In Bochum verbaute ihm ein unglücklicher Umstand die Perspektive, beim BVB II wurde er auf die Bank verdrängt. Mittlerweile ist Vangelis Pavlidis in Europa gefürchtet – und sogar auf dem Sprung zum FC Barcelona?
Vangelis Pavlidis ist niemand, dem der Erfolg früh in den Schoß fiel. Dorthin, wo er jetzt ist, als gesetzter Mittelstürmer bei einem riesigen Verein wie Benfica Lissabon, als einer der besten Torjäger Europas, kam er keineswegs auf dem geraden Weg. Stattdessen musste er den einen oder anderen Umweg nehmen – aber genau das macht den Werdegang des Griechen, der mittlerweile sogar das Interesse des großen FC Barcelona und der kriselnden Tottenham Hotspur geweckt haben soll, so spannend.
„In Bochum hätte er den Sprung nicht geschafft“, sagte Thomas Reis, aktuell Chefcoach des türkischen Topklubs Trabzonspor und einst Pavlidis‘ Trainer in der U19 des VfL, schon vor einiger Zeit bei 90PLUS über seinen ehemaligen Schützling. Pavlidis wusste sehr früh, dass er es im Fußball zu etwas bringen will. Dass er dafür dazu bereit sein muss, Opfer zu bringen und mehr zu machen als alle anderen, war ihm ebenfalls schon in jungen Jahren klar.
„Tore sind eine Sache des Fleißes. Toreschießen ist keine Selbstverständlichkeit. Jede Extra-Einheit hilft, um präziser zu werden. Dafür muss man üben, üben, üben“, arbeitete der heutige Benfica-Star schon als Teenager hart an seinem Profi-Traum. Um sich diesen zu erfüllen, verließ er einst bereits kurz nach seinem 16. Geburtstag seine Heimatstadt Thessaloniki, wo er beim kleinen Klub Bebides 2000 gekickt hatte, und wagte den Sprung nach Deutschland. „Der Anfang war hart“, erinnerte sich Pavlidis bei 90PLUS daran, wie das Abenteuer Bochum 2015 seinen Anfang nahm.
Vangelis Pavlidis fand sich in Bochum schnell zurecht
Der mutige Schritt war logischerweise verbunden mit Anlaufschwierigkeiten. Anderes Land, fremde Sprache, intensiverer Fußball. Doch Pavlidis war schon damals sehr anpassungsfähig, fand sich rasch zurecht und machte in den neun Partien, die er 2014/15 noch für die U17 des VfL Bochum absolvierte, mit elf Scorerpunkten (sechs Tore, fünf Assists) auf sich aufmerksam. Danach gelang auch der Übergang zur U19 reibungslos, als jüngerer Jahrgang war er unter Reis auf Anhieb gesetzt, machte seine Tore und durfte im Mai 2016 als 17-Jähriger sogar sein Profidebüt in der 2. Bundesliga feiern.
Pavlidis gehörte zu Bochums größten Nachwuchshoffnungen, stand noch in seinem zweiten U19-Jahr dann auch erstmals in der Startelf der Zweitligamannschaft. Doch – womit wir wieder bei obiger These seines früheren Förderers Reis wären – beim dauerhaften Übergang aus der Jugend zu den Profis stand er in Bochum vor einem Dilemma: 2015 hatte der VfL seine zweite Mannschaft abgemeldet, die erst 2024 wieder neu eingeführt wurde. Für Pavlidis bedeutete das damals: Aus der A-Jugend raus, aber bei den Profis noch ohne Perspektive auf regelmäßige Einsätze, fehlte ihm schlichtweg die Gelegenheit, zu spielen.
Wann hat Vangelis Pavlidis für den BVB gespielt?
Da kam ihm gelegen, dass die Wege zu Borussia Dortmund sowohl räumlich als auch persönlich kurz waren. Jan Siewert, in Pavlidis‘ zweitem A-Jugend-Jahr dessen U19-Coach in Bochum, hatte im Sommer 2017 die zweite Mannschaft des BVB übernommen. Und da er Pavlidis bestens kannte und schätzte, holte er den Stürmer Anfang 2018 kurzerhand per Leihe zur U23 der Borussia.
