Hamburg. Der Profifußballer, der für den FC St. Pauli gespielt hat, über seinen Schritt ins Unternehmertum und seinen Wechsel zum SC Freiburg.

Beim SC Freiburg herrscht noch Zucht und Ordnung. Handys sind rund ums Training und um die Spiele untersagt. Eine Regel, an die sich auch Igor Matanović nach seinem Wechsel erst mal gewöhnen musste. „Ich finde das eine gute Sache, so ist man geradezu gezwungen, mit den Kollegen zu interagieren. Es tut wirklich gut, das Telefon mal fünf, sechs Stunden liegen zu lassen“, sagt der 22-Jährige. Voller Fokus auf die Bundesliga.

In den Wochen zuvor war er wiederum gezwungen, verdammt viel Zeit am Smartphone zu verbringen. Es musste geplant, organisiert, koordiniert werden. Damit an diesem Sonnabend alles perfekt ist. Dann eröffnet am Alten Wall 20 die erste Oakberry-Filiale in Hamburg, und für Matanović ist das immer noch eine Utopie. Denn der langjährige Stürmer des FC St. Pauli fungiert als geschäftsführender Gesellschafter des Lokals, das vor allem Produkte mit der brasilianischen Açaí-Beere anbietet.

Igor Matanović eröffnet Oakberry-Laden in Hamburg

„Ich hätte niemals gedacht, mal einen Laden in Hamburg aufzumachen, schon gar nicht im Gastrobereich“, sagt Matanović. Schmackhaft gemacht wurde ihm die Idee dann aber im Wortsinn in Split. Als der gebürtige Hamburger mit der kroatischen Nationalmannschaft dort war, lud ihn sein Cousin zum Besuch bei Oakberry ein.

Die Bowls mit reichlich Früchten und Protein inspirierten die Geschmacksnerven wie Gehirnzellen Matanovićs gleichermaßen. „Ich war wirklich von dem Produkt überzeugt. Als Sportler, der sehr auf bewusste Ernährung achtet, kann ich mich damit gut identifizieren.“ In Deutschland ist Oakberry bislang aber kaum vertreten.

Verstorbener Sohn von Starkoch erstellte das Gastrokonzept

Das ändert sich nun unter anderem dank Matanović, dem auffiel, dass sein guter Freund Raoul Spanger, zugleich Berater des Formel-1-Fahrers Nico Hülkenberg, wiederum in Kontakt zu einem der Oakberry-Manager steht. Von da an wurden Ideen ausgetauscht, Kontakte geknüpft, Pläne geschmiedet.

Der mutige Schritt, unternehmerisch tätig zu werden, habe ihm „unheimlich viel Spaß“ gemacht, so der Torjäger. Neben Spanger verantwortete vor allem Tom Hauser die Konzeption, Planung und den aufwendigen Umbau. Der Sohn von Starkoch Karlheinz Hauser brachte die gastronomische Erfahrung, dazu viel Herzblut und jede Menge Motivation mit. „Ohne Tom wäre dieser Store nicht möglich gewesen“, so Matanović und Spanger. Sein Tod infolge eines Kollapses beim Halbmarathon in Hamburg Ende Juni war ein schwerer Schicksalsschlag.

Matanović spricht über seinen Wechsel zum SC Freiburg

Nun muss das Projekt ohne ihn anlaufen. Best-Case-Szenarien aus Kopenhagen verheißen Gutes. Auch Ex-Formel-1-Fahrer Kevin Magnussen, bei dem sich Spanger erkundigt hat, kann das bestätigen. Der Däne hält die Oakberry-Franchiserechte für Skandinavien. „Das klang alles sehr ermutigend“, sagt Spanger.

Mutig war allerdings auch der Schritt von Matanović, nach seiner ersten Saison bei Eintracht Frankfurt und trotz lange dotierten Vertrags einen Neuanfang beim SC Freiburg zu wagen. Für mindestens 6,7 Millionen Euro ging der Wechsel vonstatten, St. Pauli profitiert von der Weiterverkaufsbeteiligung, erhält mindestens eine Million Euro.

