Wie reagiert die Nato auf eine Bedrohung ihrer Ostgrenze? Rund 20.000 Soldaten üben bei „Avenger Triad“ die Reaktion auf ein Krisen- oder Kriegsszenario. Eine zentrale Rolle spielt dabei das europäische Hauptquartier des US-Heeres in Wiesbaden.

Soldaten arbeiten an einem UH-60 Blackhawk Transporthubschrauber auf dem Flugfeld der Clay-Kaserne in Wiesbaden.
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Rund 20.000 Soldaten des Bündnisses trainieren derzeit bei der Militärübung „Avenger Triad“, auf eine mögliche Krise zwischen Nordkap und Schwarzem Meer eine schnelle und wirksame Antwort zu finden.
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03:45 Min.|Birgitta Söling
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Eine der wenigen Kommandozentralen der Simulationsübung befindet sich am Hauptquartier des US-Heeres für Europa und Afrika in Wiesbaden-Erbenheim.
Mit modernster Technik und Kommunikation laufen dort Informationen ein, werden mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) aufbereitet und von Spezialisten bewertet.
Daraus suche die Militärführung die Informationen heraus, „die wir brauchen, um Entscheidungen zu treffen“, erklärt der deutsche Brigadegeneral Thomas Lowin am Freitag vor Journalisten. Eine enge technische und personelle Vernetzung zwischen den Streitkräften der USA und anderer Nato-Staaten gilt dabei als Schlüssel.
Kontrollzentrum ist so groß wie eine Bahnhofshalle
Herzstück in Wiesbaden ist ein Befehl- und Kontrollzentrum in der Größe einer Bahnhofshalle. Auf einem Bildschirm, dessen Ausmaß mit der Anzeigetafel eines Flughafens mithalten kann, ist eine Landkarte Europas zu sehen. Weitere Einzelheiten sind nicht zu erkennen, Details wurden sicherheitshalber ausgeschaltet, bevor eine Gruppe von Journalisten durch die Halle geführt wurde. Bis zu 150 Nato-Soldaten arbeiten dort derzeit rund um die Uhr.

Kommandozentrum in Wiesbaden am Freitag.
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Die Verquickung von US- und Nato-Equipment habe große Fortschritte gemacht, erklärt ein IT-Spezialist der Bundeswehr, der ebenso wie Brigadegeneral Lowin für die Übung vom Alliierten Landstreitkräftekommando der Nato (Landcom) in der Türkei nach Wiesbaden entsendet wurde. Noch nie sei die Verzahnung so eng und so umfassend gewesen wie diesmal.
Einsatz von KI wird immer wichtiger
Auch die Verständigung mit den Soldatinnen und Soldaten aus den USA, Dänemark, Italien, Polen und anderen Nato-Staaten in der Kommandozentrale funktioniere gut. „Sprache ist kein Thema“, sagte der auf Cybersicherheit spezialisierte Hauptfeldwebel.

Ein großes und immer wichtiger werdendes Thema hingegen ist der Einsatz von KI, bei dem die US-Streitkräfte einen gewaltigen Vorsprung haben, wie von deutscher Seite zu hören ist. KI werde als Werkzeug genutzt, die Befehlsgewalt liege aber letztlich bei Menschen, betont Brigadegeneral Lowin.
Der Name „Russland“ fällt nicht
Bei der Übung gehe es darum, die Leistungsbereitschaft der Nato zu testen und zu beweisen. „Je tödlicher, je abschreckender wir sind, umso unwahrscheinlicher ist es, dass uns jemand angreift“, sagt der Bundeswehroffizier und macht klar: „Für mich gibt es überhaupt keinen Zweifel daran, dass wir eine mögliche Auseinandersetzung mit unseren Gegnern gewinnen werden.“
Der Name Russland fällt an diesem Medientag praktisch nie. Und doch ist der Hintergrund der Übung allen klar.