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Obenauf: Philipp Ahounasou trägt mit dazu bei, dass die HSG Wetzlar gegen den Bergischen HC noch ein 32:32-Remis rettet. Foto: Röczey © Röczey
Dutenhofen. Nach gut fünf Minuten brandet lautstarker Jubel in der Dutenhofener Halle auf. Ein junges Mädchen rennt auf das Feld und wischt eilig ein paar Schweißflecken weg. Die kleine Wischerin gehört zum Sommertrainingscamp des TSV Södel, das mit insgesamt fast 100 Teilnehmern das Testspiel der HSG Wetzlar gegen den Bergischen HC verfolgt. Und so wird jeder Einsatz des Mädchens mit großen Applaus und lautstarkem Hallo begleitet.
HSG Wetzlar – Bergischer HC 32:32
Großen Applaus und lautstarkes Hallo wiederum erhält der heimische Handball-Bundesligist nur phasenweise beim 32:32 (16:17)-Remis gegen den Erstliga-Aufsteiger. Phasenweise ist dabei tatsächlich das Hauptwort. Phasenweise überzeugend, phasenweise aber auch ganz schön müde kommen die Grün-Weißen an diesem frühen Abend vor insgesamt gut 300 Zuschauern daher.
Gegen enorm quirlige und unangenehm zu bespielende Gäste drehen die Mittelhessen erstmals nach fünf Minuten am sportlichen Rad. Ein Doppelschlag von Ahmed Nafea und Filip Vistorop beschert den 4:4-Ausgleich. Und auch in der Folge sind es Vistorops Rückraum-Aktionen, der gemeinsam mit Dominik Mappes für so viel Witz im Aufbau sorgt, als würde Bully Herbig einen Handballfilm drehen, die Applaus von den Rängen bescheren.
Nachdem die Wetzlarer zu Beginn mit der 5:1-Abwehr aufwarten, bei der Ahmed Nafea den nimmermüden Dauerrenner gibt, steht danach auch die 6:0 gut. So dass beim 13:9-Kracher (19:00) von Philipp Ahouansou alles auf eine richtig heiße Grün-Weiß-Party in der Dutenhofener Sauna hindeutet. Da fällt es noch nicht ins Gewicht, dass die Wetzlarer Jungs ihre Außen sportlich regelrecht aushungern und diesen keine Zuspiele gönnen. Und auch der Weg zum Kreis erscheint so schwierig zu finden wie ein Parkplatz rund um die Sporthalle.
Das alles fällt noch nicht ins Gewicht, weil der Rückraum ackert, kämpft und glänzt. Doch wer an diesem Abend zu früh zu viel schwitzt, den straft der Hitzegott. Und so folgt die Strafe durch den BHC auf dem Fuß. Die jungen Neulinge verfügen mit Eloy Morante Maldonado an diesem Abend über einen ebenso spielstarken wie torgefährlichen Rückraum-Mann, der teils nach Belieben trifft. Zur Pause führt der Außenseiter prompt mit 17:16.
Und das phasenweise müde Spiel der Wetzlarer setzt sich auch nach der Pause fort. Ein paar technische Fehler vorne, ein paar Unkonzentriertheiten hinten und schon leuchtet ratztfatz fünf Minuten nach dem Wiederanpfiff ein unangenehmes 18:22 von der Anzeigetafel. Na klar: Der HSG-Trainer wechselt auch munter durch. Momir Ilic gönnt Mappes mal eine Pause, schaut interessiert zu, wie das Spiel seiner Mannen dann ohne den starken Vistorop läuft. Ilic gibt dem wieder nicht komplett überzeugenden Stefan Cavor viel Einsatzzeit. Und Ilic kann nur mal kurz auf der Torwartposition wechseln, weil Neuzugang Bart Ravensbergen mit einer möglicherweise sogar gravierenderen Verletzung ausfällt.
Ahouansou trifft
Aber phasenweise bleibt weiter das Hauptwort. So zieht der BHC bis auf 26:21 durch einen Knaller von – na klar – Maldonado eine Viertelstunde vor Schluss davon. Doch die Viertelstunde danach wird wiederum zur besten Zeit der Gastgeber. Der bärenstarke Ahouansou trifft in der Schlussphase gleich fünfmal und wenige Sekunden vor Schluss ist es prompt Stefan Cavor, der noch den 32:32-Ausgleich erzielt. Ende gut, alles gut? Phasenweise einiges gut. Phasenweise aber darf sich auch Trainer Ilic freuen, weil ihm seine Jungs noch ein paar Anregungen für schweißtreibende Trainingseinheiten gegeben haben. Komplett glücklich darf schließlich nur das engagiert wischende Mädel vom TSV Södel sein.