Essen. Deutschlands neuer Radsport-Held startet bei der Deutschland Tour in Essen. Doch der Dritte der Tour de France zählt nicht zu den Favoriten. Warum?
Diese Nachricht sorgte für Begeisterung bei Radsportfans: Florian Lipowitz verkündete seinen Start bei der Deutschland Tour 2025, die am Mittwoch und Donnerstag in Essen beginnt. Der 24-Jährige ist derzeit Deutschlands Topstar unter den Radprofis, vor wenigen Wochen schloss er die legendäre Tour de France als Gesamt-Dritter ab. Deutschlands Radsportfans feierten den neuen Helden.
„Für jeden deutschen Fahrer sind die Rennen in Deutschland etwas Besonderes“, sagte Lipowitz, der am Freitag vom deutschen Rennstall Red Bull-Bora-hansgrohe für die fünftägige Rundfahrt nominiert wurde: „Und für mich ist es in diesem Jahr noch einmal ganz Besonders. Bei der Tour de France waren so viele deutsche Fans an der Strecke – da bin ich gespannt, was nächste Woche los ist.“ Wohl eine ganze Menge, sowohl beim Prolog auf Zollverein am Mittwoch als auch beim Start der 1. Etappe am Donnerstag, wo es von Essen Richtung Gelsenkirchen nach Herford geht.
Florian Lipowitz feiert im weißen Trikot bei der Tour de France.
© AFP | MARCO BERTORELLO
Deutschland Tour 2025 in Essen: Topstar, aber nicht Favorit
Die Deutschland Tour ist das erste Etappenrennen, das der Ulmer seit der Frankreich-Rundfahrt bestreitet. Nach der Großen Schleife hatte Lipowitz an der Salus Radsportnacht im bayerischen Bruckmühl teilgenommen. Danach gönnte sich der beste Nachwuchsfahrer der Tour eine zweiwöchige Pause, verbrachte auf gemütlichen Kaffeefahrten mit Freundin Antonia aber weiter viel Zeit auf dem Rad. Sein Team bezeichnete den Start bei der Deutschland Tour als ein „echtes Wunschprojekt“ des Schwaben, das den Einstieg in den nächsten Saisonblock bildet.
Aber halt: Auch wenn der Tourdritte als absoluter Star an den Start in Essen geht, wird er die Deutschland Tour wohl kaum gewinnen. Warum? Weil das Profil der Strecke über 741 Kilometer vom Ruhrpott quer durch das Land nach Magdeburg ihm einfach nicht liegt. Der Prolog auf Zollverein kommt den Zeitfahrspezialisten und tempoharten Sprintern entgegen. Auf der 1. Etappe geht es dann auf die knackigen Anstiege im Teutoburger Wald. Und auch die zweite, dritte und die vierte Etappe geizen nicht mit Anhöhen. Lipowitz aber ist ein echter Berg- und Rundfahrtspezialist. Zu flach, zu kurz ist die Deutschland Tour für ihn. „Das Profil liegt eher unseren Sprint- und Klassikerspezialisten – mit Jordi Meeus, Danny van Poppel und Laurence Pithie sind wir für alle Etappen top aufgestellt. Aber ich will den Jungs jetzt etwas zurückgeben und ihnen helfen, Erfolge einzufahren“, sagte Lipowitz selbst ehrlich bei seiner Nominierung.
Der Deutsche Florian Lipowitz, der das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers trägt, in Aktion bei der Tour de France.
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Deutschland Tour 2025 in Essen: Florian Lipowitz in Helferrolle
Der Jungstar wird deshalb in die Helferrolle schlüpfen – und den Auftritt in der Heimat genießen. Abgesehen von den deutschen Meisterschaften ist Lipowitz seit zwei Jahren nicht mehr bei einem Rennen des Weltverbands UCI in der Heimat gefahren. Nach seinem beeindruckenden Debüt mit Podiumsplatz drei und dem Gewinn des Weißen Trikots bei der Tour de France hat er sich das zweifelsfrei verdient. Und auch die Fans am Straßenrand werden den deutschen Topfahrer feiern. Seine Teilnahme dürfte den ein oder anderen Zuschauer mehr an die Strecke locken. Der Name Lipowitz zieht, die Organisatoren freut es, für die Deutschland Tour ist seine Teilnahme eine enorme Aufwertung.
Lipowitz wäre auch gerne bei der Weltmeisterschaft in Ruanda vom 21. bis 28. September gestartet. Im vergangenen Jahr hatte der Schwabe in Zürich zum ersten Mal bei einer WM in der Eliteklasse teilgenommen. Doch sein Rennstall hat andere Pläne. Statt Afrika heißen seine weiteren Stationen bis zum Saisonende Kanada und Italien. Im September stehen für Lipowitz die WorldTour-Klassiker in Quebec und Montreal auf dem Programm. Im Oktober folgt der Klassikerblock mit dem Giro dell‘Emilia, der Tre Valli Varesine und der Lombardei-Rundfahrt.
Vom ehemaligen Biathlon-Talent zum Shooting-Star des Radsports: Lipowitz‘ Weg ist eine der spannendsten Geschichten im Peloton. Nach Verletzungsproblemen wechselte er aufs Rad, wo er binnen weniger Jahre zu einem der stärksten Bergfahrer heranreifte. Lipowitz ist aber nicht der einzige Star, der in Essen am Start steht. Unter anderem sind auch Allrounder Wout van Aert, der Gewinner der Schlussetappe in Paris, sowie Top-Sprinter Jonathan Milan, der Gewinner des Grünen Trikots, dabei.