Ungewöhnliche Ruhestätte
Leipziger Baronesse ließ sich eine eigene Pyramide bauen
11.10.2026 – 06:23 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Grabpyramide in Leipzig-Schönefeld (Archivbild): Hedwig von Eberstein ließ sie für sich und ihre Angehörigen errichten. (Quelle: rillenputzer / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0; Bearbeitung: Martin Geisler)
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Unter dem Bauwerk in Schönefeld liegt eine große Familiengruft. Ihre Geschichte führt von einer vermögenden Stifterin bis zu zerstörten Särgen.
Für ihre letzte Ruhestätte gab sich Hedwig von Eberstein mit einem gewöhnlichen Grab nicht zufrieden. Die Baronesse ließ neben der Schönefelder Kirche in Leipzig eine Pyramide errichten – für sich und ihre bereits verstorbenen Angehörigen. Bis heute steht das dunkle Bauwerk an der Zeumerstraße.
Der Architekt Constantin Lipsius entwarf die Anlage. Nach Angaben der Paul-Benndorf-Gesellschaft entstand sie zwischen 1883 und 1885. Unter der Pyramide liegt eine Grufthalle: Laut dem Bildlexikon Leipzig misst der Raum fünf mal sieben Meter und ist acht Meter hoch.
Die Baronesse plante ihr Grab schon zu Lebzeiten
Clara Hedwig von Eberstein stammte aus einer vermögenden Rittergutsfamilie. Sie vergrößerte ihren Besitz durch Grundstücksgeschäfte und reiste weit. Zu ihren Hinterlassenschaften gehören auch das Schloss Schönefeld und die Mariannenstiftung, die mittellose Töchter höherer Beamter und Militärs unterstützte.
Die Grabstätte war für Angehörige der Familien Schneider und von Eberstein bestimmt. Bereits Verstorbene wurden dorthin umgebettet. Als die kinderlose Baronesse am 10. Oktober 1900 starb, wurde sie als Letzte ihrer Familie in der Pyramide beigesetzt, berichtet der Leipziger Journalist Mathias Orbeck im Bildlexikon.
Särge wurden aufgebrochen und Gebeine später neu bestattet
Ihre Totenruhe wurde gestört. In der DDR-Zeit verwahrloste das Grundstück, Pflanzen wuchsen in die Fugen des Bauwerks. Nach Orbecks Darstellung drangen Menschen in die Gruft ein, brachen Särge auf und nahmen sterbliche Überreste mit.
2008 übernahm die Kirchgemeinde das Areal. Der vermauerte Zugang wurde geöffnet, Müll entfernt und Überreste der Bestattungen geborgen. Ab 2011 folgte die Sanierung. 2024 wurden die Gebeine laut Bildlexikon unter einer Grabplatte erneut bestattet.
Auch die Matthäuskirchgemeinde berichtete im Herbst 2024 über Arbeiten an der Anlage: Der Eingang war wieder sichtbar, Tore waren instand gesetzt oder neu hergestellt worden. Zum Ensemble gehören die benachbarte Gedächtniskirche und der Pyramidengarten.
Besichtigungen der Grabstätte finden zu besonderen Anlässen statt. Beim Tag des offenen Denkmals am 13. September 2026 war der Pyramidengarten geöffnet. Ein täglicher Museumsbetrieb ist damit nicht verbunden. Sonderführungen bietet die Paul-Benndorf-Gesellschaft auf Anfrage an.
