Sie ist ein äußerst vielseitiges Instrument und kostet doch keinen Cent. Außerdem kann man sie überall mit hinnehmen und braucht dafür noch nicht einmal ein Transportbehältnis. Die Rede ist natürlich von der menschlichen Stimme – die ihre schönste Ausprägung im Gesang findet.
Unbeschreibliches Gefühl
2025 wird die Stimme als „Instrument des Jahres“ gewürdigt – und der Rundfunkchor Berlin feiert natürlich mit. In der Vorschau-Broschüre zur Saison 2025/26 kommen die Sängerinnen und -sänger zu Wort: „Ich fand es schon als Kind ein unbeschreibliches Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein“, sagt der Bariton Bruno Meichsner.
Und der Musikpsychologe Gunter Kreutz ergänzt: „Gemeinsames Singen fördert die gegenseitige Wahrnehmung. Es schafft Nähe und Vertrauen.“ Hinzu kommt, dass die Stimme das einzige Instrument ist, das Sprache transportieren kann und damit Bedeutung, wie Annerose Hummel betont.
Immer mal wieder eine andere Perspektive wählen. Das ist auch musikalisch das Motto des Berliner Rundfunkchors.
© Peter Adamik
An 34 Abenden wird der Rundfunkchor in der kommenden Spielzeit klingende Worte in Berliner Konzertsäle entsenden, Gastspiele führen die Vokalprofis zudem nach Hamburg, Vilnius, Basel und Salzburg. Drei Programme wird der Chor mit den Berliner Philharmonikern gestalten, vier mit dem Deutschen Symphonie-Orchester (DSO) und fünf mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB). Überraschenderweise ist Gustav Mahlers selten aufgeführte „Sinfonie der Tausend“ gleich zweimal dabei, im September im Hangar 4 des ehemaligen Flughafens Tempelhof und im Januar dann in der Philharmonie.
Mehr zum Thema klassische Musik lesen Sie hier Berliner Klassikszene Spielzeitpause? Von wegen! Jugendorchestertreffen im Berliner Konzerthaus Das ist diesmal anders bei „Young Euro Classic“ Was der Rias Kammerchor 2025/26 plant Vogelgezwitscher und Stimmen aus der Dunkelheit
Schon die Uraufführung von Hans Werner Henzes 9. Sinfonie hatte der Rundfunkchor 1997 gestaltet, gemeinsam mit den Philharmonikern. Im Februar 2026 realisiert der Chor die Partitur nun mit dem RSB unter der Leitung von Vladimir Jurowski. Ein Highlight dürfte im März dann auch Verdis Requiem werden, realisiert mit demselben Orchester und der Dirigentin Oksana Lyniv.
Anspruchsvoll geht es beim traditionellen Weihnachtskonzert im Berliner Dom zu, mit der 1926 vollendeten „Messe für Doppelchor a cappella“ des Schweizer Komponisten Frank Martin. Ziemlich aktivistisch klingen dagegen die Titel der „Rundfunkchorlounge“, einem moderierten Format, das im Heimathafen Neukölln stattfindet: „Von Geld und Gier“, „Fake News“ sowie „Die andere Hälfte des Olymp – Frauen, Macht und Mythos“.