Dresden. In Dresden Fahrrad zu fahren, kann frustrierend sein – wenn man nicht gerade entspannt den Elberadweg entlang gondelt. Viele wichtige Routen mitten durch die Stadt sind, vorsichtig ausgedrückt, nicht unbedingt für den Radverkehr optimiert. Wenn von besonders schwierigen Etappen die Rede ist, dann werden oft die Königsbrücker Straße und die Könneritzstraße genannt.
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Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) warb kürzlich mit einer Petition für Aufmerksamkeit, die generell eine angemessene Fahrrad-Anbindung des Dresdner Nordens forderte, unter anderem mit Blick auf die wachsende Zahl an Arbeitsplätzen in der Chipindustrie.
Zehn Kilometer im Eco-Modus
Höchste Zeit also, Dresdens womöglich schlechteste wichtige Radroute im Selbstversuch zu testen. Von der Baustelle von Infineon an der Königsbrücker Straße mache ich mich an diesem Dienstagmorgen auf den Weg ins Tal.
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Mein Ziel: das World Trade Center an der Ammonstraße. Das sind etwa zehn Kilometer und es geht praktischerweise fast nur bergab. Da reicht der Eco-Modus an meinem E-Bike und ich könnte wunderbar mit im Schnitt zwischen 30 und 40 Sachen dahinrollen, wenn das hier Kopenhagen wäre. So aber erwarte ich einen abenteuerlichen Hindernisparcours.

Die Tour beginnt im Dresdner Norden – und durchaus vielversprechend, was die Qualität der Radwege angeht.
Quelle: Matthias Rietschel
Auf den ersten Metern gibt es allerdings wenig zu meckern. Auf dem Radweg zwischen Straße und Straßenbahnschienen komme ich rasch in Fahrt und werde zunächst von nichts und niemandem ausgebremst. Je näher ich allerdings der Äußeren Neustadt komme, desto mehr schüttelt es mich durch. Anstelle des eben noch so schönen Radwegs gibt es jetzt vermehrt Rechtsabbiegespuren für Autos, marode Fußwege, parkende Transporter, Bordsteine und Sandbänke.
Radtour wird in der Neustadt zur Tortur
Spätestens ab Höhe Schauburg wird aus der Radtour eine Tortur. Ein kurzes Stück kann ich mich noch an Horden von Fußgängern auf dem Gehweg vorbei manövrieren, doch dann bremse ich in Höhe Schwepnitzer Straße plötzlich vor einem roten Schild mit weißem Strich. Einbahnstraße.
Beim Blick auf das Natursteinpflaster, das jetzt folgen würde, hätte ich aber sowieso wenig Lust zur Weiterfahrt gehabt. Links blockiert ein Geländer den Übergang. Die blauen runden Schilder mit weißem Fahrrad sind weit und breit nicht mehr zu sehen. Also, zurücksetzen und auf der Buckelpiste namens Straße weiter. Danach muss ich erstmal schauen, ob das Rücklicht noch dran ist.
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Okay, könnte man meinen, warum biegst du denn nicht einfach schon viel weiter oben rechts in die Tannenstraße ab und fährst entspannt den Dammweg in Richtung Neustädter Bahnhof? Gegenfrage: Sollte es für Radfahrer nicht möglich sein, eine der wichtigsten Verkehrsachsen zwischen Neustadt und Altstadt ohne Gehirnerschütterung zu überstehen?

Einfach gemütlich den Berg hinunterrollen, das geht in Dresden nur an wenigen Stellen.
Quelle: Matthias Rietschel
Auf diesen vorläufigen Tiefpunkt folgt eine Phase der Entspannung, die mich zum Albertplatz und von dort nach rechts am Neustädter Bahnhof vorbei führt. Unter meinen Rädern poltern auch hier die Übergänge zwischen den Granitplatten. Stellenweise ist der Weg, den sich Fußgänger und Radfahrer teilen, so schmal, dass man erst einmal den einen oder anderen Senior vorbeischlendern lassen muss, bis man wieder in die Pedale treten kann.
Die Schienenstränge des Grauens
Vor der Kreuzung Leipziger Straße fordern noch einige kreativ gesetzte Masten zum Slalom auf, und dann kommen sie: die Schienenstränge des Grauens, in grauer Vorzeit auf der Leipziger Straße verlegt. Die rote Fahrradwegfarbe gaukelt mir noch eine entspannte Überfahrt vor, doch dann sinkt mein Vorderrad auch schon in die erste Kuhle, unmittelbar gefolgt vom ersten Huckel. Kuhle, Huckel, Kuhle, Huckel. Ohne zu viel vorwegzunehmen: heftiger wird es nicht mehr werden.
Die schief und krumm liegenden Platten auf der Marienbrücke fallen im Vergleich dazu gar nicht mehr ins Gewicht. Von nun an gibt es andere Herausforderungen zu meistern.
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Innerhalb weniger Hundert Meter wechseln sich auf der Könneritzstraße alle denkbaren Führungsformen des Radverkehrs ab: Radweg, gemeinsamer Geh- und Radweg, Gehweg mit Rad frei, Mischverkehr auf der Fahrbahn. Ein Stück markierter Radweg endet mir nichts, dir nichts. Spontan summe ich die Melodie des passenden Songs von Jan Böhmermann: „Warum hört der Fahrradweg einfach hier auf?“.

SZ-Redakteur Henry Berndt zieht nach seinem Selbstversuch ein eindeutiges Fazit.
Quelle: Matthias Rietschel
Um vor der sich verengenden Fahrbahn keine Autofahrer zu verärgern, ziehe ich spontan über den halbhohen Bordstein zurück auf den Fußweg und poltere meinem Ziel entgegen.
Während in der Ferne schon das World Trade Center zu sehen ist, beginne ich mir resümierende Gedanken zu machen. Kurz kommt mir noch einmal Kopenhagen in den Sinn, wo es Hochstraßen durch die Stadt nur für Fahrradfahrer gibt. In Dresden dagegen ist die Radler-Realität noch immer eine triste.
Fazit: So macht Radfahren keinen Spaß
Besonders die Route über die Königsbrücker Straße und die Könneritzstraße ist immer noch mit Stolperfallen und Hindernissen gepflastert, auch wenn inzwischen an der einen oder anderen Stelle ein Stück Radweg dazugekommen ist. Das Fazit nach zehn Kilometern könnte klarer kaum sein: So macht Radfahren keinen Spaß.
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Welche Radroute durch Dresden halten Sie für die schlechteste? Wo sollte dringend etwas getan werden? Schreiben Sie uns eine Mail an sz.dresden@saechsische.de.
SZ