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Kathrein Gruppe: Ein Familienunternehmen aus Bayern, das einst Weltmarktführer war, ist pleite. © IMAGO/Dreamstime
Deutschland verzeichnet mehr Insolvenzen. Ein bayerisches Familienunternehmen mit früherer Weltmarktführerschaft muss Insolvenz anmelden.
Rosenheim – Nach einem Höhenflug als Weltmarktführerin kämpft die Kathrein-Gruppe in den vergangenen Jahren verstärkt mit Problemen. Nun mussten die zentralen Gesellschaften des Unternehmens für Antennen- und Satellitentechnik aus Rosenheim Insolvenz anmelden.
Kathrein aus Rosenheim ist insolvent
Die Anträge auf Insolvenz haben die Kathrein SE, Kathrin Electronics GmbH und Kathrein Digital Systems GmbH im August gestellt. Das Amtsgericht Rosenheim setzte daraufhin den Rechtsanwalt Michael Verken von der Sanierungskanzlei Anchor als vorläufigen Insolvenzverwalter ein.
Verken ist dem Unternehmen bekannt – und konnte für den Familienbetrieb schon Erfolge verbuchen: Er konnte laut einem Bericht der Wirtschaftswoche einen Investor für die Kathrein Broadcast GmbH finden und diese so vor dem Aus retten. Diese musste im März Insolvenz anmelden und ist nicht mehr Teil der Kathrein-Gruppe.
Der einstige Weltmarktführer wurde 1919 gegründet
Tatsächlich verzeichnet die Kathrein-Gruppe schon länger Probleme. Dabei gibt es das Familienunternehmen schon lange: Der Elektrotechniker Anton Kathrein eröffnete 1919 eine Firma für den Bau von Blitzschutzanlagen. Mit dem Aufkommen der Rundfunktechnologie wurde das Unternehmensspektrum im Laufe der Jahrzehnte erweitert auf Antennen-, Mobilfunk- und Satellitenempfangstechnik.
Noch zur Jahrtausendwende war Kathrein ein Weltmarktführer im Antennenbau und in der Satellitentechnik und wurde laut Wirtschaftswoche als Ikone des deutschen Mittelstands beschrieben. 2018 kam dann die erste Krise. Aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks stiegen die Verluste, Sparten wurden verkauft. 2023 wurde eine weit reichende Umstrukturierung abgeschlossen – trotzdem steht die Gruppe nun vor der Pleite.
„Im vergangenen Jahr führten vor allem die internationalen Unsicherheiten aufgrund des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine zu einem starken Umsatzeinbruch“, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung. „Der wesentliche Grund für die Krise der Gruppe liegt aber in der fortdauernden Belastung durch die Restrukturierung von früheren Gesellschaften, die bereits vor Jahren begonnen wurde.“
Familienunternehmen insolvent – so soll es weiter gehen
Nun sucht Insolvenzverwalter Verken nach Investoren für die Gruppe. Die betroffenen etwa 200 Mitarbeiter erhalten Insolvenzgeld und der Geschäftsbetrieb läuft weiter.
Hoffnung könnte die Entwicklung der Schwesterfirma Kathrein Broadcast GmbH geben. Diese hat nun ihr Insolvenzverfahren mit einem neuen Investor erfolgreich abgeschlossen und der Betrieb läuft weiter. „Wir senden ein klares Signal: Kathrein Broadcast bleibt am Markt, leistungs- und lieferfähig. Die neue Eigentümerstruktur schafft Stabilität und neue Perspektiven“, sagt Jörg Lippert, designierter Geschäftsführer, in einer Mitteilung des Unternehmens.