Berlin. „Hauptrolle Berlin“, die Filmreihe von Morgenpost und Zoo Palast, feiert Jubiläum. Und blickt auf viele schöne Abende zurück.

Am Abend des 4. August 2015 standen drei Männer vor dem Zoo Palast. Und schwitzten. Der Schauspieler Tom Schilling. Der Filmregisseur Jan-Ole Gerster. Und der Filmredakteur der Berliner Morgenpost – der Schreiber dieser Zeilen. An diesem Abend wurde hier eine neue Filmreihe eingeweiht: „Hauptrolle Berlin“, in der künftig einmal im Monat ein waschechter Berlin-Film gezeigt werden sollte.

Auftakt in brütender Hitze. Und die Angst: Kommt überhaupt jemand?

Den Auftakt machte „Oh Boy“, einer der schönsten Berlin-Filme des jungen Jahrtausends. Das Regie-Debüt von Jan-Ole Gerster, das zum Kultfilm avanciert war. Und Tom Schilling endgültig in den Star-Nimbus erhoben hatte. Allein beim Deutschen Filmpreis hatte das Werk sechs Lolas ergattert, unter anderem für die Beste Regie an Gerster und für den Besten Männlichen Hauptdarsteller an Schilling, vor allem aber die Lola in Gold für den Besten Film des Jahres.

Aber würde überhaupt jemand zur ersten „Hauptrolle Berlin“ kommen? Das fragten sich die drei vor dem Kino besorgt. Denn es war an diesem Tag 40 Grad heiß, Gluthitze über Berlin. Das konnte selbst Leute, die sich schon ein Ticket bestellt hatten, davon abhalten, quer durch die Stadt zu fahren. Vielleicht würden sie doch lieber direkt in den Biergarten gehen. Aber nicht nur deshalb schwitzten die drei.

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Am selben Abend hatte „Oh Boy“ auch seine TV-Premiere in der ARD. Das war erst bekannt geworden, als die Filmreihe längst konzipiert, der Starttermin ausgewählt und die Werbemittel im Umlauf waren. Ein Zurück gab es also nicht. Wer aber sollte Geld ausgeben, wenn er den Film auch umsonst zuhause gucken konnte, im Spätprogramm, also nach dem Biergarten?

Die ersten Gäste waren Tom Schilling und Jan Ole Gerster zu „Oh Boy“

Die Aufregung war völlig unnötig. Der Saal war ausverkauft. Und viele, das haben Handzeichen ergeben, kannten den Film auch schon, hatten ihn bereits im Kino gesehen. Wollten die Berlin-Bilder aber noch mal sehen. Groß auf der Leinwand und nicht klein in der Glotze. Vor allem aber wollten sie den Schauspieler und seinen Regisseur auch live erleben. Und die erzählten dann charmant, wie der Film zustande gekommen war – und ihre Freundschaft darüber fast zerbrochen ist.

Denn die beiden kannten sich gut. Schilling hatte die schwere Geburt von Gersters erstem Drehbuch miterlebt. Und wollte unbedingt die Titelrolle spielen. Für die er aber gar nicht vorgesehen war. Weshalb er förmlich gebettelt hat. Nicht mündlich, sondern per Brief. Das sollte sich auszahlen. Heute kann man sich gar nicht vorstellen, wer sonst diese Rolle hätte spielen sollen. Mit diesem Duo auf der Bühne und ihren Anekdoten wurde auch der Abend im Zoo Palast ein Erfolg. Die Zuschauer hatten ihren Spaß. Und konnten sich den Film danach zu Hause gleich noch einmal anschauen.

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Viele prominente Gäste kommen zur Filmreihe:  Hier Katja  Riemann  im Februar 2016 für  „Rosenstraße“.

Viele prominente Gäste kommen zur Filmreihe: Hier Katja Riemann im Februar 2016 für „Rosenstraße“.
© JÖRG KRAUTHÖFER

Das war die Stunde Null der gemeinsamen Filmreihe von der Berliner Morgenpost und dem Zoo Palast, die seither an jedem ersten Dienstag im Monat einen Berlin-Film zeigt. Und dazu einen Gast einlädt, der vorab über den Film spricht. Mit der nächsten Ausgabe am 5. August gilt es nun, ein großes Jubiläum zu feiern. Die Filmreihe wird zehn Jahre alt. Und das wird mit einem besonderen Film zelebriert: Gezeigt wird Billy Wilders brüllend komischer Film „A Foreign Affair“.

