Wochenende – das heißt für viele: endlich Zeit für ein gutes Buch, einen Film oder in Ruhe in das neue Album der Lieblingsband hineinzuhören. Wir haben in der Redaktion Tipps für entspannte Wochenendunterhaltung gesammelt:
Bizarre Geschichte mit britischem Humor

Edward Brooke-Hitching: The Most Interesting Book in the World – Eine umfassende Sammlung höchst merkwürdiger Begebenheiten. A. d. Engl. v. Lutz-W. Wolff. Knesebeck, München. 256 Seiten, 22 Euro.
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Knesebeck Verlag
So ein Werk kann wohl nur ein Engländer schreiben. Und es dann auch noch „das interessante Buch der Welt“ nennen (der deutsche Verlag ließ den Titel unübersetzt). In Zettelkasten-Manier versammelt BBC-Moderator Edward Brooke-Hitching Skurriles aus Weltall, Tierwelt, Politik, Musik, Literatur, Geschichte … Zimperlich darf der Leser nicht sein: Er lernt eine Spinne kennen, die sich als Häufchen Vogelkot tarnt, erfährt, wie Abraham Lincoln beim Zahnziehen der Unterkiefer gebrochen wurde. Manches ist lustig (Irving Berlin musste sich 1943 als Moderator selbst einen Oscar überreichen), anderes bizarr (ein Ranger überlebte sieben Blitzeinschläge). Und vieles britisch schwarzhumorig: Eine 75-Kilo-Bibel wurde bei einem Schlossbrand in Stockholm aus dem vierten Stock geworden, einem Passanten auf den Kopf: „Das Buch überlebte.“
Edward Brooke-Hitching: The Most Interesting Book in the World. A. d. Engl. v. Lutz-W. Wolff. Knesebeck, München. 256 Seiten, 22 €.
Perfektion ist eine Definitionsfrage

Die perfekte Schwester, Prime Video
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Prime Video
Hochglanzfassaden dienen in Thrillern dazu, mit möglichst vielen markanten Kratzern versehen zu werden. So ist es auch in der überaus spannenden Serie „Die perfekte Schwester“. Gleich zu Beginn findet die erfolgreiche Medienmanagerin Chloe (Jessica Biel) ihren Mann Adam (Corey Stoll), einen erfolgreichen Anwalt, tot im durchgestylten Ferienhaus. Schnell gerät der introvertierte Stiefsohn Ethan (Maxwell Acee Donovan) unter Verdacht; und als ob das nicht schon ausreichen würde, um die Schöner-Wohnen-Welt massiv zu ramponieren, taucht auch noch Chloes Schwester Nicky (Elisabeth Banks) auf. Nicky ist Ethans Mutter und gilt als unzuverlässige, drogensüchtige Verliererin, weshalb Chloe sie bisher geheim gehalten hat – das rächt sich jetzt. Die Serie besticht durch überraschende Wendungen, das packende Spiel der beiden Hauptdarstellerinnen und einen Plot, der bis zum Schluss fesselt.
Die perfekte Schwester. Erste Staffel, acht Folgen. Anbieter: Prime Video.
Ex-Agentin im Kampf um Gerechtigkeit

Sara – die Frau im Schatten. Staffel eins, sechs Folgen. Anbieter: Netflix.
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Netflix
Nachdem ihr Sohn unter mysteriösen Umständen stirbt, kehrt die ehemalige Geheimagentin Sara in ihren alten Job zurück. Mit der offiziellen Version – einem Autounfall – kann sie sich nicht abfinden. Sara ist nicht irgendeine Ex-Agentin; in ihrer Zeit war sie durch ihre Spionagekünste als „Frau im Schatten“ bekannt. Die Suche nach Hinweisen zum Tod ihres Sohnes wirft sie zurück in ihr altes Leben voller Intrigen, Verschwörungen und Lügen. Schnell stellt sich heraus: Saras Sohn starb nicht bei einem Unfall, sondern wurde ermordet. Unterstützt wird sie von ihrer Ex-Kollegin Teresa, die allerdings nicht ganz uneigennützig handelt. Bei der Jagd nach Gerechtigkeit driften die beiden Frauen immer weiter in die Selbstjustiz ab; und werden letztendlich sogar selbst zu Täterinnen. Eine düstere, aber mitreißende Geschichte über Korruption, Gerechtigkeit und Rache, die den Zuschauer immer wieder seine eigenen Moralvorstellungen überdenken lässt.
Sara – die Frau im Schatten. Staffel eins, sechs Folgen. Anbieter: Netflix.
Gut assoziiert ist halb gewonnen