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Dort lief es zu Beginn ziemlich gut, der Grieche war auf Anhieb Stammspieler, kam auf wertvolle Einsatzzeit, machte in den ersten sieben Regionalligaspielen vier Tore. Doch in der darauffolgenden Saison ging es nicht so erfreulich weiter, weil ein heutiger 250-Millionen-Mann erstmals in der Geschichte von Pavlidis‘ Aufstieg auftauchte: Alexander Isak.
Der Schwede, 2017 als 17-Jähriger mit großen Vorschusslorbeeren zum BVB gekommen, schaffte den Durchbruch in Dortmund bekanntlich nie. Und in der Hinrunde 2018/19 war es so weit, dass Isak sehr viel zweite Mannschaft spielte, um einfach überhaupt zu spielen. Trainer Siewert hätte zwar vermutlich gerne weiter voll auf Pavlidis gebaut, doch Isak wurde diesem schlichtweg vor die Nase gesetzt. So war Pavlidis immer häufiger nur Joker, spielte oft nur wenige Minuten oder gar nicht, hatte keinen Rhythmus mehr. Und kurz bevor Förderer Siewert den BVB II in Richtung Huddersfield verließ, brach im Januar 2019 auch Pavlidis seine Zelte in Dortmund ab.
Er kehrte allerdings nicht nach Bochum zurück, sondern ließ sich erneut verleihen. Er ging den Schritt in die Niederlande und traute sich zu, bei Willem II Erstligafußball zu spielen. Ein Plan, der voll aufging – obwohl ihm auch in der Eredivisie wieder Alexander Isak in die Quere hätte kommen können. Der heutige Liverpool-Star, für den insgesamt schon Transfersummen in Höhe von fast 250 Millionen Euro (genau 246,1 Millionen) gezahlt wurden und der alleine den Reds 2025 satte 145 Millionen Euro Ablöse wert war, ging ausgerechnet eine Woche nach Pavlidis ebenfalls per Leihe zu Willem II.
Vangelis Pavlidis und Alexander Isak sorgten bei Willem II gemeinsam für Furore
Doch während Isak bei Dortmunds zweiter Mannschaft der Entwicklung von Pavlidis noch im Weg gestanden hatte, war bei Willem II oft Entfaltungsraum für beide – und sie gaben in der Eredivisie ein prächtig harmonierendes Offensiv-Duo ab. Entweder als Doppelspitze, oder einer wich kurzerhand auf die Flügel aus. Oder Pavlidis musste zunächst auf die Bank, gefiel dann aber als Joker.
Jedenfalls reichten seine Leistungen mehr als aus, um sich – nachdem Isak nach einem halben Jahr zu Real Sociedad weiterzog – für eine feste Verpflichtung zu empfehlen. Schlappe 250.000 Euro Ablöse überwies Willem II im Sommer 2019 für Pavlidis an Bochum, gut sieben Jahre später ist der griechische Nationalspieler ein Vielfaches wert, hat bei Benfica eine Ausstiegsklausel in Höhe von 100 Millionen Euro.
Von 250.000 Euro zu 100 Millionen Euro – klingt nach steil bergauf. Und so verliefen die letzten Jahre von Pavlidis eben auch fürwahr. In seiner ersten vollen Saison für Willem II war er aus dem Sturmzentrum nicht mehr wegzudenken und hatte mit seinen Toren großen Anteil daran, dass der Traditionsverein aus Tilburg 2020 als Fünfter die beste Platzierung seit dem Vizemeistertitel 1999 erreichte.
Vangelis Pavlidis und sein Tor, das an Zlatan Ibrahimovic erinnerte
2020/21 traf Pavlidis ebenfalls konstant, machte sich weiter für ambitioniertere Klubs interessant und beendete die Saison mit einem Knall: Am letzten Spieltag, im Mai 2021, erzielte der Ex-Bochumer bei einem 2:1-Sieg gegen Fortuna Sittard ein Tor, das an den legendären Solo-Treffer von Zlatan Ibrahimovic für Ajax gegen NAC Breda im Jahr 2004 erinnerte.