Die Filmreihe entstand durch die Medienkooperation zwischen Zoo Palast und Morgenpost

Über eine Zeit, die wahrlich nicht komisch war: Berlin in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Mit Marlene Dietrich, die sich hier als Nachtclub-Sängerin durchwurschtelt. Beide, Wilder wie Dietrich, waren in die USA emigriert, sind ins zertrümmerte Deutschland zurückgekehrt. Und drehten einen Film, der die Stadt mit all ihren Verwüstungen zeigte. Und doch unterhaltend war. Zu diesem Film kommt auch ein besonderer Gast: Tricia Tuttle, die neue Chefin der Berlinale, die den Film liebt. Und ja auch, wie Jean Arthur im Film, eine Amerikanerin in Berlin ist.

Wie kam die Filmreihe überhaupt zustande? 2013 wurde die Berliner Morgenpost vom Axel Springer Verlag verkauft und ging in die Funke Mediengruppe über. Deshalb zog die Zeitung im Dezember jenes Jahres aus seinen Redaktionsräumen im Springer-Haus in Kreuzberg aus und zog ins Neue Kranzler-Eck am Kurfürstendamm. Mitten in die City-West, die damals eine Aufbruchphase erlebte. Das Bikini-Haus wurde aufwendig in eine neue Concept Shopping Mall umgewandelt. Und der Zoo Palast, das größte Kino der Stadt, das allerdings zuletzt als Abspielstätte der UCI-Kinokette ziemlich heruntergekommen war und 2010 geschlossen wurde, wurde von Kinobetreiber Hans-Joachim Flebbe renoviert.

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Ein Dauergast in der Filmreihe: Regisseur Dani Levy (.l.) hat schon drei seiner Filme vorgestellt.

Ein Dauergast in der Filmreihe: Regisseur Dani Levy (.l.) hat schon drei seiner Filme vorgestellt.
© FFS | Jörg Krauthöfer

Flebbe war einst Gründer der Cinemaxx-Kette und als solcher auch mal kurz Herr über den Zoo Palast. 2009 aber gründete er ein neues Unternehmen und setzte nun auf den Umbau von Lichtspielhäusern in „Premiumkinos“. Für ihn ging ein Traum in Erfüllung, als er auf diese Art wieder zum Zoo Palast kam und ihn (unter dem Motto „Das Kino ist zurück“) im November 2013 mit einem großen Fest und vielen prominenten Gästen wiedereröffnete. Nachdem das Kino fast drei Jahre leer gestanden hatte.

Ein Rückblick auf viele prominente Gäste, die schon vorbeigeschaut haben

So viel neue Energie an einem neuralgischen Platz, das musste zu Synergien führen. Deswegen gingen die Berliner Morgenpost und der Zoo Palast bald eine Medienkooperation ein. Für Diskussionsveranstaltungen der Morgenpost stellt das Kino etwa seine Säle zur Verfügung. Bald aber stand auch die Idee im Raum, eine gemeinsame Filmreihe zu begründen. Dafür saßen an einem historischen Morgen Sascha Rybnicki, der Leiter des Zoo Palastes, Jens Nitsche vom Flebbe-Marketing, der Filmredakteur der Berliner Morgenpost und Ralf Jacobius vom Morgenpost-Marketing gemeinsam an einem Tisch. Und brainstormten.

Recht schnell war klar, wenn, dann musste es eine Reihe mit Berlin-Filmen sein. Das war die Klammer. Und es sollten auch nicht nur Filme gezeigt, sondern auch prominente Gäste eingeladen werden. Knifflig war nur die Frage, wer das moderieren sollte. Und da schauten alle auf den überraschten Filmredakteur, der, als Printjournalist, in dieser Hinsicht keinerlei Erfahrung hatte. Der darf zwar jedes Jahr auf der Berlinale den Leserpreis der Berliner Morgenpost für den publikumswirksamsten Wettbewerbsbeitrag verleihen. Aber einen Abend moderieren? Völliges Neuland. Deshalb schwitzte einer der drei Herren an jenem 4. August 2015 ganz besonders. Und die ersten Ausgaben auch immer wieder aufs Neue.

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Die größte Stardichte: Im April 2023 stellte Wolfgang Becker (3.v.l.) nach langer Krankheit „Das Leben ist eine Baustelle“ vor. Zur Verstärkung kamen Jürgen Vogel (l.), Tom Tykwer (4.v.l.) und fast das gesamte Team von X Filme.

