Mütter beknieten ihre Kinder, doch bitte noch aus- und aufzuhalten, Väter bearbeiteten das Bahnpersonal, doch bitte schön einfach mal außerplanmäßig anzuhalten – die nicht funktionstüchtigen Toiletten in einen Zug der Odeg (Ostdeutsche Eisenbahn GmbH) am vergangenen Wochenende auf der Fahrt von Berlin an die Ostsee nach Wismar brachte so manche Familie in große Not.
Toiletten: „Unsachgemäße Benutzung durch Fahrgäste“
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Die derzeitigen Sperrungen von wichtigen Bahnverbindungen, die daraus resultierenden Umleitungen sowie das ferienbedingte hohe Fahrgastaufkommen lassen aktuell eine Bahnreise zwischen Rügen, Usedom, Seenplatte und der Bundeshauptstadt durch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg zu einem Mix aus Abenteuer und Herausforderung mit offenbar offenem Ausgang werden. Auf eine entsprechende Anfrage der Nordkurier Mediengruppe bestätigte die Odeg das Problem. „Wir können bestätigen, dass es am vergangenen Sonntag in einem Zug der Linie RE85 im Abschnitt Berlin–Wismar Einschränkungen bei der Nutzung der WC-Anlagen gab. Der betroffene Zug hielt daraufhin aus Kulanz und im Sinne des Fahrgastkomforts außerplanmäßig in Neustrelitz, um den Reisenden Zugang zu einem öffentlichen WC zu ermöglichen“, sagte eine Sprecherin des Eisenbahnunternehmens.
Diese Dinge werden den Kunden konkret vorgeworfen
In der weit überwiegenden Zahl der Fälle seien Einschränkungen bei der WC-Nutzung nicht auf technische Defekte im engeren Sinne zurückzuführen, sondern auf unsachgemäße Benutzung durch Fahrgäste. Immer wieder komme es vor, dass Gegenstände in die Toiletten eingebracht werden, die dort nicht hineingehören – beispielsweise Verpackungen, Flaschen, Textilien oder Speisereste“, schob die Sprecherin den Schwarzen Peter schon einmal Richtung Fahrgäste. Solche Eingriffe der Passagiere „führen zu Verstopfungen oder Ausfällen der Absaug- und Spülsysteme, die teilweise nur noch durch geschultes Werkstattpersonal behoben werden können“. Die Odeg-Sprecherin weiter: „Darüber hinaus sperren sich WC-Anlagen auch dann automatisch, wenn bestimmte Grenzwerte erreicht sind – etwa bei zu geringem Frischwasserstand oder überfülltem Abwassertank. Diese Sperrungen sind ein Sicherheitsmechanismus. Unsere Fahrzeuge werden turnusgemäß professionell gereinigt, entleert und befüllt – bei Bedarf auch zusätzlich. Eine sofortige Wiederinbetriebnahme ist jedoch nicht immer möglich, etwa wenn keine geeignete Entsorgungsstation verfügbar ist oder die Trassenbelegung keine Verzögerung erlaubt.“
Eingeschränkte Kapazitäten bei Entsorgungsanlagen
Nach Informationen der Nordkurier Mediengruppe gibt es bei den Entsorgungsanlagen für die Toilettenanlagen derzeit zwischen Berlin und Ostsee große Engpässe und eingeschränkte Kapazitäten. Dies betrifft dann nicht nur Züge der Odeg sondern auch andere Bahnunternehmen. An diesem Wochenende ist es deshalb nicht ausgeschlossen, dass der Toilettengang in den Zügen gegebenenfalls aufgeschoben werden muss – sofern dies möglich ist. Die Odeg versuchte die Fahrgäste im Vorfeld etwas zu beruhigen. „Das Fahrgastaufkommen ist saisonal wie gewohnt erhöht. Die derzeitige Betriebslage ist aber – trotz zusätzlicher Baustellen, insbesondere im Hochleistungskorridor Berlin–Hamburg – stabil. Es gibt keine signifikanten Abweichungen vom regulären Betriebsablauf“, hieß es aus der Pressestelle.
AfD: „Abschreckendes Signal“ für Urlauber
Mit dieser Beruhigungspille will sich Paul Timm, tourismuspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, nicht zufrieden geben. „Saubere und funktionsfähige Züge sind eine Visitenkarte unseres Landes. Gerade für Urlauber sind solche unzumutbaren Vorfälle ein abschreckendes Signal. Wer nach Stunden Fahrt im überfüllten Zug nicht einmal die Toilette nutzen kann, überlegt sich zweimal, ob er erneut Mecklenburg-Vorpommern als Reiseziel ansteuert“, betonte der Oppositionspolitiker. Dabei läge die Verantwortung klar bei der rot-roten Landesregierung. Sie handele die Verträge mit den Bahngesellschaften aus. Sie bestelle die Züge, gäbe Taktung und Kapazitäten vor und das beinhalte ordentliche Betriebsabläufe und Anlagen, so Timm. Saubere WCs und Pünktlichkeit sind keine Nebensache, sondern die Voraussetzung für zufriedene Pendler und Gäste. „Wir fordern die Landesregierung im Tourismusland Mecklenburg-Vorpommern auf, ohne Verzug mehr Entsorgungsanlagen und mehr Fahrzeugkapazitäten zu verlangen.“