Welche Geschichte erzählt eure Wohnung jetzt?

Gisa: Sie ist zeitgenössischer. Und schicker. Das wären die ersten Wörter, die mir einfallen. Mein Showroom gehört jetzt auch mit zur Wohnung. Das ist das erste Mal, dass ich die Möglichkeit hatte, meinem Label Golpira einen Raum zu geben und zu gestalten, wie die physische Welt von Golpira aussieht. Früher erlebten meine Kund:innen meinen Schmuck nur in Retail-Stores oder auf meiner Website. Der Showroom steht für sich. Ich wollte einen Raum, der meine Herkunft mit der Gegenwart verbindet, es gibt zeitgenössische Möbel und Objekte meiner Familie, die man vielleicht am ehesten als „ethno“ beschreiben würde.

David: Wenn man gestalterisch arbeitet, verliebt man sich ständig in neue Sachen. Wir haben uns deshalb bewusst dafür entschieden, mit weniger Dingen zu leben, und uns erlaubt, dass der Raum leerer ist. Anfangs war die Wohnung zu leer – aber wir wollten uns Zeit lassen und Objekte bewusst wählen.

„Ich brauche diese Leere, um sie zu füllen.“

Gisa Golpira

Fehlt euch irgendetwas?

David: Im Gegenteil, manchmal denke ich sogar, dass wir immer noch zu viele Sachen haben.

Gisa: Unser Schlafzimmer ist sehr asketisch. Da hängt nicht mal ein Bild – allerdings ein Fernseher (lacht).

David: Unser Heiligstes ist es, am Sonntagmorgen im Bett zu frühstücken. Dabei eine Serie auf dem Laptop anzugucken, ist keine Option.

Gisa: Ich persönlich verstehe, wenn unser Schlafzimmer anderen Menschen zu clean ist. Da hängen keine Bilder, keine Fotos. Aber ich kann dort in Ruhe schlafen. Nichts lenkt mich ab. Ich brauche diese Leere, um sie zu füllen – ich bin schon viel im Kopf. Da bin ich froh, wenn es um mich herum eher reduziert ist und der Raum mir Platz zum Atmen gibt.

Diesen Designansatz verfolgte das Paar für sein Zuhause

David, ist diese Idee der kuratierten Leere auch ein Vaust-Ansatz? Würdet ihr eure Wohnung als Vaust-Projekt bezeichnen?

David: Nein. Vaust ist die Mischung der Ästhetik von meinem Studiopartner Joern Scheipers und mir. In unserer Wohnung ergänzen sich meine Frau und ich. Ich glaube aber schon, dass ich durch die Art und Weise, wie wir bei Vaust arbeiten, ein anderes Verständnis fürs Wohnen bekommen haben. Deswegen sitzen wir gerade auch auf Hockern aus geschnittenem und beschichtetem Styro, die wir im Studio als Einzelanfertigungen produzieren – und nicht etwa auf Eames-Stühlen, die ich vielleicht mit 22 cool fand. Die zwei Couchtische der Künstlerinnen Caia Leifsdotter und Hap Ceramics von Maxi Hoffmann, die auch in unserer Galerie vertreten ist, sind keine praktikablen Stücke mit Schubladen, aber das ist mir auch nicht wichtig. Ich habe durch Vaust ein anderes Verständnis für skulpturales Wohnen bekommen.