Stand: 23.08.2025 20:53 Uhr

Dieses Spiel kann der 1. FC Union Berlin als Lehrfilm verwenden: Das Team von Steffen Baumgart hat gegen den VfB Stuttgart in der Fußball-Bundesliga auf eine Art mit 2:1 (2:0) gewonnen, die an erfolgreichere Zeiten erinnerte. Der Supercup-Verlierer drückte, hatte Chancen – doch der Gastgeber triumphierte mit unvergleichbarer Effizienz. Die verkörperte vor allem Doppeltorschütze Ilyas Ansah (18. und 45.+4 Minute), der Anschluss von Tiago Tomas (86.) kam für die Gäste zu spät.


Sebastian Hochrainer

Dazu hatte Berlin einen Torhüter, der das Ganze erst ermöglicht hatte. Gegen Jeff Chabot wehrte Frederik Rönnow in der zwölften Minuten einen „Unhaltbaren“ ab, einen Kopfball aus kurzer Distanz lenkte er mit einem herausragenden Reflex noch irgendwie über sein Tor. Schon zu diesem Zeitpunkt hätte sich Stuttgart die Führung verdient, denn nur der VfB machte das Spiel – das da aber noch gar nicht so alt war.

Ansah bringt das Berliner Tollhaus noch mehr auf Touren

Denn schon kurz nach dem Anpfiff war die Partie bereits für mehrere Minuten unterbrochen worden. Unions Fans hatten sich erst mit einer Choreographie durch die „Alte Försterei“ auf Touren gebracht, dann warfen sie allerdings derart viele Schnipsel auf das Spielfeld, dass eine Fortsetzung erst nach der Entsorgung möglich war. Insgesamt war es eine Stimmung á la Union – und dann auch ein Spiel á la Union.

Sportschau, 23.08.2025 17:30 Uhr

Denn der nahezu erste Angriff der Gastgeber sorgte bereits für den ersten Jubelsturm im Stadion. Einen langen Ball konnte Ansah im Getümmel kontrollieren, dann schloss der Neuzugang des SC Paderborn aus 20 Metern direkt ab und hatte das Glück, dass sein Schuss leicht – aber entscheidend – an den Innenpfosten abgefälscht wurde (18.).

Stuttgart stark, Unions Rönnow stärker

Berlin hatte die perfekte Ausgangslage – eine Führung und die große Lust, das eigene Tor zu verteidigen. Aber Stuttgart spielte gut, Sebastian Hoeneß konnte seinem Team in dieser Phase kaum Vorwürfe machen. Über 80 Prozent Ballbesitz hatte seine Mannschaft und dann auch noch mehrere gute Chancen – deren Verwertung war allerdings das große Manko.

Sportschau, 23.08.2025 17:30 Uhr

Joshua Vagnoman hatte den zweiten Hochkaräter, völlig freistehend landete seine Abnahme aus vier Metern aber deutlich über dem Tor (31.). Danach nahm Jamie Leweling einen langen Anlauf und versuchte es aus der Distanz, Rönnow hielt wieder stark (34.). Besonders knapp war es, als der Däne einen Schuss von Atakan Karazor mit dem Fuß gerade noch an die Latte lenken konnte (44.).

Doppelpack von Unions Ansah: „Beide Tore waren super“

Stuttgart hatte die Chancen, Union den Kampfgeist und Rönnow – und natürlich Ansah. In der vierten Minute der Nachspielzeit der ersten Hälfte ebnete der Stürmer selbst den Weg zum Doppelpack. Ansah erkämpfte den Ball, schickte seinen Partner Andrej Ilic über die rechte Seite und bekam dessen Flanke genau auf den Fuß serviert – und mit einem Volley vollendete der Neu-Unioner (45.+4).

„Ich kann das alles gar nicht beschreiben. Es ist alles passiert, das Spiel ist vorbei und jetzt versuche ich das irgendwie zu sortieren“, sagte der überglückliche Ansah nach der Partie im Sportschau-Interview. „Das ist insgesamt einfach geil, beide Tore waren auf ihre Weise irgendwie super. Wir haben das Spiel gewonnen und die Laune ist gut, wir haben gezeigt, dass wir eine Mannschaft wie Stuttgart schlagen können. Das tut uns sehr gut, wir haben jetzt ein gutes Gefühl, das wir in die nächsten Wochen mitnehmen können.“

Sportschau, 23.08.2025 17:30 Uhr

Union erinnert an beste Zeiten unter Urs Fischer

Die Pause unterbrach das Spiel, aber sie veränderte es nicht. Stuttgart machte da weiter, wo es fernab der beiden Torszenen aufgehört hatte. Dazu gehörte auch, dass weder Undavs Kopfball an die Latte (49.) noch der Fernschuss von Maximilian Mittelstädt, den Rönnow entschärfte, an der VfB-Erfolgsquote etwas änderte (50.).

Union stand durchgehend unter Druck, aber trat auf, als hätte es das Selbstverständnis der besten Zeiten unter Baumgarts Vor-Vorgänger Urs Fischer, unter dem sich der Klub in der Saison 2022/23 sogar für die Champions League qualifiziert hatte. Damals waren die Erfolgsfaktoren die gleichen wie in der ersten Stunde gegen Stuttgart, das fußballerisch sehr offensichtlich überlegen war, aber in Sachen Ergebnisfußball eine Lehrstunde erhielt.

Tomas mit gelungener VfB-Rückkehr – aber es reicht nicht

Karazor vergab per Kopf seine zweite Chance und zielte knapp vorbei (57.) – danach schaffte es Union allerdings, die gegnerischen Angriffe für einige Zeit vom eigenen Tor fernzuhalten. Erst in der 81. Minute musste Rönnow einen Schuss von Chris Führich abwehren, der aber von einem seiner Abwehrspieler so abgefälscht wurde, dass diese Aufgabe zu einer der leichtesten in diesem Spiel wurde.

Doch dann wurde es doch noch spannend. Tomas traf sehenswert bei seinem Comeback, nachdem er vom VfL Wolfsburg nach Stuttgart zurückgekehrt war, und lenkte den Ball nach einer Flanke mit der Hacke an den Innenpfosten (86.). In der sechsten Minute der Nachspielzeit jubelte Stuttgart dann sogar über einen noch ein Tor, das einen Punkt bedeutet hätte – aber nur wenige Sekunden lang. Nick Woltemade traf, der Stürmer stand aber im Abseits.

So reist Berlin mit einem Traumstart im Gepäck zum Auswärtsspiel am Sonntag bei Borussia Dortmund (17.30 Uhr) – der VfB muss gegen Borussia Mönchengladbach (Samstag, 15.30 Uhr) den Fehlstart verhindern.