Wenn man es genau nimmt, ist es Rhoda Deramgozins fünfter Goldjunge. Der erste war ihr Hund. „Ich habe ihn immer so genannt“, sagt sie. In Aachen hat die gelernte Betriebswirtschaftslehrerin insgesamt drei Goldjungen eröffnet. „Seitdem ich in Bremen bin, kümmert sich mein Bruder um den einen Laden, den anderen hat meine Partnerin übernommen und den ersten habe ich noch behalten.“

Aachen, so erklärt sie mir, sei eine Stadt mit rund 90.000 Studenten, „und die können ja nicht nur in den Vorlesungen sitzen“. So kam ihr der Gedanke, ein großzügiges, hübsch angerichtetes Frühstück für einen fairen Preis anzubieten. Was offensichtlich in der Kaiserstadt gut angenommen wurde.

Wie soll es anders sein: Es war mal wieder die Liebe, die sie nun an die Weser zog. „Ein gutes Jahr habe ich nach dem Standort für einen Goldjungen gesucht und hier in Hastedt bin ich fündig geworden.“ Sechs Wochen baute sie gemeinsam mit einem befreundeten Schreiner das Eckrestaurant um, lernte das Viertel und ihre Nachbarn kennen und schätzen: „Alle sind so nett zu mir.“ Dort traf sie auch auf den Künstler Stephan Dobberphul, der ihr Aladin und Jasmin auf dem fliegenden Teppich an die Wand sprühte. Besonders begeistert sei sie gewesen, als sie bemerkte, dass Bio-Bauer Sven jeden Freitag seinen Wagen gegenüber parkt und Hoferzeugnisse verkauft. „So habe ich einen tollen Lieferanten für meine Bio-Eier gefunden.“

Tiktoker und Instagram-Influencer sind besonders von ihrem originellen Toiletten-Eingang angetan. Mir gefällt das entspannte Durcheinander von Bremen-Fotos, Aladin, Teppich-Tapete und Bauernschrank.

Die Karte finde ich spannend und humorvoll. So werden hier Monsieur Claude, der Prince of Bel Air, Aladin und Jasmin sowie Karl der Große satt. Ich entscheide mich, klaro, für „Frau Antje“ (17,90 Euro), ein Käse-Frühstück. Die Chefin kommt mit ihrem persönlichen Liebling um die Ecke: Avocado-Sesam-Bagel mit karamellisiertem Halloumi-Käse, Tomaten, kleingewürfelter Gurken, Granatapfel und Balsamico für 14,50 Euro – so lecker, dass er bestimmt schnell zum Klassiker werden wird.

Bei „Frau Antje“ sind die verschiedensten Käsevarianten, Salat, Tomaten, Gurke, Ei, Brötchen und Marmelade auf einer ausladenden Holzschale dekoriert. „Eine Portion, die man sich sehr gut teilen kann“, sage ich. „Das machen auch viele. Mir ist aufgefallen, dass die Gäste hier schneller essen, in Aachen bleiben sie länger sitzen und essen über den längeren Zeitraum auch mehr“, sagt Rhoda Deramgozin. Die Karte, die diverse Salate über Lassis bis hin zu Porridge in herzhaft und süß anbietet, hat sie eins zu eins übernommen. „Die verschiedenen Gerichte habe ich gemeinsam mit einem Koch konzipiert, den Werder-Goldjungen gibt es nur in Bremen.“ Mein Tipp als Rheinländerin: hinsetzen, quatschen, essen und den Alltag vergessen.

Das sagen die Stammgäste: Ich wohne ums Eck und freue mich, dass nach der Zeit des Leerstands hier wieder etwas drin ist; die Einrichtung ist sehr gemütlich; das Frühstück ist sehr schön angerichtet; mir schmeckt’s; ich hätte mir italienische statt deutsche Mortadella gewünscht und luftgetrocknete Salami, dafür würde ich auch mehr bezahlen.

Goldjunge, Am Hulsberg 1, 28205 Bremen, Telefon 0421-67348864, Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 17 Uhr, Frühstück bis 15 Uhr, nicht barrierefrei, Außensitzplätze.

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