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Tausende Neuerscheinungen gibt es jedes Jahr in Deutschland. Doch was zeichnet ein gutes Manuskript aus? Literaturagentin Monika Kempf beantwortet die wichtigsten Fragen.

Über 60.000 Bücher erscheinen jedes Jahr in Deutschland. Eine Vielzahl der Titel können auf der Leipziger oder Frankfurter Buchmesse bestaunt werden. Nicht jedes Manuskript kommt bei einem großen Verlag unter und wird ein Bestseller, der beispielsweise für die längste Schlange auf der Buchmesse verantwortlich ist oder im Anschluss sogar verfilmt wird und einem Streaming-Anbieter einen Riesenerfolg beschert. Worauf es bei einem guten Manuskript ankommt und welche Fehler man vermeiden sollte, verrät Literaturagentin Monika Kempf im Interview mit IPPEN.MEDIA hier.

Literaturagentin Monika Kempf im InterviewLiteraturagentin Monika Kempf Literaturagentin Monika Kempf: „Der beste Social-Media-Account kann dir keinen Bucherfolg garantieren“ – im Interview © Alexandra Kolb

Wollten Sie von Beginn an Literaturagentin werden?

Nein. Jahrelang hatte ich darüber überhaupt nicht nachgedacht. Durch meine langjährige Arbeit als Lektorin habe ich mir immer gesagt, Agentinnen und Lektorinnen sind zwei unterschiedliche Arten von Menschen. Und der Meinung bin ich immer noch. Ich habe lange Jahre den Beruf der Lektorin mit Herzblut gemacht, aber gemerkt, dass ich doch eher eine Literaturagentin sein möchte, den Schreibenden zur Seite stehen und langfristig mit Ihnen zusammenarbeiten – auch über Verlagswechsel hinweg.

Welche Eigenschaften und Fähigkeiten muss man als Literaturagentin mitbringen?

Man sollte kommunikationsstark sein und nicht konfliktscheu. Kommunikationsstark, weil man auf Augenhöhe miteinander sprechen sollte. Sowohl als Agentin mit dem Autor, als auch mit den Verantwortlichen im Verlag. Als Lektorin hatte ich es oft erlebt, dass von Beginn an eine Art Machtverhältnis aufgebaut wird. Aber das ist nicht zielführend, schließlich wollen alle Seiten einfach nur erfolgreiche Bücher machen. Ein guter Weg für alle, auch in Bezug auf die Verhandlungen, sollte gefunden werden, auch um das Bestmögliche für die eigenen Autoren herauszuschlagen. Und das muss nicht immer die höchste Summe sein, die geboten wird.

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Somit sehen Sie sich als Mittlerin in der Verlagswelt?

Ja, so könnte man es beschreiben. Eine produktive Zusammenarbeit ist wichtig. Die Stimmung zwischen Lektor und Autor sollte passen. Und als Agentin habe ich die Möglichkeit, eine dritte Meinung, beispielsweise beim Buchtitel oder der Coverentscheidung, einzubringen.

Jedes Jahr erscheinen Tausende Neuerscheinungen. Welche Trends sehen Sie gerade?

Hier ist keine so leichte Antwort möglich. Im Verlagswesen erkennt man oft erst einen Trend, wenn er schon nicht mehr aufzuhalten ist. Schaut man sich die vergangenen Monate an, so kann man sagen, dass “Romantasy” ein derzeit sehr gefragtes Thema ist. Familien-Epen hingegen sind nicht mehr so beliebt in der Breite. Immer wieder gibt es aber Themen, die ganz plötzlich durch die Decke gehen und alle überraschen.

Der beste Social-Media-Account kann dir keinen Bucherfolg garantieren.

Muss man als Autor auf Social Media aktiv sein?

In gewissen Bereichen ganz sicher. Aber das Gros der Buchleser ist im Durchschnitt älter. Somit haben Romane, Familiengeschichten und Krimis eine klassische Kernzielgruppe, die nicht so regelmäßig in sozialen Medien unterwegs ist – oder dort zumindest nicht nach Buchtipps sucht. Sie bekommen ihre Buchempfehlungen über unabhängige Buchhandlungen, über Freunde und Familie. Außer vielleicht bei “New Adult”-Romanen ist es nicht zwingend, als Autor einen Social-Media-Account zu betreiben. Denn der beste Social-Media-Account kann dir keinen Bucherfolg garantieren.

Sie erhalten sicherlich eine Menge an Manuskripten? Wie sichten Sie?

Bauchgefühl steht ganz oben. Natürlich schaue ich mir alle an, aber nicht alles auf einmal. Meine Prüfzeit liegt im Schnitt bei acht Wochen. Nicht bei jeder Zusendung fange ich mit der Leseprobe an. Packt mich das Exposé, bin ich hier schon einen Schritt weiter. Und so hart es klingt: Ich merke oft schon an den ersten Sätzen in der E-Mail, ob jemand Sprachgefühl hat oder nicht.

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Welchen Fehler begehen viele Einsender?

Ehrlicherweise sortiere ich sehr schnell aus, wenn die Basics der Rechtschreibung nicht passen. Fehlt eine Anrede, Grußformel oder Ähnliches, wandert der Text auf meinem Schreibtisch nicht weiter. Ich arbeite eng mit Menschen zusammen. Stimmt hier der Vibe, ist schon vieles gewonnen.
Dann gibt es noch den Fall, dass manche eine aus unterschiedlichen Kapiteln zusammengestückelte Leseprobe zuschicken. Ich brauche für eine fundierte Einschätzung aber die dreißig ersten Seiten, denn die bestimmen auch den Leseeindruck aller späteren Leser.

Welchen Rat geben Sie kommenden Autoren?

Durchhaltevermögen, Durchhaltevermögen, Durchhaltevermögen.
Immer wieder zeigt sich, dass neben Können und Timing auch ein gewisses Glück dazugehört und man den richtigen Menschen erwischen muss, der von der Buchidee begeistert ist. Manchmal klappt das erst auf den zweiten, dritten oder sechsten Versuch.

Liebe Frau Kempf, haben Sie vielen Dank für Ihre Zeit.

Dass Schreiben ein echtes Handwerk ist, verrät Bestsellerautorin Nele Neuhaus im Interview mit IPPEN.MEDIA. Hier lesen Sie weitere spannende Interviews mit Autoren. Hier geht es zur Website von Monika Kempf.