Über drei Grundsteinlegungen informierte jüngst die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Kreis Viersen (GWG): im Kempener Ortsteil St. Hubert, an der Brüggener Karl-Heinz-Mesterom-Straße und an der Breyeller Gerhart-Hauptmann-Straße. In Breyell werden von den 17 Wohnungen 14 öffentlich gefördert, in Brüggen elf von den zwölf Wohnungen und in Kempen 17 von den insgesamt 22 Wohnungen.
Das liest sich gut, doch sind die guten Nachrichten am Ende nicht mehr als ein kühler Tropfen auf den heißen Stein? Im Geschäftsbericht der GWG aus dem Jahr 2023 heißt es: „Die von der Bundesregierung versprochenen 400.000 neuen Wohnungen jährlich erscheinen ein illusorisches Ziel zu sein.“ Nach den damaligen Berechnung fehlten auf dem deutschen Markt rund 800.000 Wohnungen, vornehmlich im Bereich des sozialen und bezahlbaren Wohnens. Für die GWG ist Bauen allerdings nicht das alleinige Ziel. Denn der aktuelle Bestand muss in Schuss gehalten werden, Sanierungen sind fortlaufend notwendig, beispielsweise im Bereich der energetischen Komplettsanierung. Die beiden dreigeschossigen Mehrfamilienhäuser an der Breyeller Paul-Therstappen-Straße wurden nach dem KfW-Standard Effizienzhaus 70 saniert.
Die GWG hatte 2023 im Ausschuss für Planung, Bauen und Infrastruktur des Kreises Viersen die Ergebnisse einer Studie zur Bevölkerungs- und Wohnungsmarktentwicklung im Kreis Viersen präsentiert, erläutert von Matthias Günther, dem Geschäftsführer des beauftragten Pestel-Instituts. Demnach fehlten Ende 2022 im Kreis Viersen rund 3.700 Wohnungen, 600 mehr als 2017. Günther zog damals das Fazit: „Bei der Entwicklung von Baukosten, Zinsen und auch den Realisierungszeiten von Bauvorhaben liegen aktuell die größten Schwierigkeiten für die Überwindung der Wohnungsknappheit.“
Bezug auf diese Pestel-Studie nahm auch der vergangene Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Nettetal. Hier hatte die Stadtverwaltung vorgeschlagen, dem sozialen Wohnungsbau gemeinsam mit der Nettetaler Baugesellschaft AG mit einer neuen Strategieänderung einen neuen Anschub zu geben und hatte auch eine Kapitalerhöhung zur Diskussion gestellt. Die Stadt ist mit einer 80,19 prozentigen Beteiligung Hauptaktionär. Schließlich wurde der Tagesordnungspunkt auf die kommende Ratssitzung am Mittwoch, 9. Juli, verschoben.
Unter dem Strich war sich der Ausschuss nicht einig, wie die finale Formulierung des Beschlusses lauten sollte. Katja Heymann-Dittmar (CDU) hatte ausgeführt, dass man in der Sache grundsätzlich zustimmen könne, dennoch könne man weder dem Vorstand einer Aktiengesellschaft (wie der Baugesellschaft, Anmerkung der Redaktion) noch dem Aufsichtsrat eine Weisung erteilen. Heymann-Dittmar, die auch Vorsitzende des Aufsichtsrates der Baugesellschaft ist, erläuterte, dass man sich strategisch längst entschieden habe, in beiden Bereichen, Sanierung und Neubau, agil zu handeln, in jüngster Zeit der Sanierung jedoch ein stärkeres Gewicht zu geben. „In den vergangenen fünf Jahren haben wir 29 Millionen Euro investiert, 99 Wohnungen wurden saniert, 61 Wohnungseinheiten gebaut“, sagt Katja Heymann-Dittmar. Bis zum Jahr 2034 sollen weitere 61 Millionen Euro investiert werden, auch in den Neubau.
Bürgermeister Christian Küsters (Grüne) stellte klar, dass durch die Baugesellschaft herausragende Arbeit geleistet werde, sowohl im Bereich Neubau als auch bei der energetischen Sanierung. So betreue man zur Zeit rund 1.000 Wohneinheiten. Doch man sehe anhand der Wartelisten, dass gerade im sozialen Wohnungsbau Einheiten fehlten. Im Gespräch mit unserer Redaktion fügte er hinzu, dass die Stadt als Hauptaktionär der Baugesellschaft den Rücken stärken wolle. So verstehe er die im Raum stehende Kapitalerhöhung als klares Signal für diese Unterstützung, um sich stärker auf dem Feld Neubau orientieren zu können. Im Kern bestehe Einigkeit, nun wolle man bis zur Ratssitzung zu einer beschlussfähigen Formulierung kommen.