Die größte Stardichte: Im April 2023 stellte Wolfgang Becker (3.v.l.) nach langer Krankheit „Das Leben ist eine Baustelle“ vor. Zur Verstärkung kamen Jürgen Vogel (l.), Tom Tykwer (4.v.l.) und fast das gesamte Team von X Filme.
© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Vergessen. Nach zehn Jahren kann man auf viele erfolgreiche Abende zurückblicken. Viele Stars haben uns in unserer Filmreihe beehrt. Übrigens alle umsonst, ohne irgendeine Gage zu verlangen. Katja Riemann stellte hier das Kriegsdrama „Rosenstraße“ vor, Martina Gedeck das oscar-gekrönte Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“, Heike Makatsch ihr Hildegard-Knef-Biopic „Hilde“, Ben Becker „Comedian Harmonists“, Winfried Glatzeder den Defa-Klassiker „Die Legende von Paul und Paula“, Lars Eidinger „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“, Karin Baal „Die Halbstarken“, Natja Brunckhorst das Drogendrama „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, Jörg Schüttauf die Honecker-Klamotte „Vorwärts immer!“. Und zuletzt, Anfang Juli, Jürgen Prochnow Wolfgang Petersens Kino-Debüt „Einer von uns beiden“.

Zu Gast waren nicht nur Filmschaffende, sondern auch Autoren und Liedermacher

Auch Regisseure schauen gern vorbei: Doris Dörrie stellte im Zoo Palast ihre Komödie „Die Friseuse“ vor, Detlev Buck sein Neukölln-Drama „Knallhart“, Sherry Hormann die „Ehrenmord“-Tragödie „Nur eine Frau“, Andreas Dresen seine „Nachtgestalten“, Christian Petzold das Großstadtmärchen „Undine“ und Karoline Herfurth ihr Regiedebüt „SMS für dich“.

Zu Gast waren auch Filmproduzenten wie Alice Brauner, die „Hotel Adlon“, einen Titel ihres Vaters Artur Brauner, vorstellte. Oder Christoph Fisser, einer der früheren Leiter der Filmstudios Babelsberg, der hier über die Entstehung der US-Produktionen „Die Bourne Identität“ und Spielbergs „Bridge of Spies“ sprach. Und es kommen nicht nur Filmschaffende, sondern auch andere prominente Gäste.

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Zum Zweijährigen stellte Natja Brunckhorst „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ vor. Und ließ sich ebenda ablichten.

Zum Zweijährigen stellte Natja Brunckhorst „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ vor. Und ließ sich ebenda ablichten.
© jörg Krauthöfer

Buchautoren wie Wladimir Kaminer zur Verfilmung seiner „Russendisko“, Thomas Brussig zu „Helden wie wir“, Stefan Aust für „Der Baader Meinhof Komplex“. Und Knef-Biograf Christian Schröder zum Knef-Film „Jeder stirbt für sich allein“. Selbst Liedermacher waren schon zu Gast: Klaus Hoffmann, der einen seiner frühen Filme zeigte, aus der Zeit, als er noch Schauspieler war: „Henry Angst“. Oder Bettina Wegner, die „Bettina“, den Dokumentarfilm über sich, vorstellte.

Einige Gäste kamen gleich mehrfach

Knifflig wird es, wenn gerade bei älteren Filmen keiner der Beteiligten mehr am Leben ist. Oder nicht mehr als Gäste in Frage kommen. Aber auch da gibt es schöne Alternativen. Philip Zengel von der Defa-Stiftung sprach hier etwa über die Defa-Produktionen „Berlin, Ecke Schönhauser“ und „Die Mörder sind unter uns“. Rainer Rother, bis vor kurzem noch der Leiter der Deutschen Kinemathek, sprach über Billy Wilders „Eins, Zwei, Drei“ und seine persönliche Begegnung mit Wilder.

Den Will-Tremper-Klassiker „Die endlose Nacht“ stellte dessen Sohn Willy Tremper vor. Zu „Cabaret“ kam Katharine Mehrling, die in der Bühnenversion in der Bar jeder Vernunft selbst die Sally Bowles gespielt hat. Und für „Schöner Gigolo, armer Gigolo“ mit David Bowie und Marlene Dietrich kam Entertainer Sven Ratzke, der sowohl als Marlene als auch schon mit Bowie-Songs auf der Bühne stand.

