronomie am Wuppertaler Carl-Fuhlrott-Gymnasium. Für Winkhaus ist das Planetarium ein technisches Wunderwerk.

„Der Schreiner Heinrich Aeuer hat das Wissen eines kompletten Astronomiestudiums, obwohl er nie studiert hat. Und das ist bewundernswert. Die Detailkenntnisse sind schlichtweg erschlagend.“
Michael Winkhaus
Vom Staubschatz zum Prestigeprojekt
Für damals 920 Taler kaufte das Gymnasium das Planetarium. „Heute wären das mehr als 200.000 Euro“, sagt Winkhaus. Erst stand es in der Schule, dann ging es als Leihgabe ins Deutsche Museum nach München, wo es dann nach einem Umbau im Keller verschwand. Im Schularchiv stieß ein Kollege auf einen Briefwechsel mit dem Museum. Daraufhin kam alles ins Rollen. Jetzt ist es wieder zurück in Wuppertal. Und soll zum Schuljubiläum 2030 im neuen Glanz erstrahlen.
Der Solinger Andreas Berger ist Spezialist für Sternwartentechnik. Er wird sich darum kümmern, dass wieder alles in Bewegung kommt. Dafür wird er ein bis zwei Jahre brauchen, schätzt er. Denn es sind wohl mehr als 500 Zahnräder, die ineinander greifen. Jedes davon muss gereinigt und vor allem dokumentiert werden. Die genaue Position und die Drehrichtung. Denn alles ist miteinander verbunden. „Und sonst kriegt man es nicht mehr zusammen“, sagt Berger.
Mehrere Jahre Restauration
Auch das Holz hat es in sich. „Das Pyramiden-Mahagoni ist eines der teuersten Furniereinschnitte der Welt“, sagt Tischlermeister und Restaurator Daniel Otterbein. Er ist froh, dass er in seiner Werkstatt noch auf einige wenige Altbestände zurückgreifen kann. Um die verblassten Schriften und Zeichnungen wird sich die Remscheider Papierrestauratorin Marita Kuhn kümmern.
Doch dafür braucht es Geld. Michael Winkhaus rechnet mit einem Betrag im sechsstelligen Bereich und hofft dafür Sponsoren zu finden.
Große Vision zum Schuljubiläum
In seiner Vision wird es zum 200-jährigen Bestehen des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums in sechs Jahren dort einen Raum geben, der wie ein Schulraum von vor 200 Jahren aussieht. Mit dem restaurierten Tischplanetarium als Hauptattraktion. Ein KI-generiertes Bild davon hat er schon.
Unsere Quellen:
- Michael Winkhaus, Carl-Fuhlrott-Gymnasium
- Winfried Herberts, Historiker
- Daniel Otterbein, Schreinerei Otterbein
- Andreas Berger, Spezialist für Sternwartentechnik
Sendung: WDR.de, „Wuppertaler Tischplanetarium: Kann dieser Schatz gerettet werden?“, 07.10.2026, 05:04 Uhr