In der Nacht zu Sonntag bekommt Deutschland eine Stunde geschenkt. Um 3 Uhr springen die Uhren zurück auf 2 Uhr, die Sommerzeit ist vorbei.
Eigentlich hätte es diese Nacht nicht mehr geben dürfen. 2019 stimmte das EU-Parlament mit großer Mehrheit für das Ende der Zeitumstellung, 2021 sollte zum letzten Mal gedreht werden.
Passiert ist das Gegenteil. Im März 2026 hat die EU-Kommission die Umstellungstermine bis 2031 veröffentlicht. Fünf weitere Jahre Bestandsgarantie für ein Ritual, das kaum jemand verteidigt.
Warum gibt es die Zeitumstellung immer noch?
Weil sich die EU-Staaten nicht einigen können, welche Uhrzeit danach gelten soll. Das Parlament hat geliefert, der Rat der Mitgliedstaaten hat bis heute nicht einmal eine gemeinsame Position.
Abschaffen allein reicht nämlich nicht. Jedes Land müsste festlegen, ob es dauerhaft bei Sommerzeit oder Normalzeit bleibt. Ein Land am Westrand seiner Zeitzone antwortet darauf ganz anders als eines im Osten.
Die Angst in Brüssel heißt „Zeit-Flickenteppich“. Schon 2018 räumte die damalige Verkehrskommissarin ein, dass die Niederlande und Belgien theoretisch unterschiedliche Zeiten wählen könnten.
Zeitgrenze durch Berlin: Die DDR hat es vorgemacht
In Berlin weiß man, wie schnell so etwas droht. 1980 kündigte die DDR die Sommerzeit an, die Bundesrepublik zog hastig nach. Sonst hätten Ost- und West-Berlin neben der Mauer auch noch verschiedene Uhrzeiten gehabt.
Die EU-Umfrage hat einen Haken
Den Anstoß für den Zeit-Streit gab eine Online-Befragung der EU-Kommission im Sommer 2018. Jeder EU-Bürger konnte mitmachen, mit rund 4,6 Millionen Antworten war es die größte Befragung, die die Kommission je durchgeführt hat.
84 Prozent der Teilnehmer stimmten für die Abschaffung. Doch etwa zwei Drittel der Stimmen kamen aus Deutschland. Auf diesen Schönheitsfehler berufen sich die Zauderer bis heute.
Diese Länder wollen die Zeitumstellung abschaffen
Am lautesten trommelt Spanien. Regierungschef Pedro Sánchez nannte das Umstellen im Oktober 2025 sinnlos und schlecht für die Gesundheit. Finnland und Polen sprangen ihm im EU-Energierat bei.
Am ehrgeizigsten ist Litauen. Wenn das Land 2027 den Vorsitz im EU-Rat übernimmt, will Verkehrsminister Taminskas die Zeitumstellung endgültig stoppen.
Im EU-Parlament hat der CDU-Abgeordnete Peter Liese gerade 44 Kollegen aus 15 Ländern für einen Brandbrief an die Verkehrsminister gewonnen, berichtet das Brüsseler Portal Rapporteur.
Diese Länder bremsen
Griechenland und Zypern wollten schon 2018 an der Zeitumstellung festhalten, berichtete damals Politico.
Irland hat ein eigenes Problem. Schafft die EU die Umstellung ab und Großbritannien nicht, liefe eine Zeitgrenze mitten über die irische Insel. Ausgerechnet Irland führt derzeit den Vorsitz im EU-Rat.
Und Deutschland? Hat sich laut Wirtschaftsministerium weder auf Sommer- noch auf Normalzeit festgelegt. Wer selbst keine Antwort hat, bremst eben auch.
Ukraine und Kanada: Abschaffen ist schwerer als gedacht
Das ukrainische Parlament beschloss 2024 das Ende der Zeitumstellung. Präsident Selenskyj unterschrieb das Gesetz nie, das Land stellt bis heute um.
Die kanadische Provinz British Columbia hat es dagegen durchgezogen. Seit dem 8. März 2026 gilt dort dauerhaft Sommerzeit.
Wann kommt das Ende der Zeitumstellung?
Seit Februar untersucht ein Beraterkonsortium im Auftrag der Kommission die Folgen einer Abschaffung, Ergebnisse soll es bis Ende 2026 geben.
Das ist allerdings nur der Startschuss. Danach müssen die Staaten verhandeln, sich mit dem Parlament einigen und ihre Zeitzonen abstimmen. Die Termine bis 2031 hat die Kommission nicht ohne Grund festgezurrt.
Bis dahin bleibt es beim Ritual. Am 28. März 2027 geht die Uhr wieder vor, und die geschenkte Stunde ist zurückgezahlt.

Blinker-Verbot
Der Blinker-Fehler im Kreisverkehr, der Sie bei einem Unfall zum Schuldigen machen kann
Lesen Sie mehr zum Thema