Kiel. Das Wetter ist ziemlich kühl, aber wenigstens (noch) recht freundlich an diesem Freitagabend im August. Etwa 3000 trotzdem überwiegend sommerlich gewandete Besucherinnen und Besucher tummeln sich auf dem Nordmarksportfeld in Kiel, um beim Eröffnungstag des diesjährigen Funhouse-Festivals dabei zu sein.

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Funhouse Festival in Kiel: Insgesamt knapp 10.000 Besucher erwartet

Das sympathische, alternative, flirrende, wohl größte Sommermusikfestival im Kieler Stadtgebiet (die Kieler Woche einmal ausgenommen) geht auf dem „Norder“ bereits in die vierte Runde, und bis einschließlich Sonntag erwartet Veranstalter Nicolas Grimm knapp 10.000 Besucher.

Als Headliner zum Finale des ersten Tages haben sich die Kieler Indie-Rocker Leoniden angekündigt. Die fulminanten Life-Ekstatiker mit dem Instinkt für wirkmächtiges Songwriting waren schon beim ersten Funhouse Festival dabei und sind längst zu einer ziemlich großen Nummer gereift.

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Leoniden in Kiel: wie eine Old-School-Schluckimpfung

Schließlich wird der Himmel über dem Nordmarksportfeld langsam dunkler. Zeit also, kosmische Phänomene zu bestaunen. Oder zumindest ein musikalisches Äquivalent mit ebenfalls galaktischen Unterhaltungswert. Zeit also für den Auftritt der Leoniden. Benannt nach einem alljährlich wiederkehrenden Meteorstrom, machen die Kieler Lokalmatadoren ihrem astralen Namenspatron jedenfalls wieder alle Ehre.

Allerdings so von den Socken wie sich das Quintett auf der Bühne gibt, sind sie – zumindest inhaltlich – gar nicht. Das neueste ihrer bislang vier veröffentlichten Alben trägt den verhangenen Titel „Sophisticated Sad Songs“, und der Vorgänger klang mit „Complex Happenings Reduced To A Simple Design“ auf dem Cover auch nicht nach purer Gaudi. Manchmal wirken die Leoniden wie eine Old-School-Schluckimpfung, bei der man die bittere Medizin im Zuckerwürfel nicht sofort schmeckt.

Die Band bietet eine rauschhafte Life-Show, vermengt mühelos Indie-Rock mit Funk, Punk oder Elektro. Ihre Gigs atmen den Moment, sind voller Leidenschaft, Ausdrucksfreude und Schwerelosigkeit, zurückhaltendes, aber prägnantes Storytelling vermittelt die Botschaft.

Sternschnuppen mit Strahlkraft: Leoniden auf dem „Norder“ in Kiel

Das Konzert startet mit der traumhaften Chormusik aus dem französischen Film „Die Kinder des Monsieur Mathieu“. Dramaturgisch verfehlt das selten seine Wirkung, vor allem nicht, wenn es anschließend wie beim Life-Opener in Kiel mit „Motion Blur“ aus der aktuellen Platte so dermaßen prachtvoll im Karton scheppert.

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Denn Jakob Amr (Gesang, Synthesizer), die Brüder Lennart Eicke (Gitarre) und Felix Eicke (Schlagzeug) sowie Marike Winkelmann (Bass) und Djamin Izadi (Synthesizer) haben das, was Sternschnuppen eben haben: Strahlkraft.

Saftiges Battle: Leoniden und Raum27

Vom neuen Album glänzen außerdem das druckvoll rock-poppige „Never, Never“, das muskulös pumpende, mit prominenten Funk-und Elektro-Elementen angereicherte „Keep Fucking Up“ oder das ziemlich eindringliche, einen Gang defensivere „A Million Heartbreak Songs“.

Sänger Jakob Amr lieferte nicht nur auf der Bühne ab, sondern performte auch mitten zwischen den Fans.

Sänger Jakob Amr lieferte nicht nur auf der Bühne ab, sondern performte auch mitten zwischen den Fans.

Als Überraschung liefert sich Amr beim Leoniden-Klassiker „People“ ein saftiges Gesangsbattle mit Tristan Stadtler, dem Sänger und Gitarristen der Indie-Band Raum27, die vor den Leoniden ihren Auftritt hatte.

Bei „Sisters“ und „Piano Moment“ musiziert der Sänger inmitten der Menge, setzt sich dort später sogar an ein weißes Klavier.

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Und dann kurz vor Schluss, bei einem geradezu infernalischen Funk-Rock-, Punk-, Elektro-, Hast-Du-Nicht-Gesehen-Donnerwetter, das die Band schlicht „Jam 3“ nennt, hält Sänger Amr plötzlich inne. „Lasst uns kurz an das Funhouse denken“, ruft er der Menge zu, „wer weiß, wie lange wir das hier noch gemeinsam haben…“

Im Frühsommer war bekannt geworden, dass das Funhouse Festival 2026 möglicherweise eine Pause einlegen könnte. Tatsächlich wollte sich am späten Freitagabend auch Veranstalter Grimm noch nicht zur Zukunft des Festivals äußern. Es könnte also noch Hoffnung geben.

KN