Der Deutsche Wetterdienst hat für diese Tage wieder eine Hitzewarnung ausgegeben – auf der Warnkarte ist auch das Remstal mit Fellbach, Waiblingen und Schorndorf in Lila gefärbt. Die Experten warnen vor den gesundheitlichen Folgen der starken Wärmebelastung und raten, kühle Orte aufzusuchen. Doch wer in der Stadt unterwegs ist, hat nicht immer die Chance dazu. Wir haben uns umgehört, wo es bei Hitze am unangenehmsten ist.
Bei Hitze wird der Platz der Schmidener Mitte gemieden. Foto: Eva Schäfer Schattenplätze sind bei Hitze in Schmiden gefragt
Zwei Schmidenerinnen haben sich im Flecken getroffen an dem späten Nachmittag. Doch sie plaudern nicht auf dem Platz, der den Namen Schmidener Mitte trägt, sondern einige Meter weiter – an einem Schattenplatz. „Da vorne ist es viel zu heiß und zu kahl“, sagen die beiden unisono. Mit dem vielen Pflaster heize sich das Ganze auch zu sehr auf. Einige wenige Gäste haben unter den großen Schirmen der „Schmitte“, dem angrenzenden Gastrobetrieb in der Fellbacher Straße, Platz genommen. Sonst ist der Platz leer.
Jörg Schiller hatte dort immer mal wieder mehr Grün gefordert: „So wenig Grün auf dieser großen Fläche, das kann es doch nicht sein, so sollte es nicht aussehen – eigentlich sollten wir doch ein besseres Vorbild für alle darstellen“, beklagte sich der selbstständige Landschaftsgärtnermeister und Stadtrat der Stadtmacher vor einem Jahr.
Fellbachs Baubürgermeisterin dagegen hatte auf die diversen Anforderungen, die die Neue Mitte Schmiden erfüllen müsse, verwiesen. Fragt man bei Schiller nach, so habe sich an seiner Einschätzung der Neuen Mitte in Schmiden seitdem nichts geändert. Viele Plätze seien zu heiß angesichts des Klimawandels, das gelte auch für den Palm-Platz. Allerdings müsse auch die multifunktionale Rolle der Plätze bedacht werden. Sein Anliegen: „Wir müssen für die ganze Stadt denken und sie mit mehr Grün versehen.“ Das sei ein großes Zukunftsthema angesichts des Klimawandels. Vor allem bei der Umgestaltung der neuen Mitte in Fellbach sei es entscheidend, dies zu berücksichtigen.
Kaum Hitzeschutz: Der große Platz vor dem F3-Bad ist schon lange ein Thema. Foto: Eva Schäfer Platz vor dem F3-Freibad bleibt trotz Nachpflanzungen ein Dauerbrenner
Ein Dauerbrenner im eigentlichen Sinn des Wortes ist der Platz vor dem F3-Bad. Daran hätten auch die neuen Baumbeete noch nichts grundlegend geändert. Das machen die beiden Freibad-Besucherinnen deutlich. „Die kleinen Bäume reißen es nicht rum“, sagt die Dame, die regelmäßig das Bad besucht. „Heute war ich mit meinen Enkeln im Freibad. Vor dem Bad und in dem Bad gibt es kaum Schatten“, sagt sie, „ich trauere immer noch dem alten Freibad nach.“ Der über mehrere hundert Meter lange Marsch zum Eingang des F3-Kombibads ohne Schatten war mehrmals Thema in der Stadt. So erhielt der Vorplatz schließlich sechs weitere hochstämmige Laubbäume 2023 , die Stadt investierte hierfür 85. 000 Euro.
