Standdatum: 27. Juli 2025.
Autorinnen und Autoren:
Alexander Schnackenburg
Ein Aussichtsturm lädt am Naturerlebnis-Pfad „Wilder Grüner Westen“ zur Suche nach Vögeln ein. Wie sie leben, darüber informiert der Turm auf Schildern.
Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg
Klimaschutz beginnt mit der Blume auf der Fensterbank. Diese Botschaft möchte der Bremer Senat mit dem Aktionsplan Klimaschutz 2.0 vermitteln – und stärkt die Umweltbildung.
Obstbäume, Brennnesseln und Brombeersträucher prägen das Bild zwischen Spielgeräten, Lehrtafeln, Kleingärten, Gräben, einem Aussichtsturm sowie einem kleinen See: Der Naturerlebnis-Pfad „Wilder Grüner Westen“ im Parzellen-Gebiet bei Walle und Gröpelingen erinnert nur dem Namen nach an Karl Mays Wilden Westen. Die unendliche Weite der Steppe sucht das Auge hier vergebens. Kein Wunder, handelt es sich doch – um es in der Sprache der Verwaltung zu sagen – um einen „städtischen Aufenthaltsraum“.
Allerdings um einen, auf den man im Bremer Senat besonders stolz ist. So betonte Bausenatorin Özlem Ünsal (SPD) zur Eröffnung des Erlebnispfads im März, dass derartige Erholungsräume gerade für die Menschen dicht besiedelter Quartiere wie Gröpelingen wichtig seien, hätten sie doch meist keinen eigenen Garten. Und Umweltsenatorin Kathrin Moosdorf (Grüne) schwärmte: „Solche grünen Oasen innerhalb der Stadt sind gut für Groß und Klein, denn hier können alle die Natur hautnah erleben und auch mal zur Ruhe kommen.“
Umweltbildung für mehr Artenvielfalt
Mit diesem „Bienenfutterautomat“ regt der Naturerlebnis-Pfad „Wilder Grüner Westen“ zum Ansäen von Wildblumen an.
Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg
Der Natur-Erlebnispfad „Wilder Grüner Westen“ bildet einen Abschnitt des Rundwegs „In den Wischen“ und ist mit seinen 1,2 Kilometern Länge einer der bisher größten Natur-Erlebniswege Bremens. An 13 Stationen samt Picknickplatz, Bienenfutterautomat und allerlei Schautafeln zu Tieren und Pflanzen informiert der Erlebnisweg über die heimische Flora und Fauna sowie über sinnvolles Gärtnern. Der Gast erfährt, wie Eisvögel und Blaukelchen leben, worin sich die Masken-Biene von der Garten-Wollbiene unterscheidet, welchen Tieren Hecken und Bäume als Lebensräume dienen.
Mit dieser Form der Umweltbildung begleitet der Bremer Senat das im Aktionsplan Klimaschutz 2.0 mehrfach formulierte Ziel das Stadtgrün ausweiten. Städtische Flächen sollen entsiegelt und neu – sprich: möglichst grün – gestaltet werden. Projekte wie der Naturerlebnis-Pfad „Wilder Grüner Westen“ sollen dazu beitragen, die Bevölkerung dafür zu begeistern.
Um parallel dazu auch Privatpersonen für das Entsiegeln und Begrünen von Flächen zu gewinnen, hat Bremen zu Beginn des Jahres das Förderprogramm Schwammstadt aufgelegt. Zudem sind Eigentümer aufgrund der kürzlich novellierten Landesbauordnung dazu verpflichtet, bis Beginn des Jahres 2027, Schottergärten zu entsiegeln. Flankierend dazu hat der Bremer Senat kürzlich die „Bremische Biodiversitätsstrategie 2030“ veröffentlicht. Sie zielt darauf ab, die Tier- und Pflanzenwelt im Land Bremen zu schützen, dem Rückgang der Artenvielfalt etwas entgegenzusetzen – wie eben naturnahe Gärten.
Vorbild „Wilder Grüner Westen“
Schautafeln wie diese informieren den Gast im „Wilden Grünen Westen“ darüber, was er links und rechts sehen kann.
Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg
Wie solche naturnahen Gärten aussehen können – das veranschaulicht manche Parzelle am Rande des Erlebnispfads „Wilder Grüner Westen“. Auch finden sich auf den Schautafeln des Pfads hierzu allerlei Tipps – auch für solche Gärtner, die nur wenig Platz zur Verfügung haben. So heißt es unter der Überschrift „Garten im Mini-Format“ etwa: „Eine insektenfreundliche Pflanze auf dem Balkon oder Fensterbrett liefert schon einen kleinen Beitrag zum Schutz und Erhalt vieler Insekten.“
Wer etwas mehr Platz habe, könne Ohrwurmhäuser, Insektenhotels oder Wildblumenwiesen aus heimischen Pflanzen anlegen. „Insekten, Vögel und andere Tiere finden in diesen Pflanzen reichlich Nahrung und einen sicheren Unterschlupf“, steht dazu auf der Tafel. Meiden hingegen solle der Hobbygärtner „handelsübliche Blumenerde“. Denn sie enthalte Torf, für das Moore zerstört würden – kontraproduktiv im Sinne der Artenvielfalt.
Information zum Thema
Kritik am Aktionsplan Klimaschutz 2.0
Der Bremer Senat hat für den Aktionsplan Klimaschutz 2.0 viel Kritik eingesteckt. Unter anderem deshalb, weil der Aktionsplan nicht mehr – wie noch im Vorjahr – 342, sondern nur noch 245 Maßnahmen umfasst.
Martin Michalik, klimaschutz- und energiepolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion bezeichnet den Aktionsplan zudem als „Mogelpackung“. Anders als der Name „Aktionsplan Klimaschutz 2.0“ suggeriere, fehlten neue Impulse. Auch gehe aus dem Plan nicht hervor, wie Bremen bis 2038 klimaneutral werden wolle.
Eben dies bemängelt auch der BUND Bremen. Sein Vorsitzender Klaus Prietzel sagt zum Aktionsplan Klimaschutz 2.0: „Bremen tritt klimapolitisch weitgehend auf der Stelle.“ Von einer zusammenhängenden und abgestimmten Klimastrategie könne keine Rede sein. Der Plan sei als Reaktion auf den Klimawandel unzureichend.
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Quelle:
buten un binnen.
Dieses Thema im Programm:
buten un binnen, 7. Juli 2025, 19:30 Uhr