Das Spiel Perfect Words findet sich auf der Empfehlungsliste zum ”Spiel das Jahres”
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Piatnik
Woran denken Sie bei den Begriffen „Wind“, „Skala“ und „böse“? An einen Orkan vielleicht? Einen Sturm? Einen Tornado? Hier hat vielleicht jeder ein anderes Wort im Kopf, doch genau das gilt es bei „Perfect Words“ (Auf der Empfehlungsliste zum diesjährigen „Spiel des Jahres“) zu vermeiden. Die Spieler bilden nach und nach zehn Wortlinien aus Begriffen. Sie suchen sich abwechselnd einen von zehn ausliegenden Begriffen aus, legen ihn an eine bereits gestartete Wortlinie an oder beginnen eine neue. Liegen alle zehn Linien mit jeweils mindestens zwei Begriffen aus, geht es darum, jeder für sich eine Assoziation dazu aufzuschreiben. Am Ende wird verglichen. Übereinstimmungen bringen Punkte. Dass die anderen Spieler nicht unbedingt die gleichen Assoziationen haben, zeigt sich im Spiel schnell und sorgt hier und da für Ärger, aber auch immer wieder für Lacher. Mit über 500 Begriffen ist „Perfect Words“ ein kurzweiliges Spiel, das auch nach mehrmaligem Spielen noch Freude macht.
Perfect Words. Wort-Assoziationsspiel für zwei bis sechs Spieler ab zwölf Jahren. Spieldauer: ca. 20 Minuten. Verlag: Piatnik. 19,95 €.
Wo das Lamm blökt und Fußballfans grölen

”High Hopes” – 21 Lieder. Arvid Fagerfjäll (Bariton), Hikaru Kanki (Klavier). 1 CD. 69:20 Minuten. Label: Ars.
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Der schwedische Bariton Arvid Fagerfjäll wurde in seiner ersten Spielzeit am Theater Bremen nur sporadisch mit größeren Aufgaben bedacht. Was er kann, zeigt er jetzt auf seiner ersten CD. Man hört (in drei Sprachen) eine in allen Lagen präsente, schlanke, warme Stimme, bei Schubert („Der Doppelgänger“) ebenso zu Hause wie bei Kurt Weill („Nannas Lied“), einen geborenen Liedsänger. Das Programm „High Hopes“, das Hikaru Kanki am Klavier so klar wie atmosphärisch und bei Tore Takemitsus Song „Yesterday’s Spot“ auch stimmlich mitformt, vereint 21 Gesänge voll großer Erwartungen und Enttäuschungen. Je zweimal Schumann und Wolf, dreimal Britten und viermal Schubert sind darunter, aber auch wenig Bekanntes und Witziges. In André Caplets Fabeln blökt ein Lamm vor dem Wolf, bei Benjamin Scheuer grölen Fußballfans im Zug. Und Wolfgang Riehms „Ich mag euch alle nicht“ räumt mit aller Liedidylle gründlich auf. Ein großartiges Debüt.
„High Hopes“ – 21 Lieder. Arvid Fagerfjäll (Bariton), Hikaru Kanki (Klavier). 1 CD und als Download. Laufzeit: 69 Minuten. Label: Ars.