Tierische Einwanderer –

Waschbären erobern Berlin – und könnten sich auch bald in der Schweiz vermehren

Publiziert heute um 21:31 UhrEin Waschbär sitzt am frühen Morgen auf einem Ziegeldach neben einem Fenster eines Wohnhauses.

Die herzigen Tiere zieht es dort hin, wo Menschen Essen liegen lassen. Das wird zum Problem.

Foto: Carsten Volkwein

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Berlin hat neue Zugezogene: die Waschbären. Auf Dachböden, in Gärten oder in Mülltonnen fühlen sich die Tiere wohl – besonders in Berlin. Woher kommen die Kleinbären, und warum haben sie sich so ausgebreitet?

Aus der Pelzfabrik ausgebüxt

Ursprünglich stammt der Waschbär aus Nordamerika. Die ersten Exemplare wurden in Deutschland absichtlich ausgesetzt. Am Edersee in Hessen sollten sich 1934 vier Waschbären vermehren, um die Tierwelt zu bereichern. Auf diese zwei Pärchen gehe die städtische Population in Kassel zurück.

Den Weg nach Europa fand der Waschbär im letzten Jahrhundert aber vor allem als Pelzlieferant. Ende des Zweiten Weltkrieges büxten die Tiere aus einer Pelztierfarm bei Strausberg östlich von Berlin dann aus, oder sie wurden mangels Futter freigelassen.

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Waschbären sind Allesfresser und dort, wo sie Nahrung entdecken. Nahe am Menschen also. Zwar finden die meisten die hundeartigen Tiere ganz herzig, Raubtiere sind sie aber trotzdem. Und sie gelten in der EU als invasive Art.

Vorerst hat Berlin keine Strategie zur Eindämmung

Wie viele Waschbären es tatsächlich in Deutschland gibt, ist nicht bekannt. Geschätzt sind es 1,3 Millionen. Sicher genug, dass sich zwei drum streiten. So setzt sich die Tierärztin Mathilde Laininger mit ihrem Lebenshof in Berlin-Zehlendorf für eine Regulation durch Kastration und Sterilisation ein, wie SRF berichtet. Ihr Projekt, die Tiere langfristig unfruchtbar zu machen, wurde vom Berliner Senat aber abgelehnt. Berlin setze lieber auf ein «Wildtierkompetenzzentrum». Das sei aber noch in Konzipierung.

Nach und nach kommen die Waschbären in die Schweiz. Auch hier suchen und finden sie in Wohngebieten Essensreste. Die Tiere könnten sich in den kommenden Jahren auch hierzulande vermehren.

Tiere, wo sie nicht sein sollen

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EinloggenZoë Egli ist Multimedia-Journalistin und arbeitet am Newsdesk von Tamedia. Sie hat Religionswissenschaften und Soziologie an der Universität Zürich studiert.

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