Ein Jahr ist es her, dass der Blaubeurer Architekt Markus Gebhardt, der in 25 Jahren beruflicher Tätigkeit mehr als 20 Kirchen saniert hat, für die Aufstellung des Gerüsts an das Ulmer Münster gerufen wurde. Die damalige Münsterbaumeisterin Heidi Vormann war zu diesem Zeitpunkt noch am Münster tätig. Im September 2026 wurde Gebhardt zum 23. Ulmer Münsterbaumeister gewählt – und sieht für sich damit einen großen Traum erfüllt. Seine Vorgängerin verließt die Münsterbauhütte im Frühjahr.
Er übernimmt die Leitung der Münsterbauhütte und des Münsterbauamts in Ulm
Markus Gebhardt, der die Leitung der Münsterbauhütte und des Münsterbauamts offiziell am 1. Januar 2027 übernehmen wird, hat Architektur und Denkmalschutz studiert und ist zudem Gutachter für Gebäudeschäden. Diese Qualifikationen machten ihn nach Einschätzung des Auswahlgremiums zu einem besonders geeigneten Bewerber für die Position, die er seinen Mitarbeitenden gegenüber auf Augenhöhe ausfüllen will. „Die beste Idee soll sich durchsetzen, nicht die lauteste Stimme“, beschreibt er seine Motivation. „Ich hatte den Traum, ein großes mittelalterliches Projekt betreuen zu dürfen“, sagt er. Zugleich hätte er nicht im Traum daran gedacht, eines Tages für das Münster tätig sein zu dürfen.
Dass Gebhardt „dürfen“ sagt, ist Ausdruck seiner Hochachtung vor dem Auftrag: Rund 40 Projekte laufen für die Münsterbauhütte aktuell gleichzeitig. Dazu gehört natürlich die Sanierung des 160 Quadratmeter großen mittelalterlichen Weltgerichtsfreskos im Chorbogen, die Gebhardt für absolut wichtig hält. Hinzu kommen die Vorbereitungen für größere Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten am Nordturm, die im kommenden Frühjahr beginnen sollen.
Ulmer Münster erhält ab Frühjahr 2027 ein neues Fenster
Denn die Münsterbauhütte arbeitet nach einem Zwei-Jahreszeiten-Prinzip: Die Steinmetze ziehen in den kommenden Tagen von ihren Tätigkeiten am Münster in die Bauhütte, wo sie während der kalten Jahreszeit Steine bearbeiten und Vorbereitungsarbeiten erledigen. Diese werden im Frühjahr am Münster selbst umgesetzt. Zu den Projekten gehört auch der Ausbau des umstrittenen Yelin-Fensters, der in der Kalenderwoche 45 erfolgen soll. Das Glas des Experimentfensters wird in Kisten verpackt und im Glasdepot des Münsters eingelagert. Anschließend soll das siebte Fenster mit dem Titel „Menschenfischer“ eingebaut und spätestens im Frühjahr 2027 öffentlich vorgestellt werden.
Das Baugerüst im südlichen Münsterschiff ist fertig aufgebaut.

Bildergalerie
Eines der wichtigsten Projekte, an denen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Münsterbauhütte aktuell in der zugigen Kälte auf dem Hauptturm arbeiten, ist die Behebung von Schäden an der Spindel im obersten Teil der Turmtreppe. Auch soll das Gerüst am Hauptturm in nächster Zeit deutlich verkleinert und der Turm dadurch entlastet werden. Markus Gebhardt will es der Öffentlichkeit bald wieder ermöglichen, auf dem Münsterturm bis zur obersten Aussichtsplattform in 143 Metern Höhe zu steigen. Der Westturm wurde schließlich dafür gebaut, dass man hoch über der Stadt schauen kann, sagt er.
Münsterbaumeister Gebhardt stören die vielen Absperrungen im Ulmer Münster
Überhaupt stören Markus Gebhardt die vielen Absperrungen im Münster, auch wenn es inzwischen weniger geworden sind. Das Münster ist schließlich nicht nur Marke und Denkmal, sondern vor allem auch Kirche und damit ein Ort der Versammlung und des Glaubens, sagt er. Auch das für die Sanierung des Weltgerichtsfreskos notwendig gewordene riesige Gerüst, das nun dominant im Gotteshaus steht, will Gebhardt im positiven Sinn nutzen. „Ein Gerüst, zehn Nutzungen“, sagt er. Im Zusammenhang mit dem Münsterjubiläum im Sommer des kommenden Jahres könnte es noch weitere Nutzungen erhalten.