Bei der Oberbürgermeisterwahl 2026 in Hannover zeichnen sich fünf Kandidaten ab. Überraschend schickt die CDU Peter Karst, Chef der Handwerkskammer ins Rennen. Das hat Gründe.
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Hannover –
Noch gut ein Jahr bis zur Kommunalwahl in Niedersachsen. Vor allem in Hannover dürfte der Wahlabend des 13. September 2026 spannend werden. In der niedersächsischen Landeshauptstadt können sich die Wählerinnen und Wähler nicht nur zwischen den Oberbürgermeisterkandidaten von SPD (Axel von der Ohe), CDU (Peter Karst) und Grünen (voraussichtlich Amtsinhaber Belit Onay) entscheiden. Auch Linke und AfD haben angekündigt, eigene Kandidaten ins Rennen zu schicken. Das könnte einen zweiten Wahlgang zwei Wochen später, also am 27. September, zur Folge haben.
Seine Partnerin ist SPD-Bürgermeisterin
Vor allem die CDU, die seit den 1950er-Jahren die Rathausspitze nicht mehr erobern konnte, überraschte mit ihrem Kandidaten: Peter Karst ist Hauptgeschäftsgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover und dort Chef von etwa 260 Beschäftigten. Die Kammer selbst betreut rund 19.000 Betriebe mit 130.000 Beschäftigten. Der 54-jährige Jurist bringt eine langjährige Expertise aus der Wirtschaft mit. So hat im Ruhrgebiet am Ausstieg aus der Steinkohleförderung gearbeitet. In CDU-Parteikreisen lobt man seine Wirtschaftskompetenz und gute Vernetzung. Der Hobbyläufer gilt zudem als meinungsfreudig.
Karst lebt seit 2018 in Hannovers Oststadt zusammen mit seiner erwachsenen Tochter. Seine Lebenspartnerin ist die Pattenser Bürgermeisterin Ramona Schumann (SPD). Karst war bisher parteilos, tritt aber jetzt in die CDU ein.
Will für die CDU den Oberbürgermeistersessel in Hannover erobern: Peter Karst (54), Geschäftsführer der Handwerkskammer Hannover
Julian Stratenschulte/dpa
„Stadtplanung nicht nur für den Cityring“
Der OB-Kandidat der Union will mit Wirtschaftsthemen punkten. Über 90 Prozent der Menschen seien in klein- und mittelständischen Unternehmen beschäftigt. Die Bedeutung des Mittelstands müsse stärker in den Fokus rücken. Die CDU als „Partei der Mitte“ wolle die soziale Marktwirtschaft mit dem Umwelt- und Klimaschutz versöhnen. „Es geht mir um eine nachhaltige Stadt“, sagt Karst.
Bei einem der umstrittensten Themen in der Landeshauptstadt, die Verkehrswende des Grünen-OB Onay, bleibt Karst im Gespräch mit dieser Redaktion noch vage. Die Stadtplanung dürfe nicht nur auf den Cityring reduziert werden. Er wolle die Interessen aller Verkehrsteilnehmer in einer „Win-Win-Situation“ zusammenbringen. Hinter der Idee, Autofahrern Platz zugunsten von Fußgängern wegzunehmen, stecke eine längst überholte „Spieltheorie“.
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Linke und AfD fischen Stimmen ab
Eher milde geht Karst mit jenen um, die Hannovers Rekordschulden aufgetürmt haben. Erst kürzlich musste man 600 Millionen Euro an Krediten kurzfristig aufnehmen. Leider nehme der Bund die Kommunen immer stärker in die Pflicht, sagt der 1,91-Meter-Mann. Daher müsse das wenige Geld strategisch sinnvoll investiert werden. Ein Punkt ist Karst dann aber doch sehr wichtig: „Hannover soll wieder lebens- und liebenswert werden.“ In der Metropole sei nicht alles so „in Schuss“, wie es sich für eine Landeshauptstadt gehöre.
Endgültig soll Karst am 30. Oktober von den CDU-Mitgliedern in Hannover nominiert werden. Bei der Linken und der AfD stehen die Kandidaten eher später fest. Zieht man die Ergebnisse der Bundestagswahl im Februar 2025 als Maßstab für die OB-Wahl 2026 heran, haben beide Parteien Potenzial. So erreichte die AfD bei der Bundestagswahl in fünf hannoverschen Stadtteilen mehr als 20 Prozent. Die Linke wurde in vier Stadtteilen sogar stärkste Kraft und nahm den Grünen laut Wahlanalyse mehr als 15.000 Stimmen ab. Die wichtigsten Themen der Rechts- und Linksaußenparteien dürften schon feststehen: Die AfD fordert den Aufnahmestopp illegaler Migranten. Die Linke will beim Thema „Sozialer Wohnungsbau“ punkten.
Konflikt am Küchentisch?
Karsts Lebensgefährtin Ramona Schumann tritt übrigens nach zwölf Jahren nicht mehr fürs Bürgermeisteramt in Pattensen an. Wird sie Wahlkampf für den OB-Kandidaten der CDU machen? Nichts liege ihm ferner, sie in einen solchen Konflikt zu bringen, sagt Karst.