Ein Padel-Schläger verschwindet teils in der Lederhose, teils unter Hemd und Weste. Der Mann in Tracht will etwas testen: Wie gut kontrollieren ihn die Sicherheitskräfte am Eingang des Oktoberfestes? Mit dem etwa 45 Zentimeter langen Schläger am Rücken läuft er vorbei an den Menschen in den gelben Warnwesten. Am ersten, am zweiten, an Nummer drei und vier – und gelangt komplett unbehelligt auf das Gelände.
Sicherheitskonzept auf dem Oktoberfest „bodenlos“ oder „bewährt“?
Dem Münchner Content Creator Moe.haa ist damit ein virales Video gelungen: Mehr als eine halbe Million Menschen hat seinen knapp 90-sekündigen Clip auf Instagram angesehen, ebenso viele auf Tiktok. In den Kommentaren zeigen sich viele besorgt. „Bodenloses Sicherheitskonzept“, heißt es in einem etwa 6000 Mal geliketen Kommentar. „Hoffentlich nutzt das keiner aus“. Die Stadt München hingegen erklärt auf Nachfrage: „Auch wenn es eine hundertprozentige Sicherheit nicht geben kann, hat sich das Sicherheitskonzept des Oktoberfestes über die Jahre und vor allem in diesem Jahr in der Praxis bewährt.“
Neben dem Padel-Schläger gelingt es dem Influencer im Video auch mit einer Bierflasche in der hinteren Hosentasche, einem Klappstuhl, den er in der Hand unter der Jacke trägt, und einem Kinderwagen mit zehn Flaschen Bier auf das Gelände zu kommen. Der Kinderwagen erhält nach seinem Hinweis, die Frau sei mit dem Kind schon drinnen, ein Kontroll-Bändchen. Die zehn Bierflaschen fallen dabei nicht auf. Er gelangt auch mit einem Sumo-Ringer-Kostüm aufs Gelände – das aber zumindest mit einer Handsonde begutachtet wird.
Am Telefon sagt Moe.haa: „Wir wollten zeigen, wie kontrolliert wird – aber keine Straftat begehen.“ Glasflaschen sind generell verboten, zudem alle Gegenstände, „die als Hieb-, Stoß- oder Stichwaffen verwendet werden können“, heißt es auf der offiziellen Oktoberfest-Seite. Laut Stadt gilt das auch für Gegenstände, die größer als 20 mal 15 mal zehn Zentimeter sind. Verstöße könne das Kreisverwaltungsreferat ahnden.
Moe.haa sagt, er habe sich bereits im vergangenen Jahr über die laxen Kontrollen am Eingang gewundert. Mal werfen die Sicherheitskräfte einen Blick in die Handtaschen, aber abgetastet werden die Gäste nicht. „Ich habe mich da schon gefragt: Wofür stehen die dann überhaupt da?“ Umgesetzt habe er seine Videoidee extra zum Ende der Wiesn – „damit die Gefahr geringer ist, dass man damit noch jemanden auf dumme Ideen bringt“. Sein Ziel sei, ein Bewusstsein für die aus seiner Sicht verbesserungswürdigen Kontrollen zu schaffen. „Im besten Fall kann für die kommenden Jahre die Sicherheit erhöht werden.“
Stadt München: „Umfangreiche Leibesvisitationen nicht praktikabel“
Dass er mit Bier, Klappstuhl, Padel-Schläger und präpariertem Kinderwagen so problemlos auf die Wiesn kam, hat ihn überrascht. „Ich habe mich danach selbst auf dem Gelände nicht mehr so sicher gefühlt“, sagt er. Die laxe Kontrolle habe auch nicht an Überforderung durch zu große Menschenmassen gelegen. „Wir haben extra Eingänge gesucht, wo wenig los war“, sagt er.
Die Stadt München verteidigt ihre Herangehensweise. „Das Oktoberfest ist ein offenes Volksfest, das an einzelnen Tagen mehrere Hunderttausend Gäste empfängt“, heißt es. Bei mehr als sieben Millionen Gästen seien umfangreiche Leibesvisitationen und Kontrollen von Kinderwagen nicht praktikabel, sie würden den Einlass erheblich verlangsamen. Rund um das Festgelände gebe es daher vor allem Sichtkontrollen, dazu ein Blick in kleinere Taschen und stichprobenartige Kontrollen mit einer Handsonde – so wie bei Moe.haa im Sumo-Kostüm.
Laut Stadt waren in diesem Jahr rund 1400 Sicherheitskräfte im Einsatz, pro Schicht bis zu 730. Weil es Verträge mit Dritten betreffe, will die Stadt nicht sagen, was sie dafür bezahlt.