Ein 58-jähriger Mann steht erneut vor Gericht: Am Mainzer Landgericht verhandeln Richter momentan über seine Berufung gegen eine Strafe von eineinhalb Jahren Haft ohne Bewährung. Schon im Wormser Amtsgericht war er unter anderem wegen Beleidigung verurteilt worden. Wie der SWR berichtet, sorgte der Angeklagte nun mit lautstarken Ausfällen und Beleidigungen für Aufsehen.

Drohung mit Saalverweis

Der Angeklagte habe bei der Gerichtsverhandlung selbst Anträge verlesen und immer wieder Richter und Zeugen unterbrochen. Mehrfach habe er im Saal geschrien, er habe „die Schnauze voll“. Einen Gutachter soll er als „lächerlichen Fritz“ bezeichnet haben. Vorsitzender Richter Tobias Suder habe ihn schließlich deutlich ermahnt und mit dem Ausschluss aus der Verhandlung gedroht, so der SWR.

Im Verfahren gehe es unter anderem um eine Internetseite, auf der Berichte mit Beschimpfungen gegen Polizisten, Politiker, Richter und Privatpersonen veröffentlicht wurden. Dort sei von „Terrorjustiz“, „Rechtsbeugern“ und „perfiden Rechtsbrechern“ die Rede. Der Angeklagte bestreitet laut SWR, die Artikel geschrieben zu haben. Verantwortlich sei ein Mann mit Wohnsitz in Südamerika, der ebenfalls Zugriff auf die Seite habe.

Wegen der zahlreichen Einwürfe und Beschwerden zieht sich das Verfahren offenbar deutlich in die Länge. Eine Gerichtssprecherin erklärte gegenüber dem SWR, ein solcher Fall werde normalerweise an einem halben Tag verhandelt – hier seien dagegen mindestens drei Verhandlungstage nötig. Die Aussage eines IT-Sachverständigen musste unterbrochen werden und soll am 2. September fortgesetzt werden.