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Panorama-Pause bei einer Radtour durchs Bergische Land. © IMAGO/imageBROKER/Markus Quabach
Nordrhein-Westfalen besitzt viele Gesichter. Wer sie besser erkunden möchte, sollte das Fahrrad nutzen. Diese fünf Radrouten zeigen NRW von seiner schönsten Seite.
Köln – Zwischen Eifel und Teutoburger Wald, zwischen Münsterland und Sauerland entfalten sich Landschaften, die leise überzeugen: Flussauen, Schlösser, ehemalige Bahntrassen, sanfte Hügel. Die meisten Strecken haben keine Steigung, sind auch geeignet für durchschnittliche Hobbysportler. NRW ist ein Land, das beim Radfahren Geschichten erzählt, berichtet yeswe.koeln.
1. Erft-Radweg: Nebenfluss mit Charakter
Ein Abstecher am Erft-Radweg: die Museumsinsel Hombroich. © IMAGO/Michael Kolvenbach
Rund 110 Kilometer lang begleitet die Erft Radfahrer von der Eifel bis zum Rhein bei Neuss. Die Strecke ist durchweg flach, gut ausgeschildert und auch für weniger Geübte machbar. Unterwegs warten kleine Orte mit Fachwerk, alte Mühlen, Wasserburgen – und mit Schloss Augustusburg in Brühl ein bauliches Schwergewicht der Barockarchitektur, das zu Recht UNESCO-Welterbe ist. Wer mag, plant einen Schlenker zur Museumsinsel Hombroich ein. Und wer einfach nur ein paar Stunden Abstand vom Alltag sucht, findet entlang des Flusses reichlich stille Rastplätze mit Blick aufs Wasser.
2. 100-Schlösser-Route: Pedalrituale im Münsterland
Dass Radfahren im Münsterland dazugehört wie das „Moin“ im Norden, ist bekannt. Die 100-Schlösser-Route ist dennoch etwas Besonderes: Mit 960 Kilometern ist sie eine der längsten Themenrouten Deutschlands – aber sie ist modular aufgebaut, lässt sich etappenweise befahren und belohnt mit historischem Weitblick.
Schloss Nordkirchen gilt als das Versailles von Westfalen. © IMAGO/Peter Schickert
Von klassizistisch bis trutzig reicht die Bandbreite der besuchten Bauwerke. Da ist das elegante Wasserschloss Nordkirchen, das gern als „westfälisches Versailles“ bezeichnet wird – ein Vergleich, der nicht übertrieben ist. Weiter geht es zur Burg Vischering in Lüdinghausen, die mit Wassergraben und Zugbrücke fast schon wie aus dem Bilderbuch wirkt. Auch kleinere Gutshöfe und Herrenhäuser liegen am Weg, eingebettet in parkartige Landschaften. Der Anspruch der Route: nicht sportlich, sondern stilvoll.
3. Römer-Lippe-Route: Geschichte im Vorbeifahren
Rund 300 Kilometer misst die Römer-Lippe-Route, die von Detmold nach Xanten führt – und dabei römische Geschichte, Industriekultur und Naturlandschaft in bemerkenswerter Weise kombiniert. Der Einstieg ist monumental: das Hermannsdenkmal bei Detmold, über 50 Meter hoch und Symbol für den Rückblick auf eine Zeit, als Germanen und Römer sich nicht grün waren.
Auf der Römer-Lippe-Route gibt es eine handbetriebene Fähre. © IMAGO/Jochen Tack
Die Route folgt dem Verlauf der Lippe, einst Transportweg der Legionäre, später Lebensader für Mühlen, Schleusen und Zechen. Der Kontrast aus geschichtsträchtigen Orten, technischer Infrastruktur und grüner Weite macht den Reiz dieser Tour aus. In Xanten, der alten Römerstadt, wird die Vergangenheit greifbar: Im archäologischen Park wurde nicht nur rekonstruiert, sondern klug inszeniert. Wer Geschichte lieber erlebt als erliest, ist hier richtig.
Das sind sechs der beliebtesten Radwege in NRW
Fotostrecke ansehen4. Wasserquintett: Zwischen Talsperren und Fachwerkrücken
Die Genkeltalsperre ist eine reine Trinkwassertalsperre im Bergischen. © IMAGO/Ralph Goldmann
Das Bergische Land ist kein Terrain für Bequemradler – und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Die Route „Wasserquintett“ verbindet fünf Talsperren auf etwa 80 Kilometern, darunter die Genkeltalsperre bei Marienheide. Wem es weniger um Tempo als um Atmosphäre geht, ist hier gut aufgehoben. Kleine Orte wie Hückeswagen und Wipperfürth, jahrhundertealte Kirchen, Fachwerk, Bruchstein, stille Höhenzüge. Die Strecke ist anspruchsvoll, aber nicht unzumutbar. Wer Etappen plant und mit Übernachtung kombiniert, erlebt eine Tour, die sich nach mehr anfühlt als nach Fortbewegung.
5. Möhnetal-Radweg: Geradeaus ins Grüne
Unterwegs auf dem Möhnetal-Radweg: Natur pur. © IMAGO/www.tanja-esser-auftragsatelier.
Wer Bahntrassen liebt, liebt diesen Weg. Der Möhnetal-Radweg nutzt die stillgelegte Linie zwischen Brilon und dem Möhnesee – und damit all ihre Vorteile: kaum Steigungen, breite Fahrbahn, viel Natur. Rund 65 Kilometer, ideal für Einsteiger, Familien oder alle, die mal wieder einen ganzen Tag im Sattel verbringen wollen. Entlang der Strecke: Felder, Wälder, kleine Orte, und schließlich der Möhnesee selbst – mit seiner beeindruckenden Staumauer und der Möglichkeit, am Wasser zu verweilen oder es mit dem Tretboot zu befahren. Wer will, ergänzt die Tour mit einer Umrundung des Sees. Wer nicht, sitzt einfach auf der Bank und schaut – und genießt.
Radfahren auf alten Eisenbahntrassen ist eine Reise durch die Zeit. In Deutschland gibt es viele Touren dieser Art. Einer der schönsten verläuft durch NRW.