Die Verzweiflung nach dem blamablen Pokal-Aus beim Drittligisten Arminia Bielefeld war derart groß, dass sich Bayer Leverkusens Geschäftsführer Fernando Carro massiv über die fehlende Bewässerung des Rasens in der Schüco-Arena kurz vor dem Anpfiff beklagte. Tatsächlich war das Grün recht stumpf geblieben, viele Leverkusener Pässe verhungerten und ermöglichten Bielefelder Konter. „Mich ärgert, dass der Platz nicht gewässert wurde“, schimpfte Carro kurz nach dem Spiel gegenüber Journalisten. Dass dies nicht die Hauptursache für das Versagen der Mannschaft gewesen war, wusste er aber auch.
„Wir haben am Morgen bewässert, kurz vor dem Spiel machen wir das auch in der Liga nie“, erklärte Arminias Sportgeschäftsführer Michael Mutzel. Schiedsrichter Harm Osmers habe ihm die Rechtmäßigkeit dieses Vorgehens bestätigt. Die Bielefelder sind das trockene Geläuf gewohnt, es zählt für sie zum Faktor Heimvorteil, die Leverkusener taten sich umso schwerer. Das Offensivspiel stockte merklich, wirkte überhaupt nicht: flüssig.
„Es hat fast nichts funktioniert“, klagte Trainer Xabi Alonso, der den Faktor Bewässerung allerdings nicht erwähnte: „Wir haben einfach nicht gut gespielt.“ Vor drei Wochen war Leverkusen gegen Bayern München aus der Champions League ausgeschieden, in der Bundesliga beträgt der Rückstand auf die Münchner sechs Punkte. Der DFB-Pokal war für den Double-Sieger der Vorsaison die beste verbliebene, vielleicht letzte gute Gelegenheit, um auch in dieser Saison einen Titel zu gewinnen. Doch man kam gegen bissige Bielefelder nie ins Spiel. Jonathan Tah hatte in der 17. Minute zwar das 1:0 erzielt, doch nur drei Minuten später glich Bielefeld aus und ging ganz kurz vor der Pause sogar in Führung. In der zweiten Halbzeit wurde Leverkusen kaum noch richtig gefährlich.
„Wenn du so rausfliegst, wirst du nachdenklich“, sagte Torwart Lukas Hradecky in den Stadionkatakomben. Auch für Trainer Alonso war die Leistung bedenklich. „Bis jetzt war die Entwicklung gut“, sagte er über die letzten zwei Spielzeiten, „aber jetzt haben wir in einem wichtigen Moment ein großes Spiel verloren.“ Alonso nannte die Pokal-Blamage einen „Tiefpunkt“.
Rolfes vermisst „Präsenz“ und „Dominanz“
Die mitgereisten Fans sahen das offenbar ähnlich. Sie diskutierten am Zaun heftig mit dem durchaus konfrontationsfreudigen Führungsspieler Granit Xhaka, der rein optisch auch gar keinen demütigen Eindruck erweckte und Drohgebärden einzelner Fans extrovertiert erwiderte.
Bayers Sportgeschäftsführer Simon Rolfes vermied trotz des Klassenunterschieds beider Mannschaften Wörter wie Blamage oder Schmach. Er analysierte, seine Mannschaft habe „keine Präsenz in den Zweikämpfen“ und „keine Dominanz“ gezeigt. Er sprach über das 1:2 sehr sachlich, wie über eine ganz normale Niederlage, und versuchte noch, einen Motivationsvorteil für die Bundesliga daraus zu ziehen. „Jetzt müssen wir in der Meisterschaft umso mehr Vollgas geben“, sagte er.
Der aufgebrachte Geschäftsführer Carro hatte sich nach seiner Bewässerungsrage irgendwann wieder beruhigt und sagte aufrichtig: „Ich gratuliere den Bielefeldern, sie haben verdient gewonnen.“