Kiel. Nach der Schließung der Krippengruppen in der Kita Hoppetosse in Kiel-Holtenau wegen erhöhter Formaldehyd-Werte hat sich nun die zuständige Dezernentin in die Debatte eingeschaltet. Renate Treutel (Grüne) reagierte damit auf Vorwürfe, die Stadt habe einen Neubau verschleppt. Das Kita-Gebäude stammt aus den 70er-Jahren.

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Zuvor hatte Gerrit Derkowski, Oberbürgermeisterkandidat der CDU, in sozialen Medien behauptet, der Kirchenkreis Altholstein als Träger der Kita warte seit 2017 auf eine Finanzierungszusage der Stadt Kiel für einen Neubau. In einem Instagram-Beitrag wirft Derkowski der Verwaltung zusammen mit Vertretern des Kirchenkreises vor, falsche Prioritäten gesetzt zu haben.

Gift in Kita Hoppetosse in Kiel: Dezernentin Renate Treutel besorgt um Eltern

In einem Brief an die Kieler Ratsfraktionen und die Kieler Nachrichten schreibt Treutel: Sie habe ihren Urlaub unterbrochen, weil die Eltern der Kita Hoppetosse, „derzeit eher verunsichert werden, obwohl sie doch eigentlich Erklärungen und Hilfe benötigen“.

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Demnach handele es sich um „ein sehr ernstes Thema, wenn Kitaplätze aufgrund baulicher Mängel plötzlich wegfallen oder die Gefahr bestehen könnte, dass die gesundheitliche Situation von Kindern in einer Einrichtung eventuell beeinträchtigt wird. Deshalb sollten wir uns bei diesem Thema keinen Mutmaßungen hingeben, sondern uns an Fakten orientieren“.

Der Träger hatte die Krippengruppen geschlossen, nachdem erneut eine erhöhte Konzentration des giftigen Gases Formaldehyd gemessen worden war. Schon 2017 wurde der Schadstoff in dem Gebäude nachgewiesen. 2024 war er so hoch, dass das Landesamt für Arbeitsschutz, Soziales und Gesundheit verschiedene Maßnahmen empfahl.

Davon hatte der Träger jedoch nicht alle umgesetzt. Bei erneuten Messungen vor wenigen Wochen kam heraus, dass die Formaldehyd-Werte immer noch zu hoch waren. Das Landesamt riet deshalb von einer längerfristigen Nutzung ab.

Streit über Kita Hoppetosse in Kiel: Gespräche über Neubau laufen schon länger

Der Träger informierte daraufhin am vergangenen Montag, dem ersten Tag des neuen Kita-Jahres, die betroffenen Eltern über die Schließung der Krippengruppen und kündigte den Betreuungsvertrag zum 31. August.

In Gesprächen über einen Neubau der Kita befinden sich Stadt und Träger schon länger. Das bestätigt auch Treutel. Tatsächlich sei bei der Stadt aber erst 2023 ein Antrag des Trägers auf Bezuschussung eines Neubaus der Kita Hoppetosse eingegangen.

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2017 gab es lediglich einen Antrag zur Sanierung des Bestandsgebäudes wegen erheblicher Mängel.

Kerstin Graupner

Sprecherin der Stadt Kiel

Das teilte Stadtsprecherin Kerstin Graupner auf Nachfrage der Kieler Nachrichten mit. „2017 gab es lediglich einen Antrag zur Sanierung des Bestandsgebäudes wegen erheblicher Mängel“, so Graupner. Dabei hatte der Träger selbst nach eigenen Angaben bereits 2010 eine umfassende Sanierung durchgeführt.

Derkowski behauptet in seinem Post etwas anderes. Auch Jürgen Schindler, Sprecher des Kirchenkreises Altholstein, widersprach auf Nachfrage der Kieler Nachrichten den darin getätigten Aussagen nicht.

Dezernentin Treutel erläutert in ihrem Brief, dass es für notwendige Ersatzbauten, die der Träger über das Jugendamt bei der Verwaltung beantragt, ein festes Prozedere gibt: „Es sind Investitionsmittel für die Ersatzbauten beziehungsweise zunächst für einen Ersatzbau eingeplant.“ Konkret hat die Stadt im Haushalt 2027 für die Kita Hoppetosse zwei Millionen Euro vorgesehen. Doch bisher hatte der Träger offenbar andere Prioritäten.

Nach KN-Informationen will der Kirchenkreis Altholstein erst die Arche Kunterbunt in Mettenhof, die sich ebenfalls in einem schadhaften Zustand befindet, neu bauen und erst im Anschluss die Kita Hoppetosse. Treutel: „Sollte sich die Priorität nun möglicherweise verändern, werden wir auch diesen Weg mitgehen.“

KN