In neun Kapiteln begegnen wir neun fiktiven juristischen Fällen, die von wahren Begebenheiten inspiriert wurden. Die Autorin Elisa Hoven arbeitet als Professorin für Strafrecht und als Richterin am Verfassungsgerichtshof. Somit ist ihr die Hauptfigur des Romans, eine sehr ambitionierte Strafverteidigerin, nicht fremd.
Elisa Hoven: „Dunkle Momente“, 336 Seiten, 22 Euro, S. Fischer. Foto: S. Fischer Verlag
Die Aufgabe der Strafverteidigerin Eva Herberger ist es, ihre Mandantinnen und Mandanten vor Strafe zu bewahren, oder das Strafmaß zu mindern. Hierbei setzt sie sich mit ganzem Engagement für den jeweiligen Menschen ein. Lesende begleiten sie aus nächster Nähe bei den Auseinandersetzungen mit den Geschehnissen. Wir lernen die Beteiligten des jeweiligen Falls kennen und erleben den Prozessverlauf.
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Interessant ist das Buch, weil ein Teil der Lebensgeschichte der Menschen, die die Taten begehen oder ihr zum Opfer fallen, und oft auch die Geschehnisse vor dem Delikt beschrieben werden. Dadurch werden die Fälle lebendig, und die Personen bekommen ein Gesicht. Man entwickelt so etwas wie Empathie und vielleicht sogar ein wenig Verständnis für ihr Handeln.
Der Text liest sich angenehm leicht. Die einzelnen Kapitel wirken wie spannende Kurzgeschichten, da die einzelnen Fälle nicht miteinander in Verbindung stehen. Es gibt immer wieder Wendungen. Die Geschehnisse kommen nur stückchenweise ans Licht, sodass der Prozessausgang unvorhersehbar bleibt.
„Dunkle Momente“ lässt sich als eine Mischung aus Roman und Sachbuch beschreiben. Wir erhalten einen Einblick in den Alltag der Justiz. Er beleuchtet unser Rechtssystem, welches durch die hier vorgestellten Fälle wahrscheinlich nicht immer nachvollziehbar und fair erscheint.
Auch die Strafverteidigerin Eva Herberger kämpft mit eigenen inneren Konflikten. Das Buch macht deutlich, dass Recht und Gerechtigkeit nicht dasselbe sind und fordert uns als Lesende auf, eine eigene Meinung zu dem Thema Schuld zu bilden. Es zeigt, dass es selten ein Schwarz und Weiß gibt, und dass es einen großen Zwiespalt zwischen Moral und Gesetz geben kann.