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Nach Vorgabe russischer Behörden muss Polen sein Generalkonsulat in der Ostseeregion Kaliningrad aufgeben. Für Russland ist das die Folge „feindlicher Handlungen“.

Warschau – Zwischen Polen und Russland kommt es seit Beginn des Ukraine-Kriegs in diplomatischen Kreisen immer wieder zu Problemen und Eklats. Weil Polen russischen Geheimdiensten vorwirft, hinter einem Brand in einem Warschauer Einkaufszentrum zu stecken, musste erst Ende vergangenen Monats das russische Generalkonsulat in Krakau schließen. Jetzt wurde als direkte Folge darauf die Schließung des polnischen Generalkonsulats in der Ostseeregion Kaliningrad angekündigt.

Auch die russischen Behörden, die die Schließung der polnischen Vertretung bis Ende August angeordnet haben, argumentieren ihrerseits damit, dass die Entscheidung eine direkte Folge „ungerechtfertigter und feindseliger Handlungen der polnischen Seite“ sei, wie die Nachrichtenagentur AFP zitiert. So wirft Russland Polen vor, mit seinen Anschuldigungen gegenüber den russischen Geheimdiensten lediglich einen Vorwand gefunden zu haben, um die Arbeit der russischen Behörden zu behindern.

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Unumstritten ist, dass es bereits am 12. Mai 2024 zu einem Großbrand im Warschauer Einkaufszentrum „Marywilska 44“ gekommen war, bei dem das gesamte Gebäude mit rund 1400 Läden, Marktständen und Dienstleistungseinrichtungen zerstört wurde. Verletzte gab es keine, der entstandene Schaden für die Händlerfamilien war allerdings groß, wie aus Medienberichten Tage nach dem Brand, etwa von AP News hervorgeht. Der Sender NTV berichtete von Löscharbeiten, bei denen über 240 Feuerwehrleute mit rund 100 Fahrzeugen im Einsatz waren.

Ermittlungen in den Wochen und Monaten nach dem Brand hatten ergeben, dass das Feuer an mehreren Stellen ausgebrochen war und es sich offenbar um Brandstiftung gehandelt hatte. Der britischen BBC sagte Polens Außenminister Radosław Sikorski im Mai 2025, dass es „Beweise“ gäbe, dass russische Agenten „in Polen lebende Menschen auf Telegram rekrutiert und bezahlt“ hätten, um den Brand in dem Einkaufszentrum zu legen. Dass dabei niemand verletzt worden sei, bezeichnete Sikorski als „Wunder“.

Bei einem Brand in Warschau wurden 1400 Läden, Marktstände und Dienstleistungsbetriebe zerstört. Das Ganze hat auch vermehrt politische Konsequenzen.Bei einem Brand in Warschau wurden 1400 Läden, Marktstände und Dienstleistungsbetriebe zerstört. Das Ganze hat auch vermehrt politische Konsequenzen. (Archivfoto) © Leszek Szymanski/dpaSchließung von Generalkonsulat in Kaliningrad: Polen kündigt „angemessene“ Reaktion an

Unmittelbar nachdem diese Erkenntnis öffentlich gemacht worden waren, hatte Polen die Schließung des russischen Generalkonsulats in Krakau bis Ende Juni angekündigt. Darüber hinaus hatte Polen bereits im Mai 2024 die Bewegungsfreiheit russischer Diplomaten auf polnischem Staatsgebiet eingeschränkt. Der Grund: Russlands Diplomaten seien in einen „hybriden Krieg“ verwickelt.

Russlands Schließung des Konsulats in der Exklave-Region Kaliningrad, die im Süden an Polen und im Norden an Litauen grenzt, ist nach Darstellung der Behören eine direkte Folge auf die Schließung der Behörde in Krakau. Laut dem AFP-Bericht, habe die polnische Regierung bereits mit einer solchen Folge gerechnet und angekündigt „angemessen“ zu reagieren, wie die Agentur einen Regierungssprecher zitiert. (saka mit AFP)