Unsere Art zu Wirtschaften der vergangenen Jahrzehnte hat dem Planeten massiv geschadet. Der Ressourcenverbrauch übersteigt jedes vertretbare Limit, Treibhausgasemissionen gelangen weiter in die Atmosphäre und die Erde heizt sich weiter auf. Hier ist die Wirtschaft der zentrale Motor der Welt: Sie sorgt für Wohlstand und stabile Verhältnisse. Sie ist dadurch ein großer Hebel, um unsere Gesellschaft zu transformieren. Um ihn bewegen und nutzen zu können, muss „die Logik des gesamten Wirtschaftssystems“ auf den Kopf gestellt werden, stellt Ella Lagé von der Unternehmensberatung The Dive im Podcast-Gespräch fest. Während bisher die Gewinnmaximierung oberstes Ziel von Unternehmen sei, solle zukünftig besser die Wirkung diese Position einnehmen.

Marina Fecke, Senior Researcherin im Forschungsbereich Zirkulärer Wandel am Wuppertal Institut, stimmt ihr zu und ergänzt: „Wir sprechen Unternehmen oft auf den Aspekt der Resilienz an. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen haben ein großes Interesse daran, resilienter zu werden. Ihr Ziel ist meist nicht Gewinnmaximierung um jeden Preis, sondern eine langfristige stabile Lage.“ Lagé und Fecke folgen dabei der Idee des regenerativen Wirtschaftens. Das Grundprinzip dahinter: Gestaltungsprinzipien aus der Natur werden so auf das eigene unternehmerische Handeln übertragen, dass dadurch verschiedenste Bedingungen in der Welt gefördert werden, in denen sich die Natur erholen und wieder stabilisieren kann.

Das Konzept des regenerativen Wirtschaftens geht weiter als klimaneutrales Handeln. Im Fokus steht nicht nur, die Folgen des eigenen Handelns zu minimieren oder auszugleichen, sondern auch den aktuellen Zustand zu verbessern. Lagé betont, dass es neben ökologischen Faktoren auch um soziale Faktoren geht: „Im unternehmerischen Kontext kann das bedeuten, dass Unternehmen auf ihre sozialen Verflechtungen für Verbesserungen einwirken – etwa durch arbeitnehmerfreundliche Verträge mit Zulieferern oder einem besonders fairen Umgang mit den eigenen Mitarbeitenden – aber auch auf ökologische Umgebungen.“ Fecke unterstreicht diesen systemischen Blick: „Wir Menschen sehen uns oft in einem eigenständigen System – parallel zur Natur: in dem einen die Menschen, in dem anderen Pflanzen und Tiere. Sobald uns die Natur ‚ins Gehege kommt‘, sorgen wir dafür, dass sie verschwindet. Aber wir leben alle in einem System – und brauchen die Natur.“

Welche Herausforderungen sich dabei stellen, wie der Wandel gelingen  kann und was den beiden Mut macht, erzählen sie in der neuen Zukunftswissen.fm-Folge. Diese und alle vergangenen Episoden sind kostenfrei auf Spotify, Apple Podcasts und Podcast.de sowie über die Website des Wuppertal Instituts zu hören.