Düsseldorf. Julia Marmulla, OB-Kandidatin für die Linke in Düsseldorf, übt harsche Kritik an den Plänen für das Glashütten-Gelände. Was ihr daran missfällt.

Julia Marmulla steht auf der Straße „Nach den Mauresköthen“ vor einem Gitterzaun. Dahinter das seit vielen Jahren brach liegende Gelände der Düsseldorfer Glashütte. Die Politikerin hat diesen Ort für den Treffpunkt mit der NRZ ganz bewusst ausgewählt. „Diese Fläche hier ist für mich ein Symbol des Stillstands, es ist die Wunde der Stadt“, sagt sie. Auf dem Gelände sollen in Zukunft 1500 Wohnungen entstehen. Die Frage wird sein, wie viele davon auch wirklich bezahlbar sein werden für Menschen, deren Interessen Marmulla mit ihrer Partei vertritt. Sie tritt bei der Kommunalwahl am 14. September für die Düsseldorfer Linke als OB-Kandidatin an.

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Linke OB-Kandidatin: Was sie besser kann als Stephan Keller

Die Chancen auf den OB-Posten stehen für die 37-Jährige aktuell vielleicht bei eins zu einer Million. Für Marmulla entscheidender ist ohnehin etwas anderes: „Ich schiele auf eine linke Ratsmehrheit, gemeinsam mit SPD, Grüne und der Partei-Klima-Fraktion.“ Diese Mehrheit drückte zuletzt einen autofreien Corneliusplatz gegen CDU und FDP durch, seitdem heißt sie „Corneliusplatz-Mehrheit“. Ein ähnliche Ratsmehrheit würde ich in der Zukunft für eine progressive Stadtpolitik mit Fokus auf ein bezahlbares Leben nutzen“, sagt Marmulla. Auf die Frage, was sie besser kann, als der amtierende OB Stephan Keller (CDU), sagt sie: „Ganz klar, Wohnungspolitik!“ Auf die Frage, was Stephan Keller besser kann, denkt sie erst nach und meint dann lächelnd: „Die Amtskette tragen.“

Das Thema Wohnen in Düsseldorf steht im Wahlprogramm der Linkspartei, das Ende April unter dem Titel „Düsseldorf für alle: Sozial. Demokratisch. Klimagerecht“ beschlossen wurde, ganz oben auf der Agenda. „Die Eindämmung von Preissteigerungen beim Wohnungsbau lässt sich nicht nur in der Kommune allein steuern, da müssen Bund und Land mitmachen“, sagt Marmulla, die selbst in Düsseltal zur Miete lebt. Laut der Linken-Fraktionschefin gehören mehrere Instrumente dazu, die Raffgier auf dem Wohnungsmarkt zu beenden. Marmulla nennt das Stichwort „Zweckentfremdung“. Auch der Mietendeckel sei „essentiell“. Und natürlich die „Ausweisung von Milieuschutzgebieten“. In Düsseldorf gibt es das bislang nur in Bilk. „Das ist nur natürlich eindeutig zu wenig, das geschieht alles viel zu langsam.“

Beim Thema Oper sind die Linken die einzige Kraft in Düsseldorf, die sich nach wie vor vehement gegen einen Neubau am Wehrhahn stellt. Ihre Forderung: ein Bürgerentscheid muss her. Umso mehr, weil zuletzt im Rahmen eines Architektenwettbewerbs mehrere verschiedene Pläne vorgestellt wurden, die dem Vernehmen nach allesamt keine Begeisterung ausgelöst hatten. „Diese Pläne müssen jetzt offengelegt werden“, sagt Marmulla – und wünscht sich in den nächsten Monaten eine klare Haltung von der SPD im Rat. Die hat ihr Ja zur Oper vor zwei Jahren an Kellers Versprechen gebunden, 8000 bezahlbare Wohnungen zu bauen: „Jetzt gibt es ständig Pressemitteilungen der SPD, dass sich OB Keller nicht an seine Abmachung hält. Also muss sich die SPD jetzt ehrlich machen und Nein zur Oper sagen. Noch ist die Chance da.“

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Wichtiger Punkt im Linken-Wahlprogramm ist zudem das Thema Anti-Militarisierung. Marmulla will einen Friedenskongress nach Düsseldorf holen – eine Zusammenkunft, die nicht nur einmalig stattfinden soll, sondern einmal per anno. „Keller will zusammen mit dem Messechef eine Rüstungsmesse in unserer Stadt etablieren“, sagt sie. Dies passiere alles vor dem Hintergrund einer zunehmenden Militarisierung, „und das halte ich für verheerend“. Es gebe aktuell so viele Konflikte in der Welt, „nicht nur in der Ukraine, in Gaza oder im Iran“. Kriege wie im Sudan „haben wir gar nicht mehr auf Schirm, aber das sollte uns alle etwas angehen“, sagt die Politikerin. Ein Friedenskongress könnte organisch wachsen, mit Playern aus der Konfliktforschung, die sich in unserer Stadt vernetzen“, sagt Marmulla. „Düsseldorf liegt im Herzen Europas. Das ist doch ein guter Ort, um gemeinsam an friedlichen Lösungen zu arbeiten.“

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Letzter wichtiger Punkt im Linken-Programm ist der Bereich Soziales. Eine Sache, die Marmulla dabei sofort ändern würde, wenn sie Oberbürgermeisterin wäre: Den kostenlosen Düsselpass allen Düsseldorferinnen und Düsseldorfern aushändigen, die Wohngeld beziehen. Bislang steht der Pass „nur“ Sozialhilfeberechtigten und Personen mit vergleichbar geringem Einkommen sowie Bürgergeld-Beziehern zur Verfügung. Zudem beharren die Linken nach wie vor auf einen kostenfreien ÖPNV. „Wir schaffen die Verkehrswende nur dann, wenn die Menschen auch gewillt sind, Bus und Bahn zu nutzen“, sagt Marmulla. Bezahlt werden soll die Maßnahmen liut den Linken mit einer Umlagefinanzierung: „Die Rheinbahn muss sagen, wieviel Geld sie dafür haben will.“

Kommunalwahl 2025 in Düsseldorf: Zwei Linke treten nicht mehr an

Julia Marmulla steht als OB-Kandidatin auf Platz eins auf der Ratsreserveliste. Hinter ihr folgen Chris Demmer, Sigrid Lehmann, Thomas Eberhard-Köster und Nicole Müller. Bislang waren die Linken mit vier Personen im Stadtrat vertreten, darunter Julia Marmulla und Sigrid Lehmann. Anja Vorspel und Helmut Born treten zur neuen Legislaturperiode nicht mehr an. Die Düsseldorfer Linke hat in den vergangenen Monaten einen Mitgliederzuwachs von 350 auf 1000 bekommen.