Düsseldorf. Der Düsseldorfer Arnold Pascher (70) besitzt in seinem Lager abertausende Bücher. Beim Bücherbummel auf der Kö wird er nur einen Bruchteil davon los.

Pariser Feeling auf der Kö. Was die „Bouquinistes“, die Pop-up-Bücherstände entlang der Seine für die französische Hauptstadt sind, das ist der Bücherbummel – ein paar Nummern kleiner – für Düsseldorf. Zurzeit und noch über Pfingsten stellen auf der Kö dann nicht nur Verlage und Antiquariate ihre Werke auf der Prachtmeile aus – es gibt auch Live-Musik, Lesungen und ein Programm für Groß und Klein. Bei der 38. Ausgabe des Bücherbummels – und quasi von Beginn an mit dabei: Arnold Pascher. Der 70-Jährige kann sich noch an die Anfänge erinnern: „1986, zur Premiere, waren da vielleicht 20 Stände, die ihre Bücher zum Teil auf Tapeziertischen verkauften. Wenn da jemand mal ein Buch vom Tisch nahm und es dann nach dem Durchblättern wieder zurückstellte, brach der Tisch auch schon gerne Mal zusammen.“

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Inzwischen ist der Bücherbummel mondäner geworden. Alles ist gewachsen, Literatur wird nicht mehr auf Tapeziertischen veräußert, sondern in einigermaßen schicken Zelten. Es gibt ein Musikprogramm, zahlreiche Imbiss- und Getränkewagen, aber auch ein umfassendes Auflagenpaket durch das Ordnungsamt. Arnold Pascher ist in diesem Jahr mit „180 bis 200 Bananenkisten dabei“. In eine solche Bananenkiste passen eine ganze Menge Romane, Bildbände, Kinderbücher oder Grafiken. „Mit ganz viel Arbeit und gutem Wetter erzielen wir hier einen wirtschaftlichen Erfolg“, sagt er. „Ich hoffe, dass ich dieses Jahr nur 50 Bananenkisten mit zurücknehmen muss.“

Nach Sturm Ela wurde der Bücherbummel-Verein gegründet

Seit gut zehn Jahren gibt es auch einen Verein, der die Geschicke rund um den Bücherbummel auf der Kö leitet. Der Verein ist verantwortlich für die Organisation und Durchführung des Festivals und vergibt traditionell einen Leseförderpreis. Vorstandsmitglieder sind neben Arnold Pascher Dorothe Düsedau, Jürgen Kron und Kurt Nellessen als Geschäftsführer

Der Verein wurde gegründet, nachdem an Pfingsten 2014 Sturm Ela in Düsseldorf gewütet hatte. Das Kulturfest fiel in diesem Jahr aus und stand danach arg auf der Kippe. Pascher und seine Mitstreitenden waren es, die – mit viel Kraftanstrengung – dafür sorgten, dass es im Jahr darauf wieder einen Bücherbummel auf der Kö gab.

Düsseldorfer Antiquar: 120 Holzpaletten voller Bücher

Das, was der Düsseldorfer auf der Königsallee (etwa in Höhe gegenüber Hausnummer 30) verkauft, ist allerdings nur ein Bruchteil seiner literarischen Schatzkammer. Pascher hat in der Nachbarstadt Neuss eine Lagerhalle gemietet, die vollgestopft ist mit gedruckten Buchstaben. Rund 50 Bücher passen vielleicht in eine dieser – für „fahrende Buchhändler“ sehr wichtigen – Bananenkiste. Auf eine Holzpalette passen vielleicht nochmal 50 dieser Kisten. Der Mann hat letztens einmal grob die Paletten nachgezählt. „Dürften ungefähr 120 inzwischen Paletten sein“, sagt Pascher und grinst. Wie viele Bücher das insgesamt sind, kann jeder für sich selbst ausrechnen. „Ich rechne jedenfalls nicht mehr“, sagt Pascher. Wie sich das alles ansammeln konnte? „Keine Ahnung, da fragst Du besser meinen Therapeuten.“

Möglicherweise ist Arnold Pascher derjenige Düsseldorfer mit den meisten Büchern in Privatbesitz. Ein Bücher-Messi sozusagen. „Na ja“, sagt der sympathische Mann im karierten Hemd, mit dem man innerhalb von 30 Sekunden warm werden kann. „Ich habe das Problem, dass ich nicht Nein sagen kann.“ Der Antiquar hat sich in der Stadt und in der Region einen Namen gemacht – als literarischer Problembeheber. Er kommt bei Haushaltsauflösungen, kümmert sich um Nachlässe, kauft Bücher auf, wenn der Wohnzimmerschrank vor lauter Literatur zu bersten droht. Noch vor zwei Monaten hat er 1000 Kinderbücher für 300 Euro aus einem Privathaushalt aufgekauft. „Das waren zwei Keller voll, aber die Erben waren wirklich sehr nett.“

Verkauf auf Flohmärkten war schon früher immer guter Zugewinn

Arnold Pascher ist ein echter Düsseldorfer, das – mit Abstand – jüngste von sieben Geschwistern. Er, das Nesthäkchen, sei von den Eltern immer verwöhnt worden, erzählt er. Es gab immer Zeitschriften „für den Jungen“, dadurch kam wohl die Affinität zum Lesen. Die ersten Bücher: die Rin Tin Tin- oder Fury-Reihe, später kamen Karl May und Gedichte von James Krüss dazu. Zum Handel mit Büchern kam Pascher dann jedoch über Umwege. Er studierte Sozialpädagogik, arbeitete im Düsseldorfer Kinderhilfezentrum und später als Leiter eines Abenteuerspielplatzes in Ratingen-West. „Ich habe aber immer schon Bücher auf Flohmärkten verkauft, als es noch keine reinen Büchermärkte gab“, erzählt er. „Das war immer ein guter Zugewinn. Und selbst später als Buchhändler konnte ich dadurch zweimal statt nur einmal pro Jahr in Urlaub fahren.“

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1988 übernahm Arnold Pascher eine Buchhandlung mitsamt Antiquariat an der Ecke Oststraße/Leopoldstraße. In dem Ladenlokal werden heute nicht alte Schinken, sondern hippe Sneakers verkauft. Später zog er mit dem Geschäft in das Wehrhahn-Center um. Irgendwann kam der Online-Handel dazu. „Ich war in den neunziger Jahren einer der ersten Idioten, die über Amazon verkauft haben, ich habe die mit groß gemacht, darauf bin ich nicht stolz, aber es war damals wichtig fürs Überleben.“ Heute, sagt der zweifache Vater und vierfache Opa, sei das Internet eher Fluch statt Segen. „Wenn ich ein Buch dort für 19,99 Euro anbiete, gibt es immer einen Händler, der das unterbietet. Und wenn Du Pech hast, musst Du das Ding am Ende für 4,99 Euro verkaufen.“

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Arnold Pascher bezieht nur eine kleine Rente. Um das zu verdeutlichen, hebt er die Hand und lässt zwischen Daumen und Zeigefinger nicht viel Platz. Mit dem Buchhandel hält sich der sympathische Mann über Wasser. „Das ist auch okay, denn ich bin genügsam.“ Und genug zu verkaufen hat er noch allemal, weil sich genug Literatur in seiner Schatzkammer befindet. „Na ja, das sind ehrlicherweise viel zu viele Bücher, das ist schon bitter, das hier dürfen meine beiden Töchter eigentlich gar nicht lesen. Um die alle noch loszuwerden, muss ich 150 Jahre alt werden.“