Wolfsburg. Für Bahnpendler werden die kommenden Monate in der Region zur Geduldsprobe. Die Generalsanierung der Strecke Hamburg-Berlin hat ab Freitag, 1. August 2025, Konsequenzen für den Bahnverkehr in der Region. Und vor allem für die Verbindung von Wolfsburg nach Braunschweig und Hildesheim. Der Fernverkehr ist hingegen kaum betroffen.
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Nur noch Stundentakt: Auswirkungen auf die RE 50 Verbindung
Der Grund: Ein Großteil des Fernverkehrs nach Berlin muss über die Strecke Wolfsburg-Braunschweig und die Weddeler Schleife umgeleitet werden. Die Folge: Der Halbstundentakt zwischen Wolfsburg und Braunschweig, der seit gut einem Jahr in Kraft ist, kann aufgrund der höheren Auslastung der Strecke nicht gehalten werden. Allein auf der Strecke Wolfsburg-Braunschweig-Hildesheim werden bis zum Abschluss der Generalsanierung tausende Verbindungen ausfallen.
Die Verbindung mit dem Regionalexpress (RE) 50 nach Braunschweig und Hildesheim fällt damit zum großen Teil auf die Zeit vor dem zweigleisigen Ausbau der Weddeler Schleife und damit dem Stundentakt zurück. Zumindest in den frühen Morgenstunden wird es aber noch einen Halbstundentakt geben. Und zwar zwischen 5.18 Uhr und 7.18 Uhr. Danach verkehrt RE 50 ab 8.18 nur noch im Stundentakt.
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Bus statt Bahn? Warum ein Schienenersatzverkehr ausbleibt
Einen Schienenersatzverkehr wird es für den Zeitraum der Zugausfälle nicht geben. Der Grund: Eine Busfahrt zwischen Wolfsburg und Braunschweig dauert ungefähr 45 Minuten. Der Zug braucht lediglich 20 Minuten. „Der Bus käme erst an, wenn schon der nächste Zug wieder da ist“, erklärte Ralf Sygusch, Verbandsdirektor Regionalverband Großraum Braunschweig bei der Vorstellung der Pläne im Frühjahr. Aufgrund der längeren Fahrtzeit sei die Bus-Alternative unattraktiv, deshalb werde darauf verzichtet. Hinzukommt, dass mit dem Regiobus 230, der in der Regel im Halbstundentakt zwischen Braunschweig und Wolfsburg verkehrt, bereits eine ergänzende Busverbindung vorhanden ist.
Weddeler Schleife: Warum das zweite Gleis essenziell ist
„Wir sind froh, dass wir den Stundentakt aufrechterhalten und während der Bauphase gewährleisten können“, so der Verbandsdirektor. Das macht wiederum der zweigleisige Ausbau der Weddeler Schleife erst möglich. Ohne zweites Gleis könnte aufgrund der Auslastung kein einziger Nahverkehrszug die Strecke nutzen. Aufgrund der langen Fahrzeiten im Schienenersatzverkehr wäre dies eine Katastrophe für viele Pendlerinnen und Pendler. Der RE 50 befördert an einem durchschnittlichen Werktag 6.100 Fahrgäste zwischen Wolfsburg, Braunschweig und Hildesheim.
Generalsanierung betrifft auch andere Bahnverbindungen
Wobei nicht nur für die Strecke Wolfsburg-Braunschweig-Hildesheim Einschränkungen gelten. Auch andere Bahnverbindungen im Nahverkehr der Region werden durch die Generalsanierung beeinflusst.
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Weniger Züge fahren ab August auch auf der Strecke Braunschweig-Helmstedt-Magdeburg. Hier befördert die RB 40 täglich 7.200 Fahrgäste. Der Stunden-Takt wird weiter bedient, aber Verstärkerzüge fallen aus.
Weitere Änderungen im Zugverkehr in der Region betreffen die RB 47 zwischen Uelzen und Braunschweig mit 3.000 Fahrgästen täglich. Während der Bauphase fahren die Züge nur alle zwei Stunden die komplette Verbindung. In der anderen Stunde fahren zwischen Uelzen nach Bad Bodenteich Busse. In Bad Bodenteich besteht dann Anschluss an die Züge von und nach Braunschweig.
Wenn die Sanierung der Bahnstrecke Hamburg-Berlin wie geplant vonstattengeht, wird sie Ende April 2026 abgeschlossen sein. Die Strecke ist 278 Kilometer lang – auf 180 Kilometern werden die Gleise der veralteten Infrastruktur saniert. 200 Weichen werden modernisiert oder gegen neue ausgetauscht, Oberleitungen erneuert und 28 Bahnhöfe entlang der Strecke saniert. Die Kosten für das Projekt gab die Bahn mit 2,5 Milliarden Euro an. Für die kommenden neun Monate werden sich Bahnreisende in der Region im Nahverkehr also in Geduld üben müssen.
Nächste Großbaustellen in der Region schon geplant
Wobei die nächste Großbaustelle, die die Region betreffen wird, nicht lange auf sich warten lässt. Die Bahn plant die Generalsanierung der Lehrter Stammbahn zwischen Hannover, Wolfsburg und Berlin. Die Kernphase der Arbeiten soll im Februar 2027 beginnen und wohl bis Dezember 2027 abgeschlossen sein. Dann wird das Bahnfahren in Wolfsburg wieder zu einer Geduldsprobe. 2029 steht dann die Sanierung der Bahnstrecke Hamburg-Hannover an, auch hier sind Auswirkungen auf den Bahnverkehr in der Region zu erwarten.
AZ/WAZ