Der Alte Postplatz ist zu heiß und öde aus Sicht von Passanten. Foto: Eva Schäfer Der Alte Postplatz ist als Treffpunkt oft zu heiß
Eine klare Meinung zum Postplatz in Waiblingen hat eine Passantin, die seit vielen Jahren in Waiblingen lebt: „Der Platz ist beliebig hässlich“, sagt sie, das sei schade. Denn für viele sei der Postplatz der Punkt, an dem man sich verabrede. „Viele sagen, wir treffen uns an den beiden Schuhschachteln“ und zeigt auf die beiden Gebäude, die offenbar diesen Spitznamen tragen. Da der Platz sehr gut erreichbar ist, sei das oft der Ausgangspunkt, um sich dort zu treffen. Natürlich sei der Platz viel zu heiß. Sicher habe man sich Gedanken über Sichtachsen und manch anderes bei der Gestaltung damals gemacht, doch in der Praxis wirke der Platz unattraktiv und öde. Derzeit wird der Rewe-Markt am Postplatz modernisiert. Dass viele Waiblinger den Postplatz wenig attraktiv finden, ist schon seit Jahren ein Thema. Nun soll dieser auch aufgefrischt werden.
Eine Zone ohne Schatten, so klagt die Passantin, sei vor allem das Areal rund um die Galerie Stihl, die Kunstschule Unteres Remstal und die Eva-Mayr-Stihl-Stiftung. Etwas Schatten und Begrünung gibt es da nun wenigstens temporär durch einen „Pop Up Kultur:Raum“.
Der Guntram-Palm-Platz in Fellbach ist momentan ohne Teich
Die Wasserfontänen sind an dem heißen Mittag gefragt – viele Kinder genießen das Nass auf dem Guntram-Palm-Platz nahe der Musikschule in Fellbach und der Schwabenlandhalle. Donnerstags steigt dort regelmäßig die beliebte Veranstaltung Live im Park . Doch inmitten des Palm-Platzes brennt die Sonne herunter. Die Eltern der spielenden Kinder haben den Schatten gesucht, die die Gebäude der Schwabenlandhalle werfen. Der Teich ist derzeit leer und mit einem Zaun gesichert. Aufgrund eines technischen Defekts, so teilt das städtische Presseamt mit, lief der Teich leer. Die Arbeiten wurden in die Wege geleitet. Vandalismus habe, wie die Stadt berichtet, die Inbetriebnahme jedoch deutlich verzögert.Die Technik soll in der kommenden Woche instandgesetzt werden und dann der Teich wieder befüllt werden.
Auf dem Guntram-Palm-Platz finden viele Events statt, wie Live im Park, doch Schatten ist dort rar. Foto: Eva Schäfer Heiße Bushaltestellen werden beim Warten gemieden Wer mit dem ÖPNV unterwegs ist, der muss sich immer wieder an den Bushaltestellen aufhalten. Ein Fahrgast am Bussteig am Schorndorfer Bahnhof hat den Schatten an einem nahen Gebäude gesucht. „Unter dem Dach der Haltestelle, da weht kein Lüftchen“, sagt er, „es ist viel zu heiß.“ Die meisten Bushaltestellen seien so konstruiert. Im Winter sei er aber froh über das Dach –und auch bei Regen. Da er noch mehr Hitze von Italien gewohnt sei, sehe er es gelassen. Hier sei der Sommer ja schnell wieder vorbei.
Eine Waiblingerin hat einen größeren Leidensdruck und sieht das anders: „Die Haltestelle Stadtmitte ist eine Katastrophe.“ Das sei vor allem für Ältere immer belastender. Sie sei oft mit dem Bus unterwegs – es sei viel zu heiß unter dem Dach, wie unter einem Brennglas. „Viele suchen Schatten einige Meter weg und rennen dann zum Bus, wenn er kommt.“ Das könne doch keine Lösung sein.
Dass sich viele Städte mit dem Thema Hitze angesichts des Klimawandels auseinandersetzen, greift eine Dokumentation der ARD vom 13. August unter dem Titel „Zugepflastert! Wie schützen wir unsere Städte vor dem Hitzekollaps?“ auf, die in der ARD-Mediathek zu sehen ist.