Die Berliner Bezirke sollen sparen – auch bei der Jugendhilfe. Doch Neuköllns Jugendstadträtin Sarah Nagel (Die Linke) weigert sich, die Kürzungen hinzunehmen. Sie meldet den vollen Bedarf an und will kein einziges Jugendzentrum schließen. Ein Gespräch über politische Verantwortung, soziale Gerechtigkeit und die Frage: Wie viel Widerstand verträgt der Haushalt?
Die Kassen des Berliner Senats sind klamm. Gekürzt werden soll in allen Bereichen. Besonders umstritten waren in dieser Woche die Kürzungen im Bildungsetat. Die Berliner Hochschulen behalten sich weiter vor, gegen die Sparpläne zu klagen. Doch der Spardruck des Senats wird auch ganz direkt an die Bezirke weitergegeben.
In Berlin-Neukölln fehlen in den Jahren 2026 und 2027 nach Angaben des Bezirksamtes jeweils 20 Millionen Euro. Die geplanten Kürzungen betreffen auch die Jugendhilfe – ein Bereich, der in einem sozial belasteten Bezirk wie Neukölln besonders sensibel ist. Dagegen regt sich Widerstand. Sarah Nagel, Jugendstadträtin von Die Linke, stellt sich offen gegen den Sparkurs. Sie hat bei der Haushaltsaufstellung den vollen Bedarf angemeldet – ohne Kürzungen. Für sie ist klar: Jeder Euro für Kinder und Jugendliche ist gut investiertes Geld, gerade in einem Bezirk, in dem über ein Drittel der Kinder in Armut lebt, so Nagel auf radioeins.
SPD und Grüne werfen Nagel parteipolitische Inszenierung und das Ausspielen von Bezirken gegeneinander vor. Sie selbst sieht das anders: Es gehe nicht um Konkurrenz, sondern um das Sichtbarmachen realer Bedarfe. Die Bezirke seien oft die erste Anlaufstelle für soziale Probleme – und bräuchten dafür ausreichende Mittel.