Leipzig. Mit einem festlichen Gelage hat „Auerbachs Keller“ sein 500-jähriges Bestehen gefeiert. Die Traditionsgaststätte in der Mädlerpassage, die 1525 als Weinausschank eröffnet worden war, lud am Dienstag zu einem Abend in Anlehnung an Goethes „Faust“. Um Punkt 15.25 Uhr begann der erste Teil des Festakts im historischen Fasskeller.

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Rund 90 geladene Gäste kamen am Dienstagnachmittag im Restaurant zum offiziellen Teil zusammen. Der für Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) reservierte Platz blieb leer – wegen Koalitionsgesprächen in Berlin hatte er kurzfristig abgesagt. Seine Glückwünsche übermittelte er per Videobotschaft. Darin bezeichnete er Auerbachs Keller als „Ort der Begegnung“, der noch lange erhalten bleiben müsse.

Zwei Bürgermeister dankenOberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) spricht als Ehrenbotschafter.

Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) spricht als Ehrenbotschafter.

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Anschließend bedankte sich ein sichtlich gerührter René Stoffregen bei den Gästen. Der Geschäftsführer kündigte die „Mädler-Night“ am 15. Mai an, die in diesem Jahr im Zeichen von Auerbachs Keller stehen werde. Stoffregen blickte zurück und verriet sein Erfolgsrezept mit einem Augenzwinkern: Es brauche „Herz, Verstand – und ein Glas guten Wein.“

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), Ehrenbotschafter des 500. Jubiläums, referierte über Dr. Faustus, zog einen Bogen vom Anfang der Weinstube bis in die Gegenwart und erwähnte die Service-Roboter, die seit einiger Zeit Kellner-Arbeiten im Keller übernehmen. Der Ort sei untrennbar mit Goethes Faust verbunden – schließlich ließ der Dichter hier eine seiner berühmtesten Szenen spielen. „Es ist der einzige authentische Ort des gesamten Werks“, so Jung. Er schloss seine Rede mit den Worten: „Auerbachs Keller ist ein Geschenk für Leipzig.“

Der zweite Ehrenbotschafter Christoph Ahlhaus, ehemaliger Bürgermeister Hamburgs und Senator a.D., schloss sich dem Lob an. Die Traditionsgaststätte sei ein Ort, der allen Krisen getrotzt habe. „Selbst Bomben und eine Diktatur konnten Auerbachs Keller nichts anhaben.“

Selbst Bomben und eine Diktatur konnten Auerbachs Keller nichts anhaben.

Christoph Ahlhaus

Ehrenbotschafter des 500. Jubiläums

Musikalisch untermalt wurde der Festakt von Judith Gerhardt und Athena Zenker, Studentinnen der Musikhochschule „Felix Mendelssohn Bartholdy“. Zum Abschluss ergriff erneut Stoffregen das Mikrofon und dankte für die „ergreifenden Worte“.

René Stoffregen im historischen Keller: Der Geschäftsführer weiß um die schwierige Lage auch von Traditionslokalen.

René Stoffregen im historischen Keller: Der Geschäftsführer weiß um die schwierige Lage auch von Traditionslokalen.

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Stoffregen verrät seine Strategie

Am Rande der Veranstaltung verriet der Wirt sein Erfolgsrezept. „Wir haben 125 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Acht davon sind nur fürs Marketing zuständig“, erklärte der Geschäftsführer. Traditionslokale hätten es schwer – was nicht zuletzt durch die Insolvenz von Leipzigs ältestem Restaurant, dem Thüringer Hof, deutlich wurde. „Wir kämpfen um jeden Gast“, gab Stoffregen zu. Das Ziel: „Wir müssen in Erinnerung bleiben.“

Wir kämpfen um jeden Gast. Wir müssen in Erinnerung bleiben.

René Stoffregen

Geschäftsführer von Auerbachs Keller

Am Abend folgte dann das Gelage zum Jubiläum im „Großen Keller“ mit 350 Gästen sowie mit Braten, Beilagen und Soßen in Schüsseln, Bier in Krügen und einer Geburtstagstorte mit 500 Kerzen. Bereits Wochen im Voraus waren sämtliche Tickets für 199 Euro pro Stück ausverkauft.

500 Jahre sind ein guter Grund, um auf Auerbachs Keller anzustoßen.

500 Jahre sind ein guter Grund, um auf Auerbachs Keller anzustoßen.

Sonderbier fürs Jubiläum

Für das Jubiläum wurden eigens ein Festbier von Ur-Krostitzer kreiert, dazu ein Jubiläumssekt und ein Jubiläumswein vom Schloss Wackerbarth – sowie ein Aquavit, der in einem Fässchen im Keller lagerte. Symbolfigur Mephisto, verkörpert von Hartmut Müller, „bewachte“ das Destillat mit einem Augenzwinkern.

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Am Abend wurden Szenen aus der Geschichte des Kellers inszeniert – unter anderem mit Auftritten historischer Figuren wie Martin Luther, begleitet von moderner Licht- und Tontechnik.

LVZ