25 Meter vor dem Kasten mit dem Rücken zum Tor angespielt, schüttelte Pavlidis seinen Gegenspieler ab, drehte sich und ließ danach drei weitere Sittard-Akteure teilweise ganz alt aussehen, um letztlich aus fünf Metern mit einem lässigen Lupfer zu treffen. Eine unglaubliche Einzelleistung, mit der Pavlidis einige Monate später für den FIFA Puskas Award, der das weltweit schönste Tor des Jahres ehrt, nominiert war.
Mit damals 22 machte der Vollblutstürmer im Sommer 2021 den nächsten Karriereschritt, wechselte für 2,5 Millionen Euro Ablöse zu AZ Alkmaar. Dort setzte er seine Entwicklung kontinuierlich fort, sammelte nun auch international Erfahrungen und wurde 2024 mit 29 Treffern Torschützenkönig der Eredivisie. „Er hat diese immense Bereitschaft, sich immer zu verbessern und das macht ihn jetzt so erfolgreich. Ich traue ihm den Schritt in eine der Top-5-Ligen auf jeden Fall zu“, sagte Förderer Siewert im Frühjahr 2024 über Pavlidis, der seinerzeit wohl auch von ambitionierten Bundesligisten, aber allen voran aus der Premier League umworben wurde.
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Eine Top-5-Liga wurde es letztlich zwar nicht, stattdessen heuerte Pavlidis mit Benfica im Sommer 2024 aber bei einem Weltklub an, der ihm für gewöhnlich Champions-League-Fußball garantiert. Auch dort, in der Königsklasse, seine Torjägerqualitäten unter Beweis zu stellen, war das nächste große Ziel des Mannes aus Thessaloniki – und es klappte schnell: Sieben Champions-League-Treffer buchte er 2024/25 auf sein Konto.
Vangelis Pavlidis: Nach Hattrick vom FC Barcelona umworben?
Unter anderem war Pavlidis mit dem 1:0-Siegtor im Hinspiel sowie einem Treffer und einem Assist beim 3:3 im Rückspiel gegen die AS Monaco hauptverantwortlich dafür, dass Benfica die Zwischenrunde überstand und im Achtelfinale den FC Barcelona fordern durfte. Hier zogen die Portugiesen zwar den Kürzeren, doch bei Barca dürfte der spektakuläre 5:4-Sieg in der Ligaphase einige Wochen zuvor deutlich präsenter in Erinnerung geblieben sein. Und damit allen voran Pavlidis, der dem spanischen Spitzenklub in jenem Duell nämlich drei Tore einschenkte.
Da ergibt es durchaus Sinn, dass Barcelona im vergangenen Sommer über Pavlidis nachgedacht haben soll. Offenbar hatten die Katalanen ihn als 1b-Lösung für das Angriffszentrum im Auge, nachdem die Bemühungen um Wunschkandidat Julian Alvarez (Atletico Madrid) keine Aussicht auf Erfolg hatten.
Ob das bei Pavlidis anders gewesen wäre, steht auf einem anderen Blatt Papier. Schließlich steht der Torjäger in Lissabon noch bis 2029 unter Vertrag, seine Ausstiegsklausel in Höhe von 100 Millionen Euro ist saftig und Benfica plante in der abgelaufenen Transferperiode überhaupt nicht damit, einen seiner wichtigsten Spieler abzugeben. Womöglich kommt nun aber eine neue Dynamik in die Angelegenheit. Wie A Bola berichtet, haben die kriselnden Spurs, die erneut im Tabellenkeller feststecken, Pavlidis als absoluten Wunschtransfer für den Winter auserkoren. Kein Wunder, bedenkt man die beeindruckende Quote des Griechen mit 15 Toren in 15 Pflichtspielen und die lahmende Spurs-Offensive (6 Tore in 7 Ligaspielen).
Mit 27 gerade erst im besten Fußballeralter ankommend, hat Pavlidis aber noch Zeit, um eines Tages in einer der fünf besten Ligen der Welt anzukommen. Auf seiner Route durch Europa, die mit 16 in Bochum begann.