Ein syrischer Arzt folterte und tötete für das Assad-Regime. Später arbeitete er unbescholten als Orthopäde in Deutschland. Nun verhängte ein Gericht die Höchststrafe für den 40-Jährigen.
Wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit hat das Oberlandesgericht Frankfurt am Main gegen den syrischen Arzt Alaa M. eine lebenslange Haftstrafe verhängt. Es stellte am Montag auch die besondere Schwere der Schuld fest und ordnete Sicherungsverwahrung an. M. hatte in einem Armeekrankenhaus und einem Gefängnis des Militärgeheimdiensts im syrischen Homs gearbeitet, wo er Gefangene misshandelte.
Die Bundesanwaltschaft legte M. insgesamt zwei Todesfälle und acht Fälle schwerer Folter zur Last, begangen in den Jahren 2011 und 2012 in Homs. Alaa M. selbst bezeichnete sich während des Prozesses als nicht schuldig, sondern als Opfer eines Komplotts.
Opfer hatten den Arzt in einer TV-Dokumentation wiedererkannt
M. lebt seit zehn Jahren in Deutschland und hatte in mehreren Kliniken als Orthopäde gearbeitet, zuletzt im nordhessischen Bad Wildungen. Im Sommer 2020 wurde der Familienvater festgenommen – Opfer hatten den Arzt in einer TV-Dokumentation über Homs wiedererkannt. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.
Dass sich der Arzt wegen Verbrechen in seiner Heimat vor einem deutschen Gericht verantworten muss, liegt auch am sogenannten Weltrechtsprinzip im Völkerstrafrecht. Es erlaubt, auch hierzulande mögliche Kriegsverbrechen von Ausländern in anderen Staaten zu verfolgen.
Der Prozess am Oberlandesgericht dauerte mehr als drei Jahre. Das Gericht verhängte nun die Höchststrafe. Verurteilt wurde der Arzt auch wegen Kriegsverbrechen, Folter und Mord.
AFP/dpa/ll