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Hauptrolle Lara

Zur 100. Vorstellung kam noch einmal Jan Ole Gerster, der Gast vom allerersten Abend, mit seinem Film „Lara“.
© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Einige Gäste kamen gleich mehrfach: wie Leander Haußmann mit „Herr Lehmann“ und „Sonnenallee“, Christian Schwochow mit „Bornholmer Straße“ und „Westen“, Wolfgang Becker mit „Das Leben ist eine Baustelle“ und „Good Bye, Lenin!“. Maria Schrader kam einmal als Schauspielerin (für „Aimée und Jaguar“) und einmal als Regisseurin (für „Ich bin dein Mensch“).

Selbst ein Routinier wie Wim Wenders ist nervös auf der Bühne des Zoo Palasts

Und Jan-Ole Gerster, der in der allerersten „Hauptrolle“ seinen Erstling „Oh Boy“ vorstellte, war im Februar der Ehrengast zur 100. Vorstellung, wo er seinen zweiten Film „Lara“ zeigte. Den Spitzenplatz halten mit je drei Besuchen in unserer Reihe die Filmproduzentin Regina Ziegler, die im Zoo Palast „Fabian“, „Kamikaze 1989“ und „Sigi, der Straßenfeger“ vorstellte, Regisseur Dani Levy, der hier „Mein Führer“, „Alles auf Zucker!“ und „Die Känguru Chroniken“ zeigte. Und sein Kollege Tom Tykwer, der hier 20 Jahre „Lola rennt“ feierte, aber auch für „Drei“ und als Produzent und Koautor von „Das Leben ist eine Baustelle“ zu Gast war.

Eine der vielen Höhepunkte der Reihe war sicherlich der Besuch von Wim Wenders. Sein Berlin-Klassiker „Der Himmel über Berlin“ kam 2018, frisch restauriert, noch einmal in die Kinos. Die Berlin-Premiere dazu feierte er bei uns, wofür die Reihe, bislang einmalig, von seinem Dienstag-Termin auf den Donnerstag verschoben wurde, aber, ebenfalls einmalig, in den größten Saal des Hauses verlegt werden musste. Mit Wenders auf der Bühne, so dachte der Moderator, kann gar nichts schief gehen. Ging es auch nicht. Aber danach erfuhr er, wie nervös Wenders gewesen war. Weil der Film 1987 seine Berlin-Premiere ebenfalls im Zoo Palast gefeiert hatte.

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2018 kam der Filmklassiker „Der Himmel über Berlin“ aus dem Jahr 1987 neu restauriert noch einmal in die Kinos. Wim Wenders (r.) gab dazu  eine Berlin-Premiere  innerhalb unserer Reihe. Als Special im Saal 1.

2018 kam der Filmklassiker „Der Himmel über Berlin“ aus dem Jahr 1987 neu restauriert noch einmal in die Kinos. Wim Wenders (r.) gab dazu eine Berlin-Premiere innerhalb unserer Reihe. Als Special im Saal 1.
© Glanze/Berliner Morgenpost | Sergej Glanze

Ein Coup war auch, Margarethe von Trotta zu gewinnen, die ja eigentlich in Paris lebt, aber einen Berlin-Aufenthalt extra für die Filmreihe verlängerte, um ihren Klassiker „Rosa Luxemburg“ vorzustellen. Sie rief an dem Tag kurz vor der Aufführung an. Da bekommt man gleich einen Schreck, weil man fürchtet, jemand fällt wegen Krankheit aus. Die Regisseurin fragte aber nur, ob sie noch jemanden mitbringen könnte. Natürlich konnte sie, das dürfen alle Gäste.

Manchmal muss man improvisieren. Aber auch bei Ausfällen gibt es prominenten Ersatz

Von Trotta brachte aber nicht irgendwen mit. Sondern die Hauptdarstellerin, Barbara Sukowa, die in New York lebt und noch viel seltener in Deutschland ist. Eine Sensation. Sukowa musste dann natürlich auch mit auf die Bühne. Sehr bewegend war auch, als Wolfgang Becker hier im April 2023 „Das Leben ist eine Baustelle“ vorstellte. Becker, der damals gerade von einer schweren Erkrankung genesen war (der er inzwischen doch erlegen ist), wurde hier von seinen Stars und Weggefährten noch einmal eine ganz große Bühne bereitet.

Manchmal muss man auch kurzfristig improvisieren. Als Christian Berkel wegen Drehverzögerungen länger im Ausland bleiben musste, ließ er sich kurzerhand für „Operation Walküre“ per Video zuschalten. Als Sebastian Urzendowsky kurzfristig bei „Berlin 36“ ausfiel, sprang spontan Karoline Herfurth, seine Partnerin in diesem Film, ein. Obwohl sie an jenem Tage schon einen Interviewmarathon für einen aktuellen Film absolviert hatte. Jörg Schüttauf wiederum sprang bei „Lieber Thomas“ für den vergrippten Albrecht Schuch ein. Beides hochprominenter Ersatz. Weil beide Schauspieler schon schöne Erfahrungen in der Filmreihe gemacht haben.

