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Russlands Automarkt schwächelt. Die Verkäufe brachen zuletzt deutlich ein. Ein CEO warnt, dass diese Entwicklung anhalten könnte.
Moskau – Keine guten Nachrichten für Kreml-Chef Wladimir Putin: Ökonomen warnen vor der Schuldenkrise, der Staat macht nicht genug Geld aus dem Verkauf von Öl- und Gasexporten und der Westen bereitet erneut Sanktionspakete vor. Diesmal könnte auch aus Washington neuer Druck kommen. Beim Automarkt warten dagegen andere Probleme.
Einbruch in Russlands Automarkt – „scharfer Rückgang“ bei der Käufernachfrage
Und zwar steht der russische Automarkt vor einem drastischen Einbruch. Analysten zufolge zeigt das einen „scharfen Rückgang“ bei der Nachfrage und eine generelle Schwäche von Russlands Wirtschaft. In einer Pressemeldung hat sich Anfang Juli die Association of European Businesses zu Wort gemeldet und ihre Prognose zum russischen Automarkt angepasst. Ein Ergebnis: Die Verkäufe sollen um 24 Prozent zurückgehen, auf nurmehr 1,25 Millionen verkaufte Autos.
Rückschlag für Russlands Automarkt – 24 Prozent Verlust: CEO spricht Warnung aus © IMAGO / Russian Look
Der Unterschied zur vorigen Prognose ist signifikant. Vorher gingen die Experten noch von einem Einbruch der Verkäufe um lediglich 15 Prozent aus. Analysten der Association gaben an, der Markt könne zwar wieder wachsen, dafür sei jedoch umfassende Unterstützung des Kremls notwendig. Die Regierung müsse vor allem Programme erneuern, die darauf abzielen, den Bedarf anzukurbeln.
„Wir erwarten, dass der erste leichte Schritt in Richtung eines niedrigeren Leitzinses dazu beitragen kann, den Markt zu stabilisieren“, hieß es weiter in der Pressemeldung der Association. Weitere Senkungen des Leitzinses würde eine positive Entwicklung bestärken. Im Juni hatte Russlands Zentralbank die Leitzinsen von 21 Prozent auf 20 Prozent gesenkt. Die hohen Zinsen verhindern einen Teil der Investitionen im Land, weil private Haushalte und Unternehmen davon absehen, neue Kredite aufzunehmen. Daneben leiden Unternehmen, die Kredite abbezahlen müssen, unter den sich aufstapelnden Kosten.
Automarkt in der Krise – Auto-CEO warnt vor weiteren Rückgängen
Diese Herausforderungen in der Autoindustrie bestehen bereits seit Monaten. Schon im April hatte Maxim Sokolow, CEO des Autoherstellers AwtoWAZ, gewarnt, dass der Bedarf für heimisch produzierte Autos sich halbiert habe. AwtoWAZ ist Russlands größter Autohersteller in Staatseigentum. Allein im April erwartete der Hersteller einen Rückgang in Verkäufen der russischen Automarke Lada um 33 Prozent.
„Letztes Jahr im April haben wir etwa 45.000 Autos verkauft, und letztes Jahr im März waren es rund 42.000“, zitierte die Presseagentur Interfax den CEO. 2025 standen für April 30.000 Verkäufe ins Haus. Zwischen März 2024 und März 2025 seien die Verkäufe ebenfalls um ein Drittel eingebrochen. „Wir sehen, dass die Nachfrage dynamisch fällt: Für unsere Autos ist es etwa ein Drittel, für den ganzen Markt sind es etwa 50 Prozent, inklusive AwzoWAZ“, sagte Sokolow.
Genau wie die Association of European Businesses forderte auch der CEO ausgedehnte staatliche Programme für die Automobilindustrie. Darunter müssten vor allem Subventionen für Familien fallen, die Kredite für den Autokauf aufnehmen. Der Ukraine-Krieg habe „große“ Herausforderungen für die Wirtschaft geschaffen, angetrieben von internationalen Sanktionen und einer hohen Inflation – die wiederum von den enormen Rüstungsausgaben befeuert wird.
Russen wenden sich China-Autos zu – „tiefe Verletzlichkeit“ in Russlands Wirtschaft
Schon seit der russischen Invasion in der Ukraine hat der Automarkt drastische Einbußen verzeichnet. Im Zuge der umfangreichen Sanktionen haben sich einige wichtige Autohersteller aus Russland zurückgezogen, die Russen selbst haben sich eher der heimischen Produktion zugewandt – aber auch, und das in einem nicht geringen Maße, der chinesischen Produktion.
Sowohl russische als auch chinesische Automobile bringen jedoch Risiken bei der Qualität mit. Laut der Stockholm School of Economics haben auch einige staatlich verordnete Krediterleichterungen nicht ausreichend dabei geholfen, den Inflationsdruck auf dem Automarkt zu erleichtern. Im ersten Quartal 2025 sind die Verkäufe von Neuwagen um 25 Prozent zurückgegangen, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum.
Die einbrechenden Autoverkäufe sind laut der SSE ein deutliches Zeichen dafür, dass Haushalte sich große Ausgaben nicht mehr in dem Maße leisten können wie zuvor. Das wiederum zeige eine „tiefe Verletzlichkeit“ der Kriegswirtschaft. Inflation und höhere Steuern untergraben die Kaufkraft der russischen Bevölkerung.