Neuer Club besticht mit gutem Umfeld

„Ich habe das Vertrauen von der Eintracht immer gespürt, ich musste den Verein nicht verlassen. Aber als Fußballer willst du natürlich immer spielen, und diese Perspektive habe ich in Frankfurt nicht so richtig gesehen. Dadurch, dass wir uns für die Champions League qualifiziert haben, wäre das nach einer Saison, in der ich zwei Tore erzielt habe, für mich auch nicht einfacher geworden“, schätzt er realistisch ein.

Igor Matanović setzt sich gegen Jonas Meffert durch.

In Freiburg soll Igor Matanović regelmäßig Spielzeit erhalten, wie zuletzt im Test gegen den HSV.
© Witters | Tim Groothuis

Den nächsten Schritt vollzieht der fünffache kroatische Nationalspieler nun bei einem Club, mit dem er bis dato keinerlei Berührungspunkte hatte. „Aber trotzdem hat Freiburg aus der Ferne auf mich immer sympathisch gewirkt.“ Dort angelangt, bestätigte sich der Eindruck: „Es gibt Spieler, die schon fünf, sechs Jahre hier sind, die Leute aus dem Staff teilweise noch deutlich länger. Das spricht dafür, dass hier einiges richtig gemacht wird.“

Ex-St.-Pauli-Stürmer will wieder mehr spielen

Eine Garantie auf Einsatzzeiten gibt es bei aller Familiarität aber auch im Breisgau nicht. „Leistung und Entwicklung müssen stimmen“, weiß Matanović. Dennoch sei der 1,95-Meter-Mann „ganz entspannt“. Zu einem frühen Zeitpunkt in der Vorbereitung zum Team gestoßen zu sein, habe ihm geholfen, die Spielphilosophie von Trainer Julian Schuster schnell zu verstehen.

In dieser soll Matanović wieder mehr die Rolle einnehmen, die er 2023/24 während seiner Leihe zum Karlsruher SC innehatte. Dort nannten sie ihn – passend für einen Hamburger – den „Ankerspieler“, der vorn immer anspielbar ist und Bälle festmacht. Dieser Spielertyp wurde in Freiburg konkret gesucht. In Frankfurt dagegen ging es offensiv eher um Geschwindigkeit und Konter. „Jeweils nicht meine größten Stärken“, so Matanović, der der Eintracht aber sehr dankbar ist.

Oakberry-Empfehlung: Viel Früchte und Erdnussbutter

Feste Ziele, wie eine bestimmte Anzahl von Toren, nimmt sich der ausgesprochen bodenständige und sympathische Deutsch-Kroate ohnehin nie vor. Einfach alles geben, und davor erst mal richtig ankommen in dieser netten beschaulichen Stadt. „Meine Freundin und ich fühlen uns bereits sehr wohl. Freiburg ist das komplette Gegenteil von Hamburg und Frankfurt, sehr ruhig, mit toller Altstadt. Und in 20 Minuten ist man beim Skifahren“, sagt Matanović, wenngleich er den Wintersport aus Risikogründen nicht betreiben darf.

Igor Matanovic (Eintracht Frankfurt) 24.08.2024, Fussball 1. Bundesliga, 1. Spieltag, Saison 2024/2025 Borussia Dortmund

Aber noch ist ja sowieso Sommer, und damit die beste Zeit, sich mit einer Oakberry-Bowl zu erfrischen. Matanović rät zum Klassiker mit „allen Früchten und Erdnussbutter“. Selbst kann er bei der Eröffnung aber nicht zugegen sein, Freiburg testet gegen den spanischen Erstligisten CA Osasuna. Aber vermutlich wird Matanović im Nachgang einige Bilder auf sein Handy geschickt bekommen. Sobald er es wieder benutzen darf.