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Hübsche Überraschung: Für „Rosa Luxemburg“ kam Regisseurin Margarethe von Trotta nicht alleine, sie brachte auch Hauptdarstellerin Barbara Sukowa mit.

Hübsche Überraschung: Für „Rosa Luxemburg“ kam Regisseurin Margarethe von Trotta nicht alleine, sie brachte auch Hauptdarstellerin Barbara Sukowa mit.
© J?rg Krauth?fer

Bei bislang 105 Vorstellungen gab es lediglich fünf Erkrankungen. Und nur einen Abend, der wegen der allzu kurzfristigen Absage ganz ohne Gast absolviert werden musste. Das einzige, das die Reihe nachhaltig ausgeknockt hatte, war die Pandemie. Deshalb blieben die Kinos lange geschlossen. Und auch die Filmreihe musste eine Zwangspause einlegen. Sie konnte dann aber höchst prominent wiedereröffnet werden: Daniel Brühl stellte hier sein Regiedebüt „Nebenan“ vor, als Preview, bevor der Film regulär ins Kino kam.

Noch längst nicht wurden alle Berlin-Filme gezeigt. Und es kommen immer fleißig neue

Der Aufbruch der City West währte nicht lange. Das Bikini-Haus dümpelt eher vor sich hin, im Umfeld gab es einige schmerzhafte Ladenschließungen. Und auch die Morgenpost ist mittlerweile noch einmal umgezogen und hat ihren Sitz nun bei der Zentralredaktion der Funke Mediengruppe in der Friedrichstraße. Der Zoo Palast strahlt aber nach wie vor als das größte und schönste Kino der Stadt. Die Medienkooperation ist ungebrochen, nur die Wege sind etwas weiter. Und die „Hauptrolle Berlin“ hat sich längst als Marke etabliert.

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Als die Reihe initiiert wurde, hätte keiner gedacht, dass sie je so lange dauern würde. Im Gegenteil: Man gab der Reihe zwei, vielleicht drei Jahre, dann wären die bekannten Berlin-Filme alle gezeigt worden. Und dann würden einem vielleicht auch die Gäste ausgehen. So die Befürchtung. Die hat sich glücklicherweise bislang nicht bestätigt. Es gibt noch immer viele Berlin-Filme, die noch nicht in der Reihe liefen. Und es werden auch fleißig neue gedreht.

Hauptrolle Berlin mit Jürgen Prochnow

Zuletzt zu Gast war der 83-jährige Weltstar Jürgen Prochnow im Juli, wo er „Einer von uns beiden“ vorstellte.
© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

An Gästen mangelt es ebenfalls nicht, viele kennen die Reihe bereits, manche bringen sich sogar selbst ins Gespräch. Vor allem aber bleibt auch das Publikum der Reihe treu. In unregelmäßigen Abständen wird in der Filmreihe immer wieder gefragt, wer denn schon einmal dabei gewesen ist. Und dabei gehen immer mehr Hände hoch. Ein schönes Zeichen, dass die Reihe von den Berlinern angenommen und auch als solche verstanden wird. Deshalb wollen sich Zoo Palast und Morgenpost auch persönlich bedanken. Und verlosen zum Jubiläum zwei mal zehn Freikarten (siehe Infokasten).

Der schönste Dank des Publikums: „Herr Zander, es war mal wieder schön“

Der anfangs noch so unerfahrene Moderator durfte dabei auch eine ganz neue Erfahrung gemacht haben. Als Zeitungsredakteur kommt man ja höchst selten in Kontakt mit seinen Lesern, und wenn, dann meist in Form von Leserbriefen, die eher einzelne Komma-Fehler beanstanden. Nach Vorführungen der „Hauptrolle Berlin“ treten aber immer wieder ganz fremde Menschen auf den Redakteur zu, die ihn freudig beim Namen nennen und meinen, es sei mal wieder schön gewesen. Wobei das „Mal wieder“ wohl die größte Auszeichnung ist.

10 Jahre Hauptrolle Berlin: Am 5.8., 20 Uhr im Zoo Palast mit „Eine auswärtige Affäre“ in Anwesenheit von Tricia Tuttle, Berlinale-Chefin – und eine Amerikanerin